Neuer Name: „The International New York Times“ : Ende einer Ära: Die „International Herald Tribune“ wird umgetauft

Zum letzten Mal ist am Montag die „International Herald Tribune“ erschienen, doch schon am Dienstag geht es weiter - unter einem neuen Namen. Nicht zum ersten Mal wird die Zeitung damit umgetauft.

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Verführerische Zeitung. Jean Seberg verkauft Jean-Paul Belmondo in "Außer Atem" eine "New York Herald Tribune".
Zum Kinostar wurde die "New York Herald Tribune" im Film "Außer Atem" mit Jean-Paul Belmondo und Jean Seberg.Foto: picture alliance

Zum Abschied bitte keine Sentimentalität: „Nicht weinen“, forderte Seite-einsChef Serge Schmemann seine Leser am Montag auf, als sie zum letzten Mal die „International Herald Tribune“ (IHT) in den Händen hielten. Das Traditionsblatt wird nicht etwa eingestellt. Es bekommt einen neuen Namen. „The International New York Times“ heißt die Zeitung vom heutigen Dienstag an. Damit verschwindet einer der traditionsreichsten Zeitungstitel weltweit – und doch wird die 126-jährige Geschichte der „IHT“ fortgeschrieben.

Für die New York Times Company, seit 2003 alleinige Besitzerin der „IHT“, ist die Umbenennung nur der nächste logische Schritt. Sie will die internationale Reichweite der „The New York Times“ steigern und das soll mit dem neuen Namen der „IHT“ besser gelingen.

Dass ihr Namenswechsel nicht schaden, hat die „International Herald Tribune“ mehrfach bewiesen. Als „Paris Herald“ ist sie am 4. Oktober 1887 zum ersten Mal als europäische Ausgabe des „New York Herald“ erschienen, ab 1935 hieß sie „The New York Herald Tribune“ und wurde als solche Pflichtblatt für Amerikaner im Nachkriegs-Europa. Einen ihrer vielen berühmten Auftritte hatte sie 1960 in Jean-Luc Godards Kinofilm „Außer Atem“, als Jean Seberg eine Ausgabe an Jean-Paul Belmondo auf den Pariser Champs-Élysées verkaufen will. Sieben Jahre später wurde die Zeitung in „International Herald Tribune“ umgetauft. Seitdem die New York Times Company sie übernommen hat, trägt sie den Untertitel „The Global Edition of the New York Times“ und wurde immer enger ans Mutterblatt gebunden. Von heute an soll nun endgültig „New York Times“ draufstehen, wo „New York Times“ drinsteckt.

Mithilfe von „The International New York Times“ will „The New York Times“ Leser aus Europa und Asien gewinnen. Schon jetzt kommt ein Drittel der monatlich 59 Millionen Nutzer der „New York Times“-Website von außerhalb der USA, aber nur ein Zehntel der rund 700 000 Abonnenten der kostenpflichtigen Digitalausgabe, berichtet die britische Zeitung „The Guardian“.

Auch, aber nicht nur Großbritannien, sieht die „New York Times“ als für sich ausbaufähigen Markt. Die Redaktionen in Paris, Hongkong und New York sollen deshalb künftig zusammen einen 24-Stunden Global-Newsroom bilden. Ziel von „The New York Times“-Chefredakteurin Jill Abramson ist, der „internationale Anbieter von Nachrichten und Informationen mit der höchsten Qualität“ zu werden, sagte sie dem „Guardian“. Die Zeitung „ist die beste. Also wird sie jeder haben wollen.“ So einfach sei das.

Auf 24 Seiten blickte die „IHT“ am Montag noch einmal auf ihre bisherige Geschichte zurück. Heute wird das nächste Kapitel geöffnet. Sonja Álvarez

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