Neue Folgen von "GNTM" : Das Prinzip Klon

23.02.2012 12:52 Uhrvon
Abmarsch. Heidi Klum (r.) will auf Pro7 „Germany’s Next Topmodel“ finden – und mehr Zuschauerinnen als das Konkurrenzformat „Das perfekte Model“ auf Vox. Foto: Pro7
Abmarsch. Heidi Klum (r.) will auf Pro7 „Germany’s Next Topmodel“ finden – und mehr Zuschauerinnen als das Konkurrenzformat „Das perfekte Model“ auf Vox. - Foto: Pro7

Noch nie zuvor wurde im deutschen Fernsehen so viel gecastet wie heute. Und jetzt startet auch noch Heidi Klums neue „Topmodel“-Staffel. Trotzdem dürfte sie mehr Zuschauerinnen haben als ihre Konkurrentinnen Eva Padberg und Karolina Kurkova.

Das Publikum ist keine Dolly, auch wenn sich Fernsehmacher das wünschen dürften. Wie einst das Schaf geklont wurde, klonen sie derzeit eine Castingshow nach der anderen. Nie zuvor wurde im deutschen Fernsehen so viel gesucht: nach „Unserem Star für Baku“ auf Pro7 und im Ersten, nach der „Voice of Germany“ auf Sat 1, nach dem „X Factor“ auf Vox, nach „Supertalent“ und „Superstar“ auf RTL, nach dem „perfekten Model“ auf Vox, und nach „Germany’s Next Topmodel“ sucht ab dem heutigen Donnerstag wieder Heidi Klum auf Pro7.

Das Format Castingshow scheint unendlich zu sein – das Publikum ist es nicht.

Zuschauer lassen sich nicht klonen. Wenn’s langweilig wird, schalten sie weg.

Als Roman Lob vergangene Woche zu „Unserem Star für Baku“ gekürt wurde, sahen 2,19 Millionen Menschen zu – das ist die schlechteste Quote, die es je bei einem Grand-Prix-Vorentscheid gab. Lenas Vorentscheid hatten vor zwei Jahren mit 4,5 Millionen mehr als doppelt so viele Menschen gesehen, auch als im vergangenen Jahr ihr Lied „Taken by a stranger“ ausgewählt wurde, waren es noch 3,25 Millionen Zuschauer.

„X Factor“ mit den Juroren Sarah Connor und Till Brönner verfolgten 2010 noch durchschnittlich 2,23 Millionen Menschen, im vergangenen Jahr waren es nur noch 1,94 Millionen. Pro Sieben Sat 1 landete mit „Voice of Germany“ zwar einen Publikumserfolg mit durchschnittlich 4,21 Millionen Zuschauern, doch ausgerechnet beim Finale, das Sängerin Ivy Quainoo gewann, sank der Marktanteil von 24,4 Prozent auf 22,2 Prozent in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen. Selbst „Pop-Titan“ Dieter Bohlen schwächelt. Die bisher 13 Folgen der aktuellen neunten Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) sahen durchschnittlich 5,54 Millionen Zuschauer, fast eine Million weniger als in den vergangenen beiden Jahren.

„Mehr Gefuhl“ fordert Juror Bruce Darnell von den „DSDS“-Kandidaten, doch auch den Sendern mangelt es offenbar am „Gefuhl“ für die verträgliche Dosis an Castingshows. Nicht nur, was die Musik angeht. Seit vier Wochen zeigt Vox den „Topmodel“-Klon „Das perfekte Model“. Die Jurorinnen Eva Padberg und Karolina Kurkova wollen so etwas die die nette Variante von Klum sein. Aber wie sagte Bohlen einst so schön: „Nett ist die kleine Schwester von scheiße“.

Entsprechend ist die Resonanz: 1,18 Millionen Zuschauerinnen schalteten die dienstags laufende Sendung bislang durchschnittlich ein, bei Heidi Klum waren es im vergangenen Jahr mit 3,11 Millionen mehr als doppelt so viele.

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