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Nach Kritik an WDR-Journalisten : DJV: Seehofer missachtet Pressefreiheit

"Die müssen raus aus Bayern", soll CSU-Chef Horst Seehofer über ein Journalistenteam des WDR gesagt habe. Der Deutsche Journalisten-Verband ist empört. WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn macht derweil nicht nur das Verhalten bayerischer Politiker Sorgen.

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CSU-Chef Horst Seehofer kritisiert WDR-Journalisten.
„Die müssen raus aus Bayern.“: CSU-Chef Horst Seehofer stört sich am WDR.

Nach seiner Kritik an einem Journalistenteam des Westdeutschen Rundfunks (WDR) ist CSU-Chef Horst Seehofer selbst in Kreuzfeuer geraten: „Mag sein, dass unsere Fragen für hohe politische Amtsträger manchmal unbequem sind. Aber wir stellen sie, auch in Bayern. Auch dort gilt die Rundfunkfreiheit“, sagte WDR-Chefredakteur Jörn Schönenborn am Dienstag.
Wie am Montag bekannt wurde, hatte Seehofer am Freitag am Rande einer Wahlveranstaltung das Verhalten von Reportern der WDR-Sendung „Monitor“ mit dem Satz kommentiert: „Die müssen raus aus Bayern.“

Anlass war, dass Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) sich von dem Team unhöflich bedrängt fühlte. Sonia Mikich, Inlands-Chefin des WDR Fernsehens, weist die Kritik als unhaltbar zurück: „Unser Team hat sich korrekt verhalten.“ Auch der beteiligte WDR-Redakteur erklärte, das Team sei höflich und korrekt aufgetreten.

DJV: Seehofer muss begreifen, dass Pressefreiheit ein hohes Gut ist

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) reagiert scharf auf Seehofers Satz. „Mit diesen Äußerungen fällt Horst Seehofer erneut als jemand auf, der die Pressefreiheit missachtet“, sagte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken. Seehofer sollte begreifen, dass die Pressefreiheit „ein hohes Gut ist und Politiker sich im Dienste der Demokratie auch unbequemen Fragen stellen müssen.“
Es habe „keine Einflussnahme“ auf die Berichterstattung gegeben, teilte ein CSU-Sprecher mit: „Horst Seehofer hat sein Missfallen über das unangemessene Auftreten des ,Monitor‘-Teams zum Ausdruck gebracht. Es ging nicht um Inhalte, sondern um die Einhaltung der Anstandsregeln.“ Zu diesem Verhalten wolle Seehofer den neuen WDR-Intendanten Tom Buhrow nun um Stellungnahme bitte.

"Das ist nicht nur ein bayerisches Problem"

WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn machen derweil nicht nur Seehofers Äußerungen Sorge: „Bei unbequemen Themen werden uns aus allen politischen Parteien Interviewtermine trotz mehrfacher Anfragen immer wieder verweigert. Und das ist leider nicht nur ein bayerisches Problem."

Die FDP ist empört

Die FDP, Seehofers Koalitionspartner in Bayern, die FDP, zeigt sich empört. Die Liberalen sprechen von einem „unerhörten Vorgang“ und werfen den Christsozialen Selbstherrlichkeit vor. Das Verhältnis zwischen der CSU und dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk war zuletzt nicht immer ungetrübt. Erst im vergangenen Jahr hatte Seehofers Sprecher Hans Michael Strepp zurücktreten müssen, weil er versucht haben soll, Einfluss auf das ZDF zu nehmen. Seehofer kommt normalerweise gut mit Journalisten aus. Legendär ist sein Satz: „Sie können das alles senden“, als er vor laufender Kamera im Nachgespräch zu einem Interview des „heute-journals“ über Norbert Röttgen von der CDU lästerte. Sonja Álvarez/epd

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