"Niemand ist eine Insel" : Staub der Zeiten

Der Simmel-Roman „Niemand ist eine Insel“ ist mit Iris Berben in der Hauptrolle als erfolgreiche, aber unglückliche Schauspielerin fürs ZDF verfilmt worden. Doch viel Neues über die Gefahren des Größenwahns erzählt die Produktion nicht.

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Erfolgreich, aber unglücklich ist die Schauspielerin Sylvia Moran. Erst als ihre Tochter erkrankt, merkt sie, dass sie menschlich versagt hat. Iris Berben spielt diese Rolle auf dem Grat zwischen Schönheit und Scheusal. Foto: ZDF
Erfolgreich, aber unglücklich ist die Schauspielerin Sylvia Moran. Erst als ihre Tochter erkrankt, merkt sie, dass sie menschlich...Foto: Stephanie Kulbach

Das Team Oliver Berben (Produktion), Carlo Rola (Regie) und Iris Berben (Hauptdarstellerin) ist mit seinen Simmel-Verfilmungen sozusagen in Serie gegangen. Oliver Berben besitzt die Rechte, Rola dreht immer mit Berben, und die Schauspielerin war mit dem Schriftsteller, wie das Presseheft mitteilt, befreundet. Eine ideale Konstellation, könnte man meinen. Die Filme – öfters Remakes, denn in den 70ern gab es schon mal viel Simmel zu sehen – werden entwickelt, sie werden gedreht, ganz im Sinne des 2009 verstorbenen Autors. Schön. Nur wer außerhalb des Simmel-Berben-Clans von dieser großen Anstrengung wirklich etwas hat, muss fraglich bleiben. Denn der Staub der Zeiten, der sich seit den 70ern auf die Stoffe des Johannes Mario Simmel gelegt hat, ist schwerlich wegzublasen.

Ein Stück weit trägt vielleicht die Nostalgie, die Erinnerung wohl auch an einstige Lektüre. Aber irgendwann wird es anstrengend. Die neueste Simmel-Produktion „Niemand ist eine Insel“ (der Roman erschien 1975) jedenfalls hütet hinter dem schönen Schein seiner Bilder das blanke Nichts. Wenn es dem ZDF Ernst damit ist, sein Publikum zu verjüngen, sollte es mit dieser Simmel-Berben-Rola-Kiste schleunigst Schluss machen.

Die Story ist altbekannt, darüber hinaus klassisch. Eine schöne Frau, ein großer Star ist hinter der glitzernden Fassade tief unglücklich. Merke: Ruhm und Glanz bringen’s nicht, wenn es menschlich nicht stimmt. Iris Berben spielt die Schauspielerin Sylvia Moran, die in einem wichtigen Film als Medea überzeugen soll und ganz in der Rolle aufgeht, dabei aber ihre Tochter (Paula Knüpling) vernachlässigt und nicht merkt, dass ihr der Liebhaber (Henning Baum) entgleitet. Managerin Clarissa (Stefanie Stappenbeck) wird von der herrischen Moran derart herumgescheucht, dass der Ärmsten nichts anderes übrig bleibt, als einen Racheplan zu schmieden. Als dann noch die Tochter schwer erkrankt, erkennt Moran, wie schrecklich sie menschlich versagt hat. Sie trinkt noch ein Glas mehr und greift zu Tabletten. Die Medea gelingt ihr gleichwohl hervorragend.

Dass Simmels Roman nur der Ideengeber für das Drehbuch von Knut Boeser gewesen ist, dass also die Geschichte frei variiert und ins Hier und Heute übertragen worden ist, mag so sein, aber das anvisierte Hier und Heute ist eher eine Art Überall und Nirgends und die freie Variation hat nichts hervorgebracht, was irgendwie erschüttern oder auch nur zart bewegen könnte.

Es ist ja so: Der Stoff, Ambivalenzen des Ruhms, Gefahren des Größenwahns, ist seit den 1970ern (auch vorher) schon mehrfach filmisch durchdekliniert worden – vor allem die Abstürze, Selbstmorde und auch die Wiederkehr der Unverwüstlichen aus dem Milieu der Sportler und der Rockstars lieferten Geschichten für kaum zählbare Filmwerke. Die fiktive Sylvia Moran, von Iris Berben mit disziplinierter Affektation auf dem Grat zwischen Schönheit und Scheusal gespielt, steht seltsam verloren in der Galerie unseliger Celebrities, wie Film und Fernsehen sie lieben und immer wieder inszenieren müssen. Man will von dieser synthetischen Figur im Grunde nicht wirklich was wissen. Irgendetwas, das über den schlichten Plot hinausweist, sich verallgemeinern ließe und gar etwas Neues verriete über die Schwierigkeit, als Mega-Star Mensch zu blieben, sucht man vergebens.

„Niemand ist eine Insel“, ZDF, Montag, 20 Uhr 15

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