Nach Funke- und N24-Deal : Springers Glaubensbekenntnis

Die "Bild" hat Erfolg mit ihrem Bezahlangebot "BildPlus" im Netz. Doch nach dem Funke-Deal muss sich Springer seiner selbst vergewissern.

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Rund 152 500 zahlende Abonnenten konnte "BildPlus" innerhalb von sechs Monaten gewinnen.
Rund 152 500 zahlende Abonnenten konnte "BildPlus" innerhalb von sechs Monaten gewinnen.Foto: dpa

Mathias Döpfner greift gerne auf die Weisheiten seiner Mutter zurück. „Kritik ist die höchste Form der Liebe“, das habe sie ihm mit auf den Weg gegeben, erzählte der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG am Dienstagabend. Trotzdem aber hätten ihn die vielen Berichte und Spekulationen getroffen, dass sich Springer offensichtlich vom Journalismus verabschieden will. Döpfner will das Gegenteil beweisen, deshalb hat er nun eine Art Glaubensbekenntnis für den Konzern formuliert: „Homepage“ genannt – eine Anspielung auf die digitale Ausrichtung des Konzerns.

"Journalismus ist Sinn und Seele des Unternehmens"

„Sinn und Seele des Unternehmens Axel Springer ist der Journalismus“, lautet der erste Satz des Programms, das vor allem auch die Mitarbeiter beruhigen soll. Nach dem Verkauf der Regionalzeitungen „Berliner Morgenpost“ und „Hamburger Abendblatt“ sowie der Frauen- und Programmzeitschriften im Juli gab es konzernintern Verunsicherung über die weitere Strategie des Unternehmens. „Ohne Journalismus hat Axel Springer keinen Sinn“, betonte Döpfner am Dienstag. Die Mission sei, „unabhängigen Journalismus in der digitalen Welt“ zu etablieren.

Rund 152 500 Abonnenten für „BildPlus“

Damit das gelingt, hat Springer seine Segmente neu aufgeteilt. Künftig wird unterschieden zwischen Rubrik-, Vermarktungs- und Bezahlangeboten. Zu Letzteren gehört „BildPlus“, das die „Bild“-Zeitung vor sechs Monaten gestartet hat. Exklusive Geschichten, Interviews und Hintergrundinformationen werden seither auf Bild.de kostenpflichtig angeboten. Rund 152 500 Abonnenten konnte „BildPlus“ demnach gewinnen, ohne dass die Reichweite von Bild.de eingebrochen ist, wie am Dienstag bekannt gegeben wurde. Ein Großteil der Nutzer habe sich für die günstigste der drei Varianten zum Preis von 4,99 Euro im Monat entschieden. 50 000 Nutzer würden zusätzlich das Fußball-Bundesliga-Angebot zum Preis von 2,99 Euro beziehen.

Döpfner nennt die Zahlen „extrem ermutigend“

„Unsere Erwartungen wurden übertroffen“, sagte „Bild“-Geschäftsführerin Donata Hopfen. Döpfner nennt die Zahlen „extrem ermutigend“. Sie würden beweisen, dass Leser bereit seien, für journalistische Inhalte im Netz zu zahlen. Für „Triumphmeldungen“ gebe es aber keinen Anlass, noch müsse sich herausstellen, ob Bezahlmodelle langfristig und nachhaltig funktionierten.

„BildPlus“ ist bereits das zweite Bezahlmodell, das Springer gestartet hat. Vor genau einem Jahr war ein kostenpflichtiges Modell für Welt Online eingeführt worden. Die ersten 20 Artikel für den Leser sind frei, danach muss gezahlt werden. 47 000 Abonnenten waren nach sechs Monaten gewonnen, wie viele es inzwischen sind, teilt Springer nicht mit. Allerdings ist die Bezahlschranke bei Welt Online relativ einfach zu umgehen. Hinzu kommt, dass Welt Online mehr Konkurrenz hat als „BildPlus“ mit seinen Boulevardinhalten.

Das Angebot von Welt Online soll nun durch mehr Bewegtbilder attraktiver werden, geliefert von N 24. Der Nachrichtensender wird von Springer übernommen, wie am Montag mitgeteilt wurde. Die Springer-Aktie war nach dieser Nachricht gestiegen. Für Döpfner ein Zeichen dafür, dass auch der Kapitalmarkt an den Journalismus glaube. Über den Kaufpreis für den Sender äußerte sich der Springer-Chef nicht. Aber von den 920 Millionen Euro, die Springer von Funke bekommt, sei noch „viel“ übrig. Sonja Álvarez

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