Occupy : „Rebel Yell“

Bunter Protest im Internet. Eine Arte-Dokumentation beschäftigt sich mit dem Thema Rebellen im digitalen Zeitalter.

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Was macht der Polit-Aktivist, wenn ihn während einer Demo der Wunsch nach Essen überkommt? Er ruft in die Webcam: „Wir haben Hunger“. Irgendeiner da draußen wird sich schon kümmern. So geschehen bei einer Occupy-Aktion in Paris. Freundliche Menschen in Belgien haben den Hilfeschrei gehört und bei einem Pizza-Service in der französischen Hauptstadt Nahrung geordert.

Diese „lustige Geschichte“, sagt ein französischer Occupy-Anhänger, zeige, wie heute die Kommunikation funktioniere. Und Kommunikation ist das große Thema im ersten Teil einer hippen Doku mit dem Titel „Rebel Yell“, also „Rebellischer Schrei“. Ein Titel, der an eine Whiskeymarke und einen Song von Punkrocker Billy Idol aus den achtziger Jahren erinnert. Punk ist zwar der Aufschrei von gestern, aber um Musik geht es auch in dem Zweiteiler von Torsten Ernst und Nicole Kraack. Um Pop und Protestkultur, um Politik und Jugend, um Rebellen im Internetzeitalter. „Wir sind das Netz“, lautet der erste Teil des für Arte und das ZDF produzierten Zweiteilers, der heute im Kulturkanal Premiere feiert. Der zweite Teil („Reclaim The Streets!“) in einer Woche dreht sich um den klassischen Ort des Protestes: die Straße. Bunt ist die Szene, und die sozialen Netzwerke zählen zu ihren wichtigsten Instrumenten. Wo früher alternative Lebensweise geprobt wurde, beim Anti-Atom-Protest in Gorleben oder Wackersdorf etwa, da steht heute mitten im Besetzer-Camp ein „IT-Zentrum“ – ein Zelt voller Computer und moderner Technik, wie bei den Occupy-Aktivisten in Frankfurt. Das Themenspektrum ist breit, es geht nicht nur um die Freiheit des Internets, sondern um Banken, Rassismus und sexuelle Belästigung von Frauen, um den Arabischen Frühling und Wikileaks.

Immer sind die Autoren vor Ort mit der Kamera und zeigen die Typen dahinter, etwa den US-Journalisten Daniel Marre, den tunesischen Rapper Hamada Ben Amor oder den französischen Internetaktivisten Jeremie Zimmermann. Interviews werden geführt in New York, London, Paris oder Berlin, aber die Orte sind Nebensache, verschwimmen – man bekommt ein Gefühl dafür, wie das Netz die Welt verbindet. Thomas Gehringer

Rebel Yell: Wir sind das Netz!“, Arte, 21 Uhr 50

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