Neues Wirtschaftsmagazin von Springer : "Bilanz" mit Substanz

Der Springer-Konzern startet ein neues Wirtschaftsmagazin. Am Kiosk verkaufen muss sich "Bilanz" allerdings nicht.

von
Neues Wirtschaftsmagazin von Springer: "Bilanz" liegt der "Welt" bei. Foto: Promo
Neues Wirtschaftsmagazin von Springer: "Bilanz" liegt der "Welt" bei.Foto: Promo

Art-Direktoren und Designer durften sich austoben, die Texte werden garniert mit allen möglichen Zutaten, es geht bunt zu im Heft. Selbst in den Artikeln werden immer wieder mal Sätze oder Halbsätze mit Farbe unterlegt. Was soll das? Umso überraschender der schwarz-weiße Titel. Vermutlich ist den Machern keine überzeugende Optik zum „Machtkampf bei Aldi Süd“ eingefallen. Also viel Mut zum Weißraum. Am Kiosk muss sich das Blatt ja auch nicht verkaufen.

Die Aldi-Geschichte ist kenntnisreich und kurzweilig

Am Freitag erschien zum ersten Mal das Wirtschaftsmagazin „Bilanz“, wie das Schweizer Schwesterblatt ein Produkt des Springer-Konzerns. Das deutsche Magazin liegt jeden ersten Freitag im Monat der „Welt“ bei und will „das neue Forum für Führungskräfte“ werden, wie Chefredakteur Klaus Boldt sagt, „kritisch, kompetent und kreativ“. Die meisten Texte kommen weitgehend ohne Floskeln aus, die Titelgeschichte über Aldi Süd hat Substanz, weil die Autoren einen Blick werfen konnten auf die Führungsetage in Mühlheim an der Ruhr. Das gibt es nicht alle Tage, ist kenntnisreich und kurzweilig: Das Aldi-Establishment hat den Spitzenmanager Frank Lutz gefeuert, weil der auf Firmenkosten mit Freundin nach Australien flog.

Das 90 Seiten umfassende Heft gliedert sich in die Bereiche Namen und Nachrichten, Unternehmen und Märkte, Ideen und Innovationen sowie Privat. Unter der ungewöhnlichen Rubrik „Privat“ gibt es eine Geschichte über den 1. FC Köln und das Porträt einer Schuhmanufaktur. In einem guten Interview erläutert Linde-Chef Wolfgang Reitzle, wie im Turbokapitalismus der „Zwang zur kurzfristigen Performance“ das Managerleben belastet. Die neue Karstadt-Chefin hat die „Bilanz“-Autorin in der Karstadt-Kantine getroffen, „hallo, ich bin Eva-Lotta“. Man erfährt einiges über Frau Sjöstedt und ihren Stil, aber wenig über ihren Rettungsplan für Karstadt. Vielleicht gibt es den auch gar nicht. Alfons Frese

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben