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Nippel statt Hetze : Facebook reagiert auf Anti-Lösch-Aktion

Nackte Brüste werden von Facebook schnell gelöscht, Hetze bleibt oft stehen - "Absurd", findet Fotograf Olli Waldhauer und startet eine Kampagne. Facebook gefällt die Provokation.

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Nackte Brüste werden von Facebook sofort gelöscht, hetzerische Kommentare bleiben dagegen oft stehen.
Nackte Brüste werden von Facebook sofort gelöscht, hetzerische Kommentare bleiben dagegen oft stehen.Foto: Olli Waldhauer

Immer wieder lädt Olli Waldhauer das Foto bei Facebook hoch, immer wieder wird es von dem sozialen Netzwerk gelöscht – aber nicht etwa, weil auf dem Bild ein Schild zu sehen ist mit dem fremdenfeindlichen Aufruf: „Kaufft nicht bei Kanaken.“ Sondern die blanken Brüste einer Frau.

Waldhauer will damit aufmerksam machen auf die nach seiner Ansicht absurde Löschpolitik von Facebook: Sobald jemand ein Bild mit nackten Frauenbrüsten postet, wird das Netzwerk tätig – und zwar rigoros. Hetzerische und rassistische Kommentare bleiben dagegen oftmals stehen.

#NippelstattHetze

„Wir leben in einer Welt, in der nackte Brüste als gefährlicher angesehen werden als fremdenfeindliche Aussagen. Das ist doch bigott“, sagt der Fotograf. Um darauf aufmerksam zu machen, hat er zusammen mit den Schauspielern Matthias Weidenhöfer und Leila Lowfire die Idee entwickelt für das Bild - versehen mit dem Hashtag #NippelstattHetze.

Das Bild sei innerhalb eines Tages mehr als fünf Millionen Mal geklickt worden, sagt Waldhauer, der auch schon Flüchtlinge aus Kobane bei ihrem Weg über die Balkanroute begleitet hat. Er hofft, dass er mit dem Foto auch Menschen erreiche, die zunächst einmal denken „Boah, Brüste“, sich dann aber über die politische Botschaft Gedanken machten.

"Geiles Bild, aber kauf' dir mal 'nen Duden."

Seine Idee, mit "Kaufft" die oft in fehlerhafter Rechtschreibung verfassten Hetz-Kommentare zu persiflieren, komme aber offenbar nicht bei allen Facebook-Nutzern an. "Ich hab auch schon Nachrichten erhalten wie ,Geiles Bild, aber kauf' dir mal 'nen Duden." Auch das findet Waldhauer allerdings amüsant, solange sich die Menschen Gedanken machen über die Botschaft des Bildes.

Facebook verweist immer wieder darauf, in Bezug auf Brüste und Hetze nicht etwa eine Doppelmoral zu haben. Sondern vielmehr sei die Entscheidung bei einem Foto meist eindeutig: Man sieht Brüste, oder man sieht sie nicht. Schwerer sei die Entscheidung dagegen, ob ein Kommentar noch von der Meinungsfreiheit gedeckt ist oder gegen Facebooks Community Standards verstößt.

Inzwischen hat Waldhauer bereits eine zweite Version des Fotos gepostet, auf dem die Brustwarzen mit Sternchen gepixelt und nicht zu sehen sind – aber auch dieses Bild werde immer wieder gelöscht. Angesichts des großen Erfolgs der Kampagne plane er nun "eine wunderbare Serie von Bildern mit Brüsten verbunden mit politischen Botschaften."

Facebook bezeichnet die "Nippel statt Hetze"-Kampagne zwar als "Provokation", aber "wir verstehen, dass wir hier gerade in Deutschland großer Kritik ausgesetzt sind", sagte eine Sprecherin. Deshalb habe das soziale Netzwerk "überhaupt kein Problem damit", wenn solche Aktionen dazu beitragen würden, "dass das Thema Fremdenfeindlichkeit in der Gesellschaft diskutiert wird – auch auf Facebook." Allein in Deutschland nutzten 27 Millionen Menschen aktiv das Netzwerk, "und wir werden es nicht zulassen, dass eine kleine Anzahl von Nutzern Facebook als Sprachrohr für brutalen Hass und dumpfen Rassismus missbraucht. Daher möchten wir statt dieses Foto und das Thema Brüste auf Facebook zu diskutieren lieber auf die Dinge hinweisen, die Facebook tut um dagegen zu halten: Gegen den Hass und gegen Fremdenfeindlichkeit.“

Das Netzwerk unterstützt unter anderem Initiativen, die sich gegen Hassrede im Netz stark machen und arbeitet in einer von Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) gestarteten "Task Force" mit, die sich mit dem Thema Hass im Netz beschäftigt - was bisher aber offensichtlich nichts daran geändert hat, dass hetzerische und fremdenfeindliche Kommentare weiterhin nicht immer gelöscht werden.

Wer dagegen das Foto von Olli Waldhauer - oder auch diesen Artikel - auf seiner Timeline veröffentlicht, bekommt schnell die Nachricht von Facebook, dass der Beitrag gelöscht wurde, weil er gegen die Standards des Netzwerks verstoße.

 


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