Medien : Nacht mit Features

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Tom Peuckert verrät,

was Sie nicht verpassen sollten

Warum nicht mal eine Nacht mit dem Kulturradio verbringen? Viele spannende Features hören, die auf je eigene Weise vom Leben in Deutschland erzählen. Von Zeitgeschichte und Schicksalen, von kulturellen Umbrüchen, von mehr oder weniger exzentrischen Charakteren. Für diese Themen ist im Kulturradio vor allem das Feature zuständig. Jenes Genre, das Reportage und Essay in sich vereint, und immer auch ein wenig mit der Kunstform des Hörspiels liebäugelt; in dem sich die Aussagekraft akustischer Dokumente mit analytischen Kommentaren und inspirierter Montagetechnik verbindet. Seit zehn Jahren kooperieren die Feature-Redaktionen der Sender SFB, ORB und MDR miteinander, jetzt wird Jubiläum gefeiert. Mit einer „Langen Featurenacht“, die heute noch vor der Dämmerung beginnt und das Morgengrauen überdauert. Unter dem Titel „Originalton Deutschland“ bietet die Nacht einen repräsentativen Querschnitt durch die Leistungen des Genres. Insgesamt sechzehn Features, die von nationalen Großereignissen der jüngsten Vergangenheit erzählen, aber auch über den Alltag in Deutschland.

Originaltöne von den Umbrüchen des Jahres 1989 und den Folgen, die das für alle Deutschen hatte. Wir hören die Untergangsgeschichte eines ehemaligen DDR-Grenzsoldaten und vom traurigen Scheitern eines Westdeutschen, der mit einem Leipziger Mietshaus sein Glück machen wollte. Von mecklenburgischen Soldaten wird erzählt, die plötzlich zu einer neuen Armee gehörten, und von Leuten, die nach dem Lesen ihrer Stasi-Akten ihr ganzes Leben neu sortieren mussten. Wir lernen den exzentrischen Philosophen Wolfgang Harich kennen, der einst Walter Ulbricht von der Notwendigkeit seines Rücktritts überzeugen wollte und dafür mit zehn Jahren Gefängnis bezahlte. Was geschah 1984 in Bonns Ständiger Vertretung in Ostberlin, als 30 freiheitsdurstige DDR- Bürger dort festsaßen? Und wie war das noch mit den hungerstreikenden Bergarbeitern in Bischofferode? Immer geht es im Feature um Originaltöne: um die Stimmen der Zeitzeugen, ihre persönlichen Erzählungen, das Geflecht subjektiver Perspektiven. Um „oral history“ also.

In der „Langen Featurenacht“ berichtet ein deutsch-deutsches Liebespaar, wie das so war mit der ganz privaten Wiedervereinigung. Zwei Gastronomen aus der Uckermark versuchen zu erklären, warum ihr Aufschwung Ost doch noch scheiterte. Und in einem schaurig-schönen Feature hören wir, wie Stasi-Minister Mielke, der Barbar auf dem realsozialistischen Thron, seinen Kumpanen die Welt erklärt (Radio Kultur, 15. Juni, 20 bis 6 Uhr, UKW 92,4 MHz).

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