Neo Magazin : Böhmermann gegen Böhmermann

Gemeinsam an die Jugend denken: Mit dem „Neo Magazin“ muss Jan Böhmermann gegen seine zeitgleich laufende „Lateline“ bei EinsPlus antreten.

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Moderator Jan Böhmermann.
Moderator Jan Böhmermann.Foto: SWR/Radio Bremen/Michael Ihle

Jan Böhmermann ist ein viel beschäftigter Mann. Hörfunkmoderator, Fernsehmoderator, Satiriker, Filmproduzent, Autor. Auch nach dem überraschenden Aus des Talks „Roche & Böhmermann“ Anfang des Jahres mangelt es dem 32-Jährigen nicht an Arbeit (siehe seine Website). Der ARD-Digitalsender EinsPlus hat seine aus dem Radio bekannte „Lateline“-Show in diesem Jahr erstmals ins Fernsehen geholt, ZDFneo kündigte vor einigen Wochen mit dem „Neo Magazin“ ein neues satirisches Politmagazin mit Jan Böhmermann als Moderator an. „Neo Magazin“ läuft ab dem 31. Oktober jeweils donnerstags, 23 Uhr. Das Dumme nur: EinsPlus hat angekündigt, fünf Folgen der „Lateline“-Tour mit Böhmermann ebenfalls donnerstags, kurz nach 23 Uhr, ausstrahlen zu wollen, ab dem 21. November.

Dann läuft im Fernsehen also Böhmermann gegen Böhmermann, Talkformat gegen Satiremagazin. Im Ansinnen, dem jungen Zielpublikum etwas Besonderes, etwas Gutes tun zu wollen, hauen sich die öffentlich-rechtlichen Sender gegenseitig in die Pfanne. Mit der vierten Ausgabe des „Neo Magazins“ muss Böhmermann gegen sich selbst antreten. Im Grunde ein Unsinn, für den die Sender keine alleinige Verantwortung übernehmen wollen. Wobei die Argumentation bei der ARD etwas plausibler herüberkommt. „Leider können wir die Sendung ,Lateline’ mit Jan Böhmermann auf EinsPlus ab 21. November um 23 Uhr 04 am Donnerstagabend nicht verschieben, da an die Livesendung fünf Hörfunkprogramme gekoppelt sind“, sagt eine Sprecherin des Südwestrundfunks (SWR), der für die EinsPlus-Produktion verantwortlich ist. Das ZDF sei auf die Parallelität aufmerksam gemacht worden. Aber auch ZDFneo sehe wohl keine andere Programmierungsmöglichkeit.

Fester Comedy-Abend bei ZDFneo

Das kann doch nicht wahr sein, denkt man sich. Die Woche hat immer noch sieben Tage, sieben Abende. Doch, das kann es. Sagt das ZDF und verweist auf Programmfarben, feste Strukturen. „Der Donnerstagabend hat sich schon seit einiger Zeit als der Comedy-Abend bei ZDFneo etabliert und war in der Vergangenheit schon mit Formaten wie ,neoParadise’ oder ,Stuckrad late night’ erfolgreich. Nun wird er sukzessive weiter ausgebaut, so dass ab 31. Oktober als schlüssige Programmierung auf das vorangehende klassischere Format ,nate light mit Philip Simon’ das ,neoMagazin’ mit Jan Böhmermann folgt“, sagt ein ZDF-Sprecher. ZDFneo bedauere, dass es bei einigen Ausgaben zu einer Überschneidung mit Jan Böhmermanns Programm auf EinsPlus kommt, die aber der Erhaltung eines bereits etablierten Sendeplatzes geschuldet ist.

Die Angelegenheit wirft kein gutes Licht auf das schon seit langem währende Bemühen der öffentlich-rechtlichen Veranstalter, einen gemeinsamen Jugendkanal auf die Beine zu stellen. ARD und ZDF wollen einen Fernsehkanal gründen, der junge Leute im Alter zwischen 14 und 29 Jahren anspricht, konnten sich aber bis jetzt noch nicht darauf einigen, wie das aussehen und finanziert sein soll und welcher bestehende Kanal dafür unter Umständen eingestellt werden kann. Die Sender streben eine Fusionierung des bereits existierenden Digitalsenders EinsPlus und eines ZDF-Digitalkanals an. ZDFkultur kommt dafür wohl nicht mehr infrage. Dieser digitale Sender soll nach dem Willen von ZDF-Intendant Thomas Bellut zeitnah eingestellt werden.

Der Jugendkanal hingegen könne Anfang 2015 starten, sagte jüngst der ARD-Vorsitzende Lutz Marmor. „Da wir über ein konsequent trimediales Angebot reden, geht es nicht von heute auf morgen. Wir sind uns aber einig darin, dass wir keine Zeit vertrödeln und auch keine unnötigen Extra-Strukturen aufbauen wollen. Wenn das ZDF sagt, dass die ARD aufgrund ihrer starken Jugendradios einen größeren Zulieferungsanteil übernehmen sollte, dann kann ich das gut verstehen.“ Man sei auf Arbeitsebene mit vielen jungen, engagierten Programmmachern aus den ARD-Häusern dabei, Ideen für ein mögliches Konzept zu entwickeln.

Zeit wird’s. Bei zu viel guten Ideen. Überschneidungen wie bei Jan Böhmermann kann es dann nicht mehr geben. Im Falle des begehrten Moderators, der bei Radio Bremen und dem WDR seine Karriere begann, wird man das Gefühl nicht los, dass die ARD das ZDF mit der Parallel-Programmierung auch ein bisschen hat ärgern wollen. Zudem EinsPlus in diesen Tagen erst wieder auf seine Innovationskraft hinwies. Der ARD-Digitalkanal will ab dem 16. September seine „Programmoffensive“ fortsetzen und mehr junge Zuschauer vor den Bildschirm locken. Dann werden täglich rund 16 Stunden „junges Programm“ inklusive neuer Formate und neuer Staffeln gezeigt, teilte der SWR mit. EinsPlus ist einer von drei Digitalkanälen der ARD. Bereits im vergangenen Jahr waren in der Abendschiene neue Formate gestartet worden, um Zuschauer unter 30 Jahren anzulocken. Der Programmchef der Radiowelle SWR3, Thomas Jung, betonte dabei, es gehe bei der EinsPlus-Programmoffensive nicht um einen Wettlauf mit dem ZDF, das mit ZDFkultur und ZDFneo ebenfalls ein jüngeres Publikum anspricht.

Wer’s glaubt. Jan Böhmermann (hier ein aktuelles Interview) nimmt die Doppelprogrammierung von „Lateline“ und „Neo Magazin“ sportlich. „Gegen sich selber auf zwei Sendern anzutreten, ist doch der ultimative, feuchte Traum jedes echten Digitalspartenegomanen. Endlich ernst zu nehmende Konkurrenz! Warum sollte ich da einwirken?“, kommentierte der Moderator seine Auftritte bei ZDFneo und EinsPlus und sieht sich immerhin als Vorreiter des Typus Fernsehen von morgen. Er sei stolz, Teil des ersten echten öffentlich-rechtlichen Second-Screen-Angebote von ARD und ZDF zu sein. „Das ,Neo Magazin’ per ZDFneo-Livestream auf dem Smartphone oder Tablet, die ,Lateline’ bei EinsPlus auf dem Fernseher, oder andersrum.“ Da sage noch einer, ARD und ZDF würden nicht konstruktiv kooperieren.

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