Olympische Augenringe : Doppelter Live-Sport zur Primetime

Olympia hier, Fußball da: ARD und ZDF setzten am Dienstagabend mal wieder gemeinsam auf Sport zur Primetime. Wer bei Fabian Hambüchen hängen blieb, dürfte das aber zumindest nicht bereut haben.

von
Turnen schlägt Fußball. Fabian Hambüchens Goldübung am Reck war am Dienstag angesagter als Fußball.
Turnen schlägt Fußball. Fabian Hambüchens Goldübung am Reck war am Dienstag angesagter als Fußball.Foto: dpa

Zum zweiten Mal binnen drei Tagen verwöhnten gleich beide öffentlich-rechtlichen Hauptsender ihre gebührenzahlenden Zuschauer am Dienstagabend mit Live-Sport zur Primetime. Während in der ARD Olympia lief, hielt das ZDF mit Champions-League-Fußball dagegen. Für Nichtsportfans dürfte das so ziemlich der TV-Albtraum gewesen sein.

Dabei gab es am Dienstag bei Olympia all das, was die Spiele ausmachen kann: Spannung, Emotion und Faszination. Schon jetzt dürfte Fabian Hambüchens Reckübung beste Chancen haben, als der deutsche olympische Moment dieser Tage von Rio in die Geschichte einzugehen. Auch deshalb, weil Olympia 2016 bisher kaum einmal wirklich begeistern konnte. Das lag zuweilen auch an der Berichterstattung im Linear-Fernsehen, wo ARD und ZDF zu oft hin- und herschalteten – immer auf der Suche nach der deutschen Medaille. Im Zweifel trauen die übertragenden Sender dann doch nur dem Fußball – auch bei Olympia.

Nun lassen sich Zuseher durchaus erziehen. Der Reiz eines Sports wird gerade dann deutlich, wenn Vergleichsmöglichkeiten bestehen. Die ARD machte am Dienstag alles richtig, als sie die Übungen aller Reckturner in voller Länge live zeigte. So hatten auch vermeintliche Laien die Chance, Details zu erkennen. Beim Fußball klappt das seit Jahren – mit dem Ergebnis, dass im Fernsehen gefühlt irgendwo immer der Ball rollt.

Doch Sport ist eben nicht nur Fußball, das hat der Dienstag eindrucksvoll bewiesen. Vielleicht auch all jenen, die nur mangels Alternative beim olympischen Reckturnen hängen geblieben sind und sich ansonsten darüber ärgern, dass ihre Gebührengelder derart umfangreich in Sportrechte investiert werden – auch wenn dabei zuweilen der Eindruck entsteht, bei ARD und ZDF gar keine Wahl mehr zu haben.

Autor

2 Kommentare

Neuester Kommentar