Nachfolge von Dagmar Reim : Wer wird neuer Intendant beim RBB?

Christine Strobl? Claudia Nothelle? Ende Juni hört Dagmar Reim nach 13 Jahren als RBB-Intendantin auf. Wer tritt die Nachfolge an?

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Degeto-Chefin Christine Strobl
Degeto-Chefin Christine StroblFoto: SWR/Monika Maier

Am Montag endete die offizielle Bewerbungsfrist für die Position des Intendanten beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB). Die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber für die Nachfolge von Dagmar Reim ist hoch, wie hoch, das hat die Spitze des Wahlgremiums für geheim erklärt. „Der Rundfunkrat hat im Dezember beschlossen, sich als Nächstes auf einer außerordentlichen Sitzung am 5. Februar mit den weiteren Schritten im Wahlverfahren zu befassen. Vorher wird es dazu keine öffentliche Stellungnahme geben, wir legen Wert auf die Vertraulichkeit des Bewerbungsprozesses“, sagte Friederike von Kirchbach, Vorsitzende des RBB-Rundfunkrates.

Natürlich sind am Wahlgremium vorbei verschiedene Namen durchgesickert, klar ist dreierlei: Die Zahl der Aspiranten ist groß, sie kommen aus dem Sender und von außerhalb, entschieden ist nichts. Die Liste der externen Kandidaten wird von Christine Strobl angeführt. Sie leitet seit 2013 die ARD-Tochter Degeto, der 44-jährigen Managerin wird zugerechnet, dass sie die Degeto aus einer wirtschaftlich desaströsen Lage wieder zur Arbeitsfähigkeit gebracht hat und die zu produzierende Fiktion aus der Süßstofflastigkeit erlöst hat. Auch der Name Bettina Schausten, 50, fällt öfter, seit April 2010 ist die Leiterin des ZDF-Hauptstadtstudios also bestens bekannt und vernetzt in der Hauptstadt.

Weitere Namen, die auf dem Kandidaten-Karussell gesichtet wurden: Jan Weyrauch, 47, seit 2011 trimedialer Programmdirektor von Radio Bremen mit RBB-Vergangenheit (baute das Jugendradio Fritz mit auf), und Jörg Schönenborn, 51, WDR-Fernsehdirektor, einem großen Publikum aus ARD-Politsendungen bekannt. Die beiden haben einen Nachteil, den sie auch nicht durch permanentes Rasieren aus der Welt schaffen können: Sie sind männlich, wo es doch vielen als ausgemacht gilt, dass Reims Nachfolgerin eine Frau sein muss.

Anwärterinn auf Intendanten-Posten. Claudia Nothelle, Programmdirektorin des RBB.
Anwärterinn auf Intendanten-Posten. Claudia Nothelle, Programmdirektorin des RBB.Foto: rbb/Christoph Michaelis

Wie auch immer die Kandidatin, der Kandidat von außen heißen mag: Keine/keiner muss allzu große Trauer tragen, wenn es mit der RBB-Kür nicht klappt. Anders gesagt: Eine Christine Strobl, langjähriges CDU-Mitglied, kann unbeschädigt zur nächsten Spitzenposition beim Südwestrundfunk schielen, Radio-Bremen-Spitzenkräfte haben immer den Norddeutschen Rundfunk im Blick.

Intern umfasst die Bewerberliste bis auf den Produktions- und Betriebsdirektor Nawid Goudarzi alle RBB-Spitzenhierarchen: Justiziar Reinhart Binder, 58, Verwaltungsdirektor und stellvertretender Intendant Hagen Brandstäter, 57, und, last but not least, Programmdirektorin Claudia Nothelle, 51. Ihr werden zurzeit die größten Chancen eingeräumt, nicht nur im inneren Zirkel. Claudia Nothelle gilt, vor allem bei den Gremien, als erste Wahl.

Manchem Mitarbeiter im Sender graust es allerdings bei den Namen aus dem Direktorium. Der Tenor, nicht nur bei Nothelle: Dann bliebe ja alles so, wie es ist – und das Fernsehprogramm für Berlin und Brandenburg mausgrau.

Ein Name, der dann immer wieder fällt, wenn es um eine flotte, interne Lösung für die Besetzung des Intendanten-Postens geht, ist der von Radio-Eins-Programmchef Robert Skuppin, 51. Ein guter Programm-Manager, gutes Marketing, sicher, das hört man intern, allzu viel Durchsetzungsfähigkeit traut man Skuppin allerdings nicht zu. Abgesehen davon, dass sich die Schafe auch beim RBB nicht die Hirten aussuchen dürfen (selbst wenn die Mitarbeiter-Vertreter am Montag ein Papier mit dem Titel „Wahlprüfsteine“ an den Rundfunkrat gereicht haben und sich nun aktiv einmischen wollen) – da sind Christine Strobl und Claudia Nothelle schon von anderem Kaliber.

Das letzte, das entscheidende Wort hat der 29-köpfige RBB-Rundfunkrat, der die Wahl zum Intendanten frühestens in seiner Sitzung am 7. April trifft. Ein Gremium, das das öffentliche Leben und damit die Allgemeinheit der Länder Berlin und Brandenburg vertritt. „Königsmacher" haben sich nicht wirklich hervor getan, bislang galt es nur, Dagmar Reim zu wählen und wiederzuwählen. Die 64-Jährige hört am 30. Juni nach 13 Jahren im Amt aus freien Stücken auf.

In einer außerordentlichen Sitzung am 5. Februar will der Rundfunkrat entscheiden, ob und in welcher Form eine – aus seiner Mitte entstandene – sogenannte Findungskommission zur Vorauswahl der Bewerber beiträgt. Wichtig dabei ist der konkrete Arbeitsauftrag: Soll so eine Kommission dem Rundfunkrat gleich drei Bewerber zur Sichtung vorschlagen oder doch nur einen, was einer Präjudizierung gleichkommt?

Bei der Intendanten-Wahl 2008 bewarben sich neben Dagmar Reim zwei weitere Personen, von denen eine später auf ihre Kandidatur verzichtete. Die zweite wurde von der Findungskommission als nicht qualifiziert für die Führungsposition eingestuft.

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