Neues Magazin der FAZ : Die "Frankfurter Allgemeine Woche" will keine Teenie-FAZ sein

Deutsch-amerikanische Freundschaft, Reinheitsgebot und ein bisschen Böhmermann: Die „FAZ“ versucht es mit einem neuen Magazin.

von
Keine Teenie-„F.A.Z.“. Seit Freitag liegt das neue Magazin am Kiosk.
Keine Teenie-„F.A.Z.“. Seit Freitag liegt das neue Magazin am Kiosk.Foto: Promo

Zugegeben, das Titelcover ist ein Hingucker: zwei Comicsuperhelden à la Captain America, das sind Angela Merkel und Barack Obama. „Deutschland und Amerika, das unterschätzte Bündnis“ – das ist die Aufmachergeschichte der „Frankfurter Allgemeinen Woche“. Das neue Magazin liegt seit Freitag in 200.000er-Auflage am Kiosk.

Es ist in diesen Zeiten schon mal bemerkenswert, wenn ein neues Printprodukt angeschoben wird, zumal von einem der großen Player auf dem deutschen Zeitungsmarkt, der „FAZ“. Um neue, jüngere Zielgruppen zu erreichen, haben es die Konkurrenten von „Spiegel“ mit dem „Bento“-Projekt oder das „Handelsblatt“ mit „Orange“ zuletzt mit digitalen Ablegern versucht. Die meisten Verlage verdienen ihr Geld aber nach wie vor mit Printjournalismus, kaum jemand mit digitalem, sagt „FAZ“-Geschäftsführer Thomas Lindner im Meedia-Interview. „Gedruckte Medien sind Produkte, die sich am schnellsten und sichersten rentieren, wenn sie erfolgreich sind.“

Selbst beim aktuellen Vorbild aller journalistischen Verlage, der „New York Times“, liege der Digitalanteil am Umsatz erst bei circa 25 Prozent. Die „Frankfurter Allgemeine Woche“ werde keine „Teenie-FAZ“. Man strebe eine von den Wochenmagazinen vernachlässigte Leserschaft mit einer bürgerlichen, eher liberal-konservativen Grundeinstellung an.

Ein bisschen Infotainment, viel „FAZ“

Das Angebot für diese: einmal die Woche 68 Seiten (davon elf ganzseitige Anzeigen) für 3,50 Euro, anstatt jeden Tag Zeitung zu lesen. Ein bisschen Infotainment, viel „FAZ“. Meldungen, Bild und Zahlen der Woche, Meinungsbeiträge, Reportage zum Reinheitsgebot, das Integrationsgesetz aus Sicht eines Landrates in Pfaffenhofen, Einschätzung des deutsch-amerikanischen Verhältnisses, wenig Jan Böhmermann, ein Interview mit Ulrich Matthes über Shakespeare oder eine instruktive Geschichte über die Antiverbrechensprognose-Software „Precobs“ – alles das redaktionell verantwortet von Nikolas Busse, der seit 1998 dem Politikressort der „FAZ“ angehört.

Das Magazin steht nicht unter Verdacht, dass es von denen gekauft werden könnte, die sonst „Neo Magazin Royale“ gucken oder nur noch im Internet surfen. „In Zeiten des schnellen Nachrichtenumschlags sitzen Meinungen und Urteile locker. Eine fundierte Meinung braucht Substanz, und Urteil ohne Wissen ist Geschwätz“, sagt Werner D’Inka, Vorsitzender der Herausgeberkonferenz. Gegen Geschwätzigkeit helfe die „Frankfurter Allgemeine Woche“. Und gegen Leseunlust vielleicht doch ein Cover für diejenigen, die in die Kinos strömen, um Superhelden aus Marvel’s Avenger-Universum kämpfen zu sehen. Captain America kommt nach Hannover!

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben