Nach Streit um Büchner und Blome : „Spiegel“: Ruhe vor dem nächsten Sturm

Beim "Spiegel" bleibt der Coup d'État aus. An seinem ersten offiziellen Tag als Chefredakteur wirbt Wolfgang Büchner um konstruktive Zusammenarbeit. Doch geht der Konflikt beim Hamburger Nachrichtenmagazin schon bald in die nächste Runde.

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Das "Spiegel"-Verlagsgebäude an der Ericusspitze in Hamburg.
An der Ericusspitze in Hamburg steht das Verlagsgebäude des "Spiegel".Foto: dpa

Nach den Turbulenzen um die Berufung von „Bild“-Mann Nikolaus Blome zum Leiter des Hauptstadtbüros und Vize-Chef des „Spiegel“ ist beim Hamburger Nachrichtenmagazin – zumindest vorerst – Ruhe eingekehrt. Am Montag trat Wolfgang Büchner offiziell sein Amt als neuer Chefredakteur an. Einen Coup d'État gab es in der großen Montagskonferenz nicht. Die beiden stellvertretenden Chefredakteure Martin Doerry und Klaus Brinkbäumer, die den "Spiegel" seit der Abberufung von Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron im April interimsmäßig geführt hatten, bedankten sich bei der Redaktion für das gute Zusammenspiel in den vergangenen Monaten und gaben das Zepter damit quasi an Büchner weiter. Auch dieser soll, so berichten Redaktionsmitglieder, für eine konstruktive Zusammenarbeit geworben haben. Die Konzentration soll nun aufs Magazin gelenkt werden, lautet offensichtlich die Devise, nachdem am vergangenen Montag in der Konferenz noch eine feindselige Atmosphäre herrschte und sich die Ressortleiter einstimmig gegen Blome als neuen "Spiegel"-Vizechef aussprachen.

Der Konflikt geht in die nächste Runde

Aber unterschwellig brodelt der Konflikt im Verlagshaus an der Ericusspitze weiter. Bereits am 16. September ist die außerordentliche Gesellschafterversammlung der Mitarbeiter KG angesetzt. Hier werden sich die KG-Geschäftsführer wohl erneut dafür rechtfertigen müssen, dass sie offenbar vorab über die Personalie Blome informiert waren, ohne die Mitglieder der Mitarbeiter KG darüber zu informieren.

Die Mitarbeiter KG ist mit 50,5, Prozent der Anteile Mehrheitseigentümerin des „Spiegel“, rund 760 Stille Gesellschafter aus Redaktion, Verlag und Dokumentation sind Mitglied. Möglich, dass diese Stillen Gesellschafter aus Ärger über die Berufung Blomes und die Informationspolitik für eine Neuwahl der KG-Geschäftsführung stimmen. Das fünfköpfige Gremium war erst im Februar angetreten, normalerweise steht die Wahl alle drei Jahre an. Sollte sich eine Mehrheit der Gesellschafter für eine Abwahl aussprechen, dürfte dies auch als Signal gegen Büchner und Blome verstanden werden, der nun nicht mehr Vize-Chef, sondern Mitglied der Chefredaktion wird. Sonja Álvarez

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