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Nachruf : Vivi Bach, Moderatorin des Aufbruchs

23.04.2013 17:35 Uhrvon
Paar und Ehepaar. Vivi Bach und Dietmar Schönherr bei der gemeinsamen Moderation der Fernsehshow „Wünsch Dir was“ 1971. Foto: picture-alliance / KPA CopyrightBild vergrößern
Paar und Ehepaar. Vivi Bach und Dietmar Schönherr bei der gemeinsamen Moderation der Fernsehshow „Wünsch Dir was“ 1971. - Foto: picture-alliance / KPA Copyright

„Wünsch Dir was“ mit dänischem Akzent: Die Moderatorin und Entertainerin Vivi Bach ist tot.

In dieser Fernsehshow geschah Unerhörtes. Die 17-jährige Kandidatin Leonie Stöhr ließ ihre Brüste in einer transparenten Bluse sehen, das war im November 1970; in der Show vom März 1971 wurde eine Familie in einem Auto in ein Wasserbassin versenkt, sie sollte sich selbst befreien, was die Mutter erst durch den entschlossenen Einsatz von Tauchern schaffte. Das Publikum war gebannt, die Aufregung riesig, die Moderatoren mussten zusehen, dass diese beiden Shows wie die übrigen 22 Ausgaben aller Risiken und Skandale zum Trotz ihr Ende fanden.

Die Moderatoren, das waren Dietmar Schönherr und Vivi Bach: Sie mit Angst vor dem Millionenpublikum, er mit einem ordentlichen Schuss Provokation und beide mit überraschenden Ratespielen und Mutproben, zumeist von Kreativmeister André Heller ersonnen und von Michael Pfleghar („Klimbim“) inszeniert.

„Wünsch Dir was“, eine Gemeinschaftsproduktion von ZDF, ORF und Schweizer Fernsehen, lief von 1969 bis 1972.

Wer anders hätte diesen Aufbruch des Fernsehens in der Zeit gesellschaftlichen Umbruchs auch sonst moderieren sollen? Dietmar Schönherr, der grimmige SPD-Sympathisant, Vivi Bach, die fröhliche Dänin, deren Ausstrahlung, Auftritte und Attribute einer „dänischen Bardot“ Assoziationen zum (auch sexuell) freizügigeren Skandinavien freisetzen konnten. Bei ihrem größten gemeinsamen Erfolg waren sie schon ein Ehepaar. Kennen- und lieben gelernt hatten sie sich 1963 bei den Dreharbeiten zum Krimi „Das Geheimnis der roten Quaste“. Ein totaler Flop für die Filmproduzentin Vivi Bach, egal, Ende 1965 wurde geheiratet, zwei weitere gemeinsame Produktionen folgten.

Die Bäckerstochter, geboren am 3. September 1939 in Kopenhagen als Vivi Bak, hatte da schon einiges an Karriere hinter sich. Ausgebildet als Sängerin und Schauspielerin arbeitete sie erst in der Heimat und dann in der Bundesrepublik. Was für die 19-Jährige mit dem dänischen Film „Kurdt Og Klunker“ begann, mündete im Nachbarland während der 50er und frühen 60er Jahre in die so beliebten Lustspiele mit Musik: „Gitarren klingen leise durch die Nacht“, „Die Abenteuer des Grafen Bobby“ waren die Titel, die Partner Peter Alexander, Rex Gildo, Fred Bertelsmann und Gus Backus. Mit „Hey Vivi – hey Gerhard“, der deutschen Version des US-Hits „Hey Paula“, konnte sie sich ein (und kein zweites) Mal in der deutschen Hitparade platzieren.

Mit Dietmar Schönherr kam der Wechsel ins Fernsehen, zur Moderation. Der „Gala-Abend der Schallplatte“, „Wünsch Dir was“ waren die popularisierenden Aufgaben, ein Erfolgskapital, das sich in die Serie „Luftsprünge“ mit Luis Trenker und Toni Sailer münzen ließ. Sicherlich, Vivi Bach wurde bei den meisten der bisherigen Engagements auf der Sonnenseite des Lebens platziert. Aber die Nebenrollenspielerin mit Sex-Appeal, die hübsche Assistentin mit dem noch hübscheren dänischen Akzent, die aufregende Frau an Schönherrs Seite, damit wäre ihr Vermögen unzureichend markiert. Der WDR traute ihr 1973 die Personality-Show „Vivat Vivi“ zu, in der sie sich sehr vielseitig zeigte, allein, der Erfolg blieb aus. Ebenso beim Nachfolgeprojekt „Heute Abend bei Vivi“.

1976 veröffentlichte Bach ihre letzte Schallplatte, noch einmal ein Duett mit Dietmar Schönherr, danach zog sie sich ins Privatleben zurück, über die Dörfer zog sie nicht. Wobei Privatleben nicht Privatier bedeutete. Was ihr 1971 glückte, ein Auflagenerfolg mit dem selbst illustrierten Erinnerungsbuch „Ein Kind aus Kopenhagen“, das wollte sie mit fantasievoll-naiven Bildern, Tapetenmustern und weiteren Kinderbüchern fortsetzen.

Ob bei Fernsehfilmen oder bei der Co-Regie bei Inszenierungen der Tiroler Volksschauspiele in Telfs – die Dietmar Schönherr gegründet hatte und mit der Uraufführung von Karl Schönherrs umstrittenen Drama „Der Weibsteufel“ (1983) zu größerer Beachtung gebracht hatte –, Vivi Bach und ihr Mann waren mehr als ein Ehepaar, sie waren ein künstlerisches Team. Engagiert auch bei verschiedenen Umweltschutzprojekten oder im Einsatz für Menschenrechte.

Wie sehr bei Vivi Bach und Dietmar Schönherr das Leben, die Kunst und die Liebe zur Symbiose fanden, mag Schönherrs Reaktion auf den Tod seiner Frau in ihrer Wahlheimat, der spanischen Insel Ibiza, zeigen. „Niemand hatte mit ihrem Tod gerechnet. Er kam völlig überraschend“, sagte der 86-jährige Schönherr der Zeitschrift „Das neue Blatt“. „Ich wachte neben ihr auf – und sie atmete nicht mehr. Ich weiß nicht, wie es ohne sie weitergehen soll. Ich bin ein gebrochener Mann!“ Das Paar war 47 Jahre verheiratet.

Vivi Bach wurde 73 Jahr alt, sie starb an Herzversagen.

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