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Neuer WDR-Intendant : Tom Buhrow will Brücken nach innen und außen bauen

"Tagesthemen"-Moderator Tom Buhrow ist der neue Intendant des größten ARD-Senders WDR. Der Rundfunkrat des Senders wählte ihn mit 41 von 47 Stimmen. Er will den WDR mit Liebe, Lächeln und Leidenschaft führen.

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Tom Buhrow wurde zum neuen WDR-Intendanten gewählt.
Das Lacheln will Tom Buhrow auch als neuer WDR-Intendant nicht ablegen.Foto: dpa

Sein Lächeln will er auch als Intendant des WDR nicht ablegen, sagte Tom Buhrow am Mittwoch, nachdem ihn der Rundfunkrat des Westdeutschen Rundfunks zuvor mit 41 von 47 Stimmen zum Nachfolger von Monika Piel gewählt hatte. Nach Friedrich Nowottny und Fritz Pleitgen wird mit dem „Tagesthemen“-Anchorman Tom Buhrow zum dritten Mal ein prominentes Fernsehgesicht Leiter des größten ARD-Senders mit über 4000 Mitarbeitern. 28 Jahre, nachdem Buhrow als Volontär beim WDR begann, steht er nun an der Spitze des ARD-Senders. Von den beiden anderen Kandidaten erhielt der Intendant von Radio Bremen, Jan Metzger, vier Stimmen, zwei Stimmen entfielen auf Stefan Kürten von der Europäischen Rundfunkunion EBU.
Zu den größten Herausforderungen für den WDR bezeichnete Buhrow den Medienwandel durch das Internet. „Wir dürfen nicht mehr in Verbreitungswegen denken, sondern in Produkten“, sagte Buhrow. Seinen Stil als Moderator der „Tagesthemen“, den Zuschauer auf Augenhöhe anzusprechen, wolle er auch in sein neues Amt mitnehmen. „Die Aufgabe als Intendant des WDR stand nicht auf meiner Lebensaufgabenliste“, sagte Buhrow, „aber ich mache das mit großer Freude und mit Liebe für den WDR.“

Die anstehenden programmlichen und finanziellen Herausforderungen würden eine zukunftsorientierte Idee des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und eine hohe Kooperations- und Kommunikationsbereitschaft nach innen und außen erfordern, sagte die Vorsitzende des Rundfunkrates Ruth Hieronymi nach der Wahl. „Dafür erfüllt Tom Buhrow alle Voraussetzungen und kann im WDR auf einer soliden Basis mit einer hochprofessionellen und engagierten Mitarbeiterschaft aufbauen.“ Der ARD-Vorsitzende Lutz Marmor lobte Tom Buhrow als hervorragenden Journalist und umsichtigen, gewinnenden Kommunikator. „Er kennt die medienpolitischen Herausforderungen, vor denen die ARD steht. Ich bin sicher, dass wir gemeinsam in der ARD viel bewegen können, damit der öffentlich-rechtliche Rundfunk zukunftsfähig bleibt“, sagte Marmor, der zugleich Intendant des NDR ist. Zur Nachfolge des Anchorman der ARD-„Tagesthemen“ machte Marmor keine konkreten Angaben. „Wir werden das mit der gebotenen Eile, aber auch mit der nötigen Sorgfalt prüfen.“ Tom Buhrow darf als WDR-Intendant den Nachfolger vorschlagen. Die Sendung ist seiner Ansicht nach derzeit mit Caren Miosga und Ingo Zamperoni so gut aufgestellt, dass keine Lücken entstehen werden. Als ein Kandidat für den frei werdenden „Tagesthemen“-Platz gilt der New-York-Korrespondent der ARD, Thomas Roth, auch er ein WDR-Mann. Buhrow wird bei den „Tagesthemen“ nicht plötzlich unsichtbar: „Eine Abschiedssendung möchte ich noch machen.“
Wann genau Buhrow seine neue Stelle in Köln antritt, steht noch nicht fest. Er wolle bereits in der nächsten Woche mit Gesprächen im Sender beginnen. „Ich möchte Brücken bauen in den WDR hinein und nach außen“, sagte Buhrow und ergänzte: „Wir brauchen Allianzen und Partner.“

Tom Buhrow ist nach Friedrich Nowottny und Fritz Pleitgen der dritte TV-Journalist an der Spitze des WDR

Die braucht der neue WDR-Chef und Kommunikator Buhrow vor allem im eigenen Haus. Insider sagen, der Ton in der Anstalt sei zunehmend hämisch und verletzend. Da wird der neue erste Mann zusammenführen und zeigen müssen, dass die Wahl von außen kein Misstrauensvotum gegen die Mitarbeiter im Sender ist. WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn oder die Justiziarin Eva-Maria Michel galten in der Belegschaft ebenso als wählbar wie Tom Buhrow. Zu dessen anstehenden Personalentscheidungen wird unter anderem die Nachfolgeregelung für Fernsehdirektorin Verena Kulenkampff gehören, die Ende April 2014 in den Ruhestand geht.
Was intern gilt, gilt auch extern. Der WDR als größte ARD-Anstalt muss sich programm- und medienpolitisch wieder profilieren. Mit Selbstbewusstsein, mit Tatkraft, mit Inspiration. Tom Buhrow muss den WDR zu neuer, alter Herrlichkeit führen. Große Aufgabe.

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