Neuer deutscher Serienmut : Fahrt zur Hölle!

2017 ist ein großes Jahr für die große deutsche Serie. Aber 2018 muss noch größer, noch radikaler werden. Ein Kommentar.

So viel Mystery aber auch. Louis Hofmann in einer Szene in "Dark", der ersten deutschen Netflix-Serie.
So viel Mystery aber auch. Louis Hofmann in einer Szene in "Dark", der ersten deutschen Netflix-Serie.Foto: dpa

War „4 Blocks“ ein Erfolg? „You Are Wanted“ ein Streamingrausch? Hat „Dark“ gleich zum Beginn einen Zuschauersog ausgelöst? Ehrlich gesagt: keine Ahnung. Turner Broadcasting, Amazon Prime und Netflix behaupten stets den Erfolg und beweisen ihn nie mit validen Zahlen.

Und wissen Sie was: Das ist jetzt mal egal im Fernsehen, das bis zur Schockstarre fixiert ist auf Quoten. Egal, weil hier und heute die Tat gerühmt werden muss. 2017 ist das Jahr, in dem Streamingplattformen, Pay-TV und Sender aufgewacht sind. Die vielleicht sensibelste, riskanteste Programmware, die große, die horizontale Serie nämlich funktioniert auch made in Germany. Nicht samt und sonders: Das ZDF hat mit „Zarah“ in sechs wunderbaren Episoden die 70er Jahre aufgeladen – der Zuspruch war erst mager, um dann katastrophal zu werden.

Auch Linear-TV kann groß

Blöd, wirklich blöd gelaufen, doch kein schlagendes Argument gegen den neuen Serienmut. Und es muss auch nicht immer Streaming oder Pay-TV sein. „Das Verschwinden“ von Hans-Christian Schmid in der ARD hatte diesen Überzeugungskern, dass eine Geschichte acht Folgen braucht, um mit allen Fasern erzählt zu sein.

2018 startet Phase zwei. „Babylon Berlin“, „You Are Wanted“, „4 Blocks“ gehen in die Fortsetzung. Thriller, Krimi, Mystery werden die gängigen Genres sein. Zeigt sich damit nicht die Falle, in der die konventionelle TV-Serie längst, aber glücklich sitzt? „Die Kanzlei“ oder „Der Kriminalist“, um mal die besseren Produktionen zu nennen, sind die Konfektion, in die sich das traditionelle Publikum und das lineare Fernsehen kuscheln.

Nicht in der Wiederholung erstarren

Konfektion, das darf nicht zum Maßstab für das neue deutsche Serienfernsehen werden. Also nicht Mystery in der Provinz, Thriller in der Großstadt und dazwischen der Rückgriff ins sündig-kriminelle Berlin von 1929 bis in die Nazizeit.

Redet da jetzt wieder einer von der Innovation? Das tut er. Radikaler, frecher formuliert: Hiermit sei die deutsche Serienproduktion zum Scheitern aufgefordert. Dass sie macht, von dem sie glaubt, sie kann es nicht und der Zuschauer will es nicht.

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