Neuer ZDF-Krimi "Friesland" : Witze hinterm Deich

Krimi mit Komik: Florian Lukas und Sophie Dal ermitteln in „Friesland“.

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Auf unkonventionelle Art befragen die Polizisten Jens (Florian Lukas) und Süher (Sophie Dal, l.) die Mutter (Friederike Frerichs) des Frauenmörders.
Auf unkonventionelle Art befragen die Polizisten Jens (Florian Lukas) und Süher (Sophie Dal, l.) die Mutter (Friederike Frerichs)...Foto: ZDF

Krimis sind ja auch ein Stück Heimatkunde, da ist es also nicht verwunderlich, dass es im friesischen Leer lustig zugehen soll. „Friesland“, die vierte neue Samstagsreihe des ZDF, setzt auf die vertraute Fernsehfarbe der Komik vom Lande. Im Mittelpunkt Florian Lukas und Sophie Dal als ungleiches Polizeiduo. Er der typische Dorfsheriff, der gerne mal Fünfe gerade sein lässt. Sie die ehrgeizige Jungpolizistin, die Paragrafen und Lehrsätze auswendig aufsagt. Beide sind Singles, was wohl noch eine Rolle spielen wird.

„Auf meinem Dienstjubiläum, könntest du mir da nicht einen blasen?“

Obwohl es hier ohne die notorischen Ostfriesenwitze nicht geht, ist diese Kombination – dank der Besetzung sowie mancher Dialoge der Autoren Arne Nolting und Jan Martin Scharf – tatsächlich ein Vergnügen. Es bedarf nur einer Radarkontrolle zu Beginn, und man setzt sich als Gast gerne dazu in diesen friesischen Streifenwagen. Lukas alias Jens Jensen drückt bei seinem Kumpel aus dem Posaunenchor beide Augen zu. Kollegin Süher Özlügül schäumt. Auf welcher Seite er eigentlich stehe? „Ich bin bei den Guten, und kleine Sünden fallen durchs Raster“, antwortet Jensen. Auch mit ihrem gemeinsamen Chef Hinnerk Goosen ist er per Du. Eine kleine Welt ist das, man kennt und hilft sich hinterm Deich. „Auf meinem Dienstjubiläum, könntest du mir da nicht einen blasen?“, bittet Goosen derb den Posaunisten Jensen – in Özlügüls Anwesenheit. Haha. Dass Goosen nicht zu den Guten gehören kann, ist an dieser Stelle schon erkennbar.

Eine wahrer Sündenpfuhl aus Korruption, Prostitution und Mord

Im ersten Fall, der etwas einfallslos „Mörderische Gezeiten“ heißt, hat eine Frau augenscheinlich Selbstmord begangen, doch Özlügül wittert ein Verbrechen. Dass Goosen den Fall schnell zu den Akten legen will, stachelt ihre Neugier an. Kollege Jensen ermittelt widerwillig mit, beide blicken bald in einen wahren Sündenpfuhl aus Korruption, Prostitution und Mord. Der bodenständige Jensen kommt mit dem Verfall der Sitten gar nicht klar, wankt angetrunken durch die Kneipe, bei jedem Gast ein weiteres schweres Verbrechen vermutend. Und nachdem seine Kollegin die zwangsläufige Rauferei beendet hat, fällt der ohnehin zu Ohnmachtsanfällen neigende Jensen schließlich ins Hafenbecken.

Es darf in „Friesland“ auch mal deftig zugehen

Es darf in „Friesland“ auch mal deftig zugehen, gewürzt mit ein bisschen Slapstick, wenn man einen Darsteller wie Florian Lukas hat, der so ernsthaft komisch sein kann. Sophie Dal, dem Publikum vor allem als Dieter Pfaffs Assistentin in der Serie „Der Dicke“ bekannt, spielt eine selbstbewusste Polizistin „mit Migrationshintergrund“ – aber dieser „Hintergrund“ ist hier „kein Problem“: Baba Özlügül ist der resolute Hafenmeister, ein Mann mit großer Klappe und großem Herzen. Tayfun Bademsoy als türkischer Ostfriese, auch das hat was.

Dieser Schauplatz lädt allerdings zum Witzereißen förmlich ein, die Autoren haben herzhaft zugegriffen. Apothekerin Insa ist der personifizierte Blondinenwitz und zugleich seine Antithese. Denn sie ist klug und eigenständig, bietet ihrem aufdringlichen Ex-Mann Paroli, doch zugleich spielt Theresa Underberg die Hobbykriminologin, die sich als selbst ernannte CSU („Crime Scene Unit“) mit Begeisterung über Leichen und Tatorte hermacht, derart fröhlich-naiv, dass es schmerzt. Und die Dampfwalze von Kommissar (Felix Vörtler), der aus Wilhelmshaven herbeieilt, um die Mordermittlung zu übernehmen, macht Jensen und Özlügül erst mal mit einem Ostfriesenwitz herunter. Und so gehört zum Finale nicht nur, dass der Bösewicht gefasst wird, sondern auch, dass Jensen noch einen besseren Witz auf Lager hat. Da hat man als Zuschauer wenigstens neuen Stoff für die nächste Party.

Ein Krimi mit sympathischen, zum Teil abgedrehten Figuren

„Friesland“ soll den ZDF-Samstag, ähnlich wie die „Wilsberg“-Reihe, mit sympathischen, zum Teil abgedrehten Figuren bereichern. Eine heitere Krimifarbe mit der leichten Neigung zur Albernheit und ohne das Versprechen auf nervenzerfetzende Spannung. Bisher war das ZDF mit den drei neuen Reihen durchaus erfolgreich – jedenfalls in der Quotenbilanz: „Kommissarin Heller“ (6,17 Millionen Zuschauer / 21,2 Prozent Marktanteil) und „München Mord“ (6,75/22,2) starteten gut, „Helen Dorn“ (8,01/25,4) sogar sehr gut. Matthias Matschke brillierte darin als Dorns (Anna Loos) Kollege Georgi. Irritierenderweise ist Matschke in „Friesland“ ebenfalls mit einer durchgehenden Rolle vertreten: als Bestattungsunternehmer mit Hanfplantage im Keller. Kein Witz. Thomas Gehringer

„Friesland – Mörderische Gezeiten“, ZDF, Samstag, 20 Uhr 15

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