Ohne Vorwarnung : ZDF setzt "Roche & Böhmermann" ab

Rauchen, Pöbeln und Trinken: Charlotte Roche und Jan Böhmermann gingen mit ihrer Talkshow keinen konventionellen Weg - und provozierten lieber. Nun fanden die Moderatoren und das ZDF keine Lösung, wie das Format fortgeführt werden soll. Schuld soll ein Krach hinter den Kulissen sein.

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Charlotte Roche und Jan Böhmermann.
Charlotte Roche und Jan Böhmermann.Foto: dpa

„Leider konnte keine Einigung zwischen den Beteiligten darüber erzielt werden, wie die Sendung fortgeführt werden soll“, sagt Dinesh Kumari Chenchanna, die als Koordinatorin ZDFkultur/3sat für das Programm von ZDFkultur verantwortlich ist. Mit beiden werde über neue Formate gesprochen. „Roche & Böhmermann“ startete im März 2012. Bislang wurden 16 Folgen sonntags um 22 Uhr ausgestrahlt. Ab dem 3. März soll der Talk nur noch als Wiederholung zu sehen sein. Die Sendung hatte im Digitalkanal des ZDF wenig Zuschauer, war aber von Kritikern gelobt worden. Damit drohen dem Mainzer Sender nach Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf zu Pro7 wiederum Nachwuchsmoderatoren abhanden zukommen, die dem ZDF junge Zuschauer zuführen sollten.

Koinzidenz der Ereignisse: Am Donnerstag, 31. Januar , sollen Roche und Böhmermann vom „medium magazin“ als Unterhaltungsjournalisten des Jahres ausgezeichnet werden. Für den Grimme-Preis sind sie auch nominiert. Eine Würdigung für unkonventionelles Fernsehen, für das, was Böhmermann „kontrollierte Sprengung“ nannte. Fünf Gäste sind bei „Roche & Böhmermann“ um einen Tisch platziert. Die Runde soll so informell rüberkommen wie ein Küchengespräch bei einer Party. Ein Beispiel: Roche steht auf, um, ihrem Image als Expertin für Feuchtgebiete entsprechend, am offensichtlich unter den Achseln schwitzenden Böhmermann zu riechen. Darauf hin zieht sie der geladene Wissenschaftsjournalist, Ranga Yogeshwar, zur Seite. „Ich auch“, sagt er, riecht an Roche und identifiziert den Geruch als „Aluminiumchlorid“.

Das scheint dem ZDF oder Roche/Böhmermann nicht mehr zu genügen. Weder von den Moderatoren noch aus Mainz waren am Montagabend weitere Stellungnahmen zu den Gründen des plötzlichen Talkabbruchs zu erhalten. Jan Böhmermann wollte sich "momentan nicht weiter zu der Meldung äußern". Branchenintern ist zu hören, dass es zwischen den beiden Moderatoren unterschiedliche Ansichten über die weiteren Produktionsbedingungen gebe.

Am Anfang stand offenbar der Deutsche Fernsehpreis, den die beiden jungen Produzenten Philipp Käßbohrer und Matthias Schulz im vergangen Oktober bekommen haben. Die Jury urteilte damals: "Die beiden Studenten der Kunsthochschule für Medien in Köln stehen als Produzenten und Jungunternehmer maßgeblich für den Retro-Look und die Seele der Sendung." Von den beiden Moderatoren der Sendung war nicht die Rede.
In den folgenden Wochen soll es zu Verstimmungen zwischen Charlotte Roche und dem Produktionsteam inklusive Jan Böhmermann gekommen sein. Nach Tagesspiegel-Informationen verlangte Roche einen Wechsel der Produktionsfirma. Ein Kompromiss trotz Intervention des ZDF offenbar nicht zustande.

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