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Oliver Kahn und Mehmet Scholl als EM-Experten : ARD, ZDF: Legt die Honorare offen!

Kahn versus Scholl: Unser EM-Kolumnist nimmt einen Expertenzwist in Sachen richtiger Fußball-Taktik zum Anlass, eine alte Forderung zu wiederholen.

Markus Ehrenberg
Der ZDF-Fußballexperte Oliver Kahn.
Der ZDF-Fußballexperte Oliver Kahn.Foto: dpa

Von wegen: die alte Bayern-Connection. Fast am Ende liefert diese doch weitestgehend müde Fußball-EM noch einen kleinen Medienpunch frei Haus. Unter Experten. Oliver Kahn hat sich im Streit um die deutsche Dreierkette im Spiel gegen Italien auf die Seite von Bundestrainer Joachim Löw geschlagen, gegen seinen alten Bayern-Spezi Mehmet Scholl, der für die ARD analysiert.

„Wir müssen mal weg kommen von dieser Einstellung, dass man ein ganzes Turnier oder eine ganze Saison durch immer mit der gleichen Taktik spielen müsse. Diese Zeiten sind lange vorbei. Die Spieler sind heute ganz anders ausgebildet“, teilte ZDF-Experte Kahn am Sonntagabend im Umfeld der langweiligen Viertelfinalpartie Frankreich gegen Island recht deutlich aus.

Arrogant? Der ARD-Experte Mehmet Scholl.
Arrogant? Der ARD-Experte Mehmet Scholl.Foto: dpa

Mehmet Scholl hatte am Samstag in der ARD sehr scharfe Kritik an Löws taktischer Ausrichtung gegen Italien geübt, vor allem auch an Löws Taktikchef Urs Siegenthaler („Er möge bitte seinen Job machen und morgens liegen bleiben“) und damit für Verärgerung beim DFB gesorgt. Kahn dazu: „Diese Arroganz sollten wir nicht besitzen: ,Wir sind die Stärksten’. So einfach ist es im heutigen Fußball nicht.“

Hört, hört. Auch Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff hat Scholls Kritik scharf verurteilt. „Experten sollen ihre Meinung sagen. Man weiß natürlich auch, dass sie beim Fernsehen immer mal wieder etwas raushauen müssen.“ Da gebe es auch solche Experten, wie Mehmet Scholl, die das gerne mal machen.

Joachim Löw reagierte auf der Pressekonferenz am Montag. Wer die Abläufe innerhalb des Teams nicht kenne, könne sich solche Kritik nicht erlauben, sagte Löw - ohne Scholl namentlich zu erwähnen: "Wenn man dann wertvolle Mitarbeiter aus meinem Stab angreift, finde ich das nicht in Ordnung."

Scholl schweigt jetzt zu all dem. Irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass Oliver Kahn bei dieser EM dem (von vielen favorisierten) Mehmet Scholl den Rang des Lieblings-Experten abgelaufen hat, auch mit viel Selbstironie übrigens. Kahn kann jetzt Dinge erklären. Mischt kräftig mit, antizyklisch intervenierend. Gutes Spiel, böse Experten-Analyse. Schlechtes Spiel, Sonderlob.

Vielleicht hat dieses „Raushauen“-Müssen aber auch mit den Honoraren zu tun. Da stehen irre Zahlen im Raum, ist viel Feuer im Spiel. Es wäre jetzt wirklich mal an der Zeit für ARD und ZDF, die Höhe ihrer Experten-Honorare offenzulegen.

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