Neue "Topmodel"-Staffel : Schatzi, schenk mir ein Foto

"Show yourself", heißt das Motto der neuen Staffel von "Germany's Next Topmodel". Das passt perfekt zur Generation "Selfie" - und den Selbstvermarktungsgenies Heidi Klum und Wolfgang Joop.

von
Keine Klamotten, aber ein Paar High Heels bekommt Kandidatin Anna von den „Topmodel“-Juroren Wolfgang Joop (r.), Heidi Klum und Thomas Hayo geschenkt.
Keine Klamotten, aber ein Paar High Heels bekommt Kandidatin Anna von den „Topmodel“-Juroren Wolfgang Joop (r.), Heidi Klum und...Foto: ProSieben/ Oliver S.

Hans und Franz grüßen. Halb entblößt sind sie gerade auf Werbeplakaten an Bus- und Tramhaltestellen zu sehen. Hans und Franz, das sind die Brüste von Heidi Klum, sie hat sie selbst so getauft, wie sie in einem Interview einmal erzählt hat. Das sollen die Amerikaner wohl lustig finden, so wie sie es cool finden sollen, dass diese deutsche Heidi auch Sauerkrautsuppe liebt und jodeln kann. Klum hat es mit dieser Inszenierung vom German Girl in America zur Multimillionärin geschafft, auch nach ihrer Karriere als Model ist die 40-Jährige als Moderatorin und Selbstvermarktungsgenie erfolgreich.

"Joop!" ist wie Klum zur weltweiten Marke geworden

Gerade erst präsentierte sie die Fernsehshow zum 50-jährigen Jubiläum der „Swimsuit Issue“ des Magazins „Sports Illustrated“, das ihr 1998 den Durchbruch als Model bescherte, mit „Project Runway“ war sie schon mehrfach für den Emmy nominiert. Am Donnerstag nun startet die neue Staffel der ProSieben-Castingshow „Germany’s Next Topmodel“ – und dieses Mal hat sich Klum ein weiteres Selbstvermarktungsgenie als Juror an ihre Seite geholt: Designer Wolfgang Joop. Sein Nachname, mit Ausrufezeichen, ist wie Klum zur weltweit erfolgreichen Marke geworden, auch wenn er seine letzten Anteile an „Joop!“ bereits 2001 verkauft und mit „Wunderkind“ ein neues Label gestartet hat.

Lange wollte der 69-Jährige nichts mit „GNTM“ bei ProSieben zu tun haben: „Dieser Exhibitionismus und dieses Vorführen junger Mädchen ist nicht mein Stil“, sagte er noch vor zwei Jahren der Nachrichtenagentur dpa. Klum hätte ihn gerne in der Show, brüstete er sich damals, er habe jedoch abgelehnt. Das Format passe nicht zu ihm. Das Konzept der Sendung ist dasselbe geblieben – also muss es wohl Joop sein, der sich gewandelt hat. Wegen des gestiegenen Interesses an Castingshows sei es wichtig, jungen Mädchen einen realistischen Einblick ins Modelbusiness zu geben, rechtfertigte er sein Engagement. Er wolle vieles von seinem Wissen einbringen. Ähnliche Mimikry-Fähigkeiten beweist derzeit auch Marianne Rosenberg, die zu den größten Kritikerinnen von „Deutschland sucht den Superstar“ gehörte und nun an der Seite von Dieter Bohlen in der RTL-Jury sitzt.

Stars und Sternchen
Entertainer Hape Kerkeling (50) war nach eigenen Worten nie wirklich gern im Fernsehen. „Ich bin ausgelutscht worden von der Unerbittlichkeit, ich war auch viel zu oft im Fernsehen“, sagte Kerkeling dem „Spiegel“. „Und wenn Sie mich jetzt fragen, ob ich mich wohlgefühlt habe in meinen Shows, dann lautet die Antwort: nein.“ Schon 1984, als er für eine Show das erste Mal ein Fernsehstudio betreten habe, habe er ans Aufhören gedacht. „So gern ich das gemacht habe, so skurril fand ich den Umgang, den manche Menschen miteinander pflegten. Ich hatte nicht vermutet, dass es beim Fernsehen so zugeht, wie ich dachte, dass es nur beim Militär geschehe.“ Ihm sei deswegen bereits damals klar gewesen: „Das mache ich nicht ewig. So schnell ich kann, will ich da wieder raus. Und das waren halt jetzt 30 Jahre.“ (dpa)
Weitere Bilder anzeigen
1 von 167Foto: dpa
05.12.2015 12:14Entertainer Hape Kerkeling (50) war nach eigenen Worten nie wirklich gern im Fernsehen. „Ich bin ausgelutscht worden von der...

Hat es sich in Deutschland ausgecastet?

Klum nennt Joop eine „Bereicherung für meine Show“, aber klar ist: Sie bleibt die Chefin von’t Janze. Mit ihrem Vater Günther im Hintergrund, der das Management der „Models“ übernimmt und in der Kritik steht wegen angeblicher Knebelverträge, die er jedoch bestreitet.

Was Klum von Joop dringend braucht und sich offensichtlich auch erhofft: mehr Präsenz und Prominenz ihrer „Topmodel“-Show. Die Staffel im vergangenen Jahr war die schwächste in der Formatgeschichte. 2,65 Millionen Zuschauer schalteten die 14 Folgen im Schnitt ein, was einem Marktanteil von 8,9 Prozent entsprach. Die neunte Staffel soll nun beweisen, dass Deutschland noch längst nicht ausgecastet ist.

Non-stop sollen die Kandidatinnen gefilmt werden

„Show yourself“ lautet das Motto, „zeige dich“ – und Klum zieht blank. Die Generation „Selfie“ hingegen bedarf keiner Aufforderung zur Selbstinszenierung mehr, stellt sie ihre Selbstporträts doch längst auf Instagram, Facebook & Co ein. „Wir leben heute in einer Bilderwelt“, sagt Joop in einem Trailer zur Sendung. Model zu sein, habe den Berufswunsch Schauspielerin abgelöst. In der neuen Staffel würden die Kandidatinnen „non-stop gefilmt“ – wer bei diesem Exhibitionismus nicht mitmachen will, hat schon verloren. Show yourself!

Wie das geht, zeigt Joop, von Ko-Juror Thomas Hayo „Wolfie“ genannt, gleich in der ersten Folge. „Nobody can do portraits like me!“, schwärmt er über seine eigene Zeichenkunst, als er Kandidatin Anna porträtiert. Sie ist die erste von 25 „Mädchen“, die nach intensiver Begutachtung („Great Face“, „Gute Figur“) ein paar Schuhe von Klum bekommt und damit eine Runde weiter ist.

Bereits im vergangenen Jahr hatte sich die neue Produktionsfirma RedSeven Entertainment offensichtlich von „DSDS“ inspirieren lassen und „Homestorys“ mit den Kandidatinnen gedreht – das wird nun fortgesetzt. Es soll menscheln in der kalten Modelwelt. Mehr Emotionen bringen mehr Quote, lautet die Hoffnung. „Topmodel“-Bewerberin Betty, 18, beispielsweise wuchs im Heim auf, unterstützt von Modelmutti Klum will sie jetzt die Welt erobern. „Ich mach alles mit“, versichert sie. Hauptsache, die Heidi schenkt ihr ein Foto.

„Germany’s Next Topmodel“, ProSieben, Donnerstag, 20 Uhr 15

Autor