Medien : Nicht die Ukraine

Ein Störer bei „Günther Jauch“: Wer kontrolliert das Publikum?

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Raufen im Ersten. Ein Zuschauer brüllte in die Runde bei „Günther Jauch“, wurde von Sicherheitsbeamten auf den Boden geworfen und dann unsanft herausgeführt. Screenshot: Tsp
Raufen im Ersten. Ein Zuschauer brüllte in die Runde bei „Günther Jauch“, wurde von Sicherheitsbeamten auf den Boden geworfen und...

Sonntagabend, ARD, kurz nach dem „Tatort“. Eigentlich wollte Günther Jauch über den Aufstieg der Piraten und über die Wahl in Schleswig-Holstein reden. Business as usual halt, Polit-Talk, den manche der 3,88 Millionen Zuschauer trotz der provokanten Ausführungen und schönen Sandalen des Piraten Johannes Ponader wohl nicht bis zum Ende, bis 23 Uhr angeschaut hätten. Doch plötzlich kippte das Ganze. Ein Zuschauer brüllte in die Runde hinein, wurde von Sicherheitsbeamten auf den Boden geworfen und im Schwitzkasten herausgeführt.

Ein Vorfall, der Fragen aufwirft. Es gibt im deutschen Fernsehen mit „Günther Jauch“, „Hart aber fair“ und „Maybrit Illner“ drei größere Polit-Talk-Formate, die live ausgestrahlt werden. Können solche Überraschungen aus dem Publikum ausgeschlossen werden? Körperscanner kommen jedenfalls nicht zum Einsatz. Die Sicherheitsvorkehrungen für das Studiopublikum, die Talkgäste und die Mitarbeiter von „Günther Jauch“ würden den üblichen Standards bei solchen Sendungen entsprechen, sagt Annabel Bermejo von Jauchs Produktionsfirma i+u.

Die Mitarbeiter der im Studio im Schöneberger Gasometer tätigen Sicherheitsfirma hätten vorschriftsmäßig gehandelt. „Die Publikumsgäste erwerben ihre Karten im Internet. Vor Betreten des Studios müssen sie Taschen, Jacken, Mobiltelefone an der Zuschauergarderobe abgeben. In manchen Fällen erfordern einzelne oder mehrere Gäste, wie beispielsweise Politiker mit Personenschutz, erhöhte Sicherheitsvorkehrungen.“ Was da genau passiert, ob und wann vorher Polizeihunde durchs Studio schnüffeln, wenn zum Beispiel Bundeskanzlerin Merkel zu Jauch kommt, darüber gibt die Produktionsfirma keine Auskunft.

Ähnlich sieht das mit den Sicherheitsmaßnahmen bei „Hart aber fair“ mit Moderator Frank Plasberg aus. „In einer Live-Sendung wird man Situationen, wie es sie am Sonntag bei ,Günther Jauch’ gab, nie zu 100 % ausschließen können. So lange es bei einem Zwischenruf bleibt, ist das ja auch nicht weiter dramatisch“, sagt Jürgen Schulte von Plasbergs Produktionsfirma Ansager & Schnipselmann. „Selbstverständlich achten wir sehr auf die Sicherheit unserer Gäste. Wer bei ,Hart aber fair’ eine Karte haben möchte, gibt seinen Namen an. Nur so kommt man auf die Gästeliste und ins Studio. Jacken und Taschen müssen an der Garderobe abgegeben werden.“ Hochrangige Politiker oder Wirtschaftsbosse, die in ihrer Sicherheit als besonders gefährdet gelten, würden gegebenenfalls auch eigene Personenschützer mitbringen. „Diese stimmen sich dann mit unseren Security-Mitarbeitern ab.“ Brenzlige Situationen hätte es bei „Hart aber fair“ noch nie gegeben.

Offenbar genauso wenig wie bei „Maybrit Illner“. Das Publikum in der ZDF-Talkshow müsse, wenn es sich Karten besorgt, den Namen angeben, so eine Sprecherin. Die Namensliste werde beim Einlass mit dem Personalausweis abgeglichen. „Die Sendungen sind meist mit vielen Wochen Vorlauf ausverkauft. Zuschauer wissen also nicht, welches Thema behandelt wird, welche Gäste in der Runde sitzen.“ Jene werden beim Einlass zusätzlich mit einer Handsonde kontrolliert. Taschen und Rucksäcke dürfen nicht mit ins Studio genommen werden. „Unsere Sicherheitskräfte sind angewiesen, nur einzugreifen, wenn eine Gefahr für Zuschauer oder Gäste besteht. Mit solchen Maßnahmen kann natürlich nicht verhindert werden, dass sich Zuschauer auch mal lautstark äußern.“

Immerhin, Günther Jauch hat am Sonntagabend souverän reagiert. Der Störenfried wurde auf Geheiß des Moderators wieder hereingeholt und nach seinem Anliegen gefragt, den Streit um einen Neubau der Berliner Schauspielschule „Ernst Busch“. „Hier wird keiner einfach aus der Sendung wie in der Ukraine rausgehauen.“ Bei Twitter erntete Jauch für seinen Einsatz positive Kommentare. Der Blogger Richard Gutjahr erklärte: „Da hat Jauch schnell und gut geschaltet. Profi.“ Der Nutzer Martin Wanke attestierte Jauch unter anderem wegen dieses Auftritts, „ein großer Moderator“ zu sein. Dieser hat allerdings nach der Sendung, so die Sprecherin von Jauchs Firma, nicht mehr mit dem Störer gesprochen.

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