Nicht mehr tragbar? : Telekom schmeißt Al Dschasira aus Entertain-Programm

Der Internet-TV-Anbieter Telekom hat mehrere Nachrichtensender aus dem Entertain-Programm genommen. Von der Hotline wird dies mit abenteuerlichen Argumenten begründet.

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Der Fernsehsender Al Dschasira hat seinen Sitz in Doha. Foto: dapd
Der Fernsehsender Al Dschasira hat seinen Sitz in Doha.Foto: dapd

Telefon, Internet, Fernsehen, alles aus einer Hand. So bewirbt die Telekom ihr Tripple-Play-Angebot Entertain, das Flatrates fürs Telefonieren, Internetsurfen und Fernsehen enthält. Auch Frau K. aus Treptow-Köpenick entschied sich aus diesem Grund für Entertain und schaut nun über den Internetdienst statt über Kabel, Satellit oder DVB-T fern. Eine Entscheidung, die sie allerdings nun infrage stellt, nachdem die Telekom zum Monatswechsel gleich eine ganze Reihe von Sendern aus dem Angebot genommen hat – darunter die Nachrichtensender CNBC und Al Dschasira. Noch größer war allerdings die Überraschung, als sie bei der Hotline des Telekom-Dienstes anrief. Dort bestätigte man ihr nicht nur, dass die Telekom diese Sender tatsächlich rausgeschmissen hat, sondern begründete dies damit, dass einige der Sender „nicht mehr tragbar“ seien.

Auch CNBC, Bloomberg und TV 5 fehlen nun im Bouquet

Neben Al Dschasira und CNBC hat die Telekom noch weitere Stationen aus dem Programm genommen. Seit Anfang Juli fehlen in der Programmbelegung zudem der Wirtschaftsdienst Bloomberg, France 24, TV 5 Monde, das Deutsche Musikfernsehen und Bibel TV HD (ursprünglich stand hier, dass Bibel TV nicht mehr in Entertain übertragen wird. Das stimmt so nicht, in SD wird Bibel TV weiterhin ausgestrahlt. Aus dem Programm genommen wurden hingegen Bibel TV HD) , wie das Unternehmen am Donnerstag auf Anfrage des Tagesspiegels bestätigte. „Wir versuchen, das Angebot bei Entertain so zusammenzustellen, dass wir für unsere Kunden stets das optimale Angebot haben“, begründete der Entertain-Sprecher die Veränderungen. Tatsächlich wurden die Newssender herausgenommen, um Platz für neue Sender zu schaffen. Zu ihnen gehören unter anderem die Regionalprogramme Augsburg TV und Rhein-Main-TV. „Wir nehmen immer wieder neue Sender in unser Programm auf. Das bedeutet aber auch, dass wir von Zeit zu Zeit Sender aus dem Angebot nehmen“, so der Sprecher.

„Wir testen auch ein bisschen“, gibt der Sprecher zu. Soll heißen: Um zu entscheiden, welche Sender drin bleiben und welche rausfliegen, gibt es einerseits handfeste Kriterien wie unter anderem die Zuschauerzahlen. Aber auch andere Erfahrungen spielen eine Rolle. „Selbst englischsprachige Angebote werden häufig nicht so gut angenommen, wie immer gesagt wird. Das wissen wir auch von unserer Mediathek bei Filmen und Serien in Originalsprache.“
Entscheidungen wie der Rauswurf von Al Dschasira und CNBC können indes wieder rückgängig gemacht werden, wenn sich genügend Nutzer beschweren. „Bisher haben uns keine Kundenproteste erreicht, aber wir nehmen jedes Kundenfeedback ernst und lassen es in unsere Überlegungen für die Zukunft mit einfließen“, so der Sprecher, der eines klar von sich weist: „Mit unserer Entscheidung für oder gegen einen Sender nehmen wir keine inhaltliche Bewertung vor. Warum die Hotline von ,nicht mehr tragbar‘ gesprochen hat, ist darum für mich absolut unverständlich.“ Kurt Sagatz

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