Neuer "Stern"-Chefredakteur : Christian Krug - Der Netzwerker

Christian Krug, noch Chefredakteur der "Gala", zeigt sich gern mit den Schönen und Reichen der Welt. Doch auch als Retter des „Stern“ ist er nicht die schlechteste Wahl.

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Kraftvoll, klug, charmant, aber auch ein bisschen selbstverliebt. So wird Christian „Chrischi“ Krug, der neue Chefredakteur des „Stern“, von Kollegen beschrieben. Foto: imago
Kraftvoll, klug, charmant, aber auch ein bisschen selbstverliebt. So wird Christian „Chrischi“ Krug, der neue Chefredakteur des...Foto: IMAGO

Alle zwei Jahre sollte die Führungsebene ausgetauscht werden. Dieses Rotationsprinzip führte Dominik Wichmann, als er im Mai 2013 Chefredakteur des „Stern“ wurde, bei den Managing Editors ein. Nun hat der Chefredakteur selbst nicht einmal eine Zweijahresrunde geschafft. Er ist in einer Panikreaktion vor die Tür gesetzt worden. Die Gerüchte kochten seit Wochen, die Redaktion war nervlich zerrüttet und der Ersatzmann lief sich bereits seit längerer Zeit in der Chefredaktion von „Gala“ warm. So wollen manche im Verlag wissen, dass Christian Krug schon bei Wichmanns Amtsantritt als Alternative im Gespräch gewesen war.

Der 48-Jährige kennt den Verlag Gruner + Jahr von klein auf. Sein Vater, Gerd Krug, war nach seiner Karriere als HSV-Spieler Reporter beim „Stern“, seine Mutter arbeitete als stellvertretende „Brigitte“-Chefredakteurin. Christian Krug hat Politikwissenschaften in Hamburg studiert und als Reporter bei der „Hamburger Morgenpost“ gearbeitet. Nach seinem Vordiplom holte ihn der damalige Chefredakteur Herbert Riehl-Heyse 1989 als „Stern“-Korrespondent nach München. Riehl-Heyse verließ den „Stern“ nach nur vier Monaten und hält damit bis heute den Rekord in der kürzesten Amtszeit als Chef. Krug hingegen blieb bis 1996. Als Reporter arbeitete er an der Story um die Reemtsma-Entführung mit und fiel damit offenbar Stefan Aust auf, der ihn als Redaktionsleiter zu „Spiegel-TV“ holte. Aust ist außerdem, ebenso wie der ehemalige „Stern“-Chef Michael Jürgs, ein Freund der Familie. Krugs Bruder, Matthias Krug, arbeitet als Bildredakteur beim „Spiegel“. Die Stiefmutter der beiden, Birgit Lahann, war seit den 1980er Jahren Autorin beim „Stern“.

1999 kehrte Christian Krug zum „Stern“ zurück, wo er mit Thomas Osterkorn das Ressort Deutschland Aktuell leitete. Ein Jahr später ging er als Ko-Chefredakteur zur kränkelnden Lifestyle-Zeitschrift „Max“. 2008 musste er die Zeitschrift, die einst als Gegenentwurf zum „Stern“ gegründet worden war, mit zu Grabe tragen. Von 2009 bis 2012 war er dann Chefredakteur der Lufthansa-Magazinfamilie, die vom Gruner + Jahr-Ableger „Corporate Editors“ herausgegeben wird. Seit 2012 leitet er das Promi-Magazin „Gala“, wo er in der aktuellen Ausgabe über die Hochzeitsvorbereitungen von George Clooney berichtet. Krug sagte einmal über seine Arbeit bei „Gala“, er halte sich für den am meisten schreibenden Chefredakteur Deutschlands.

An Selbstbewusstsein mangelt es dem passionierten Sportler nicht. Motorradfahren, Klettern, Segeln, Fußball, Golf – körperliche und spielerische Herausforderungen reizen ihn. Seine etwas bullige Statur gibt ihm das Aussehen eines gutmütigen Bären. Kollegen beschreiben „Chrischi“ als kraftvoll, klug, charmant, ein bisschen selbstverliebt und als einen Meister im Netzwerken. „Wenn man auf einer Party mit ihm spricht, ist er unglaublich nett“, sagt einer. „Allerdings hat man immer den Eindruck, er schaue sich gleichzeitig um, ob nicht noch jemand Interessanteres da ist.“ Er könne gut führen, heißt es, und ließe den Leuten genügend freie Hand. „Er ist ein guter Teamplayer, aber auch ein guter Kommandant“, sagt ein Kollege.

Während die Branchendienste unken, ein Yellow-Press-Mann wie Krug würde den „Stern“ endgültig zum Verglühen bringen, finden andere, dass er durch seinen Stallgeruch und seine emotionale Präsenz – beides Dinge, die Wichmann fehlten – im Haifischbecken des „Stern“ eine Chance auf Überleben habe. Denn auch wenn der Redaktionsbeirat mit der rasanten Neubesetzung überrumpelt wurde, ist allen klar, dass ein Vakuum, wie zuletzt an der „Spiegel“-Spitze, die Redaktion vollends zum Implodieren gebracht hätte.

Tatsächlich beschreibt ein hochrangiger Insider Christian Krug als „Allzweckwaffe“. Er sei „massenkompatibel“ und werde das Blatt wohl zu einem gehobenen People-Magazin machen. Wie viel Spaß es ihm macht, sich mit den Reichen und Schönen zu zeigen, konnte man auf zahlreichen Promi-Events besichtigen. Krug tanzt mit Veronica Ferres bei der Berlinale und sitzt mit Mick Jagger und Bill Clinton an der Bar eines Hotels in Marrakesch. Allerdings nicht an der Bar seines eigenen Hotels dort. 2007 kaufte er zusammen mit seiner zweiten Frau ein Stück Wüstenland im Südwesten Marokkos. „The Great Getaway“ sollte das Hotel heißen, inspiriert von zwei Steve-McQueen-Filmen. Über den „King of Cool“ hat Christian Krug zusammen mit Barbara McQueen eine Biografie geschrieben. Doch die Bauarbeiten zogen sich hin, das Geld ging zur Neige und so entschloss man sich, ein kleines Hotel in der Altstadt von Marrakesch zu pachten. Dort hat Christian Krug offenbar die Nachricht erreicht, dass er als Retter des „Stern“ antreten soll. Denn nichts Geringeres wird jetzt von ihm erwartet.

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