Online goes print : Streiten, bis einer heult

Das Debatten-Magazin „The European“, bisher nur online verfügbar, wird künftig auch gedruckt.

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Foto: Promo
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Auf Pausenhöfen wird gerne ein Spielchen gespielt. Es heißt: „Bis einer heult!“, und im Wesentlichen geht es darum, den Gegner mit Gemeinheiten aller Art so lange zu triezen, bis die Tränen fließen.

So lange, „Bis einer heult!“, will nun das neue Magazin „The European“ seine Leser streiten lassen, aber – bitte schön – salonfähig: mit Worten. Beispielsweise darüber, ob die Piraten mit der CDU eine Halloween-Koalition eingehen, wie sich Sex 2112 anfühlen wird oder warum die Sitten unter den Bürgerlichen verwahrlosen.

Am Donnerstag erscheint die Zeitschrift, die sich „Debatten-Magazin“ nennt, zum ersten Mal und entspricht dabei nicht den für den Printmarkt typischen Entwicklungen. Erscheinen immer mehr Zeitungen und Magazine nur noch online, geht „The European“ den umgekehrten Weg: aus dem Netz an den Kiosk. Aus www.theeuropean.de wird „The European“.

„Viele Leser haben uns gesagt, dass sie es an einem Tag einfach nicht schaffen, alle Debatten auf unserer Website zu verfolgen. Es gibt ein Bedürfnis nach Print, nach Haptik, nach einem Heft, zu dem man immer wieder greifen kann“, sagte Chefredakteur Alexander Görlach, als er die Zeitschrift am Montag in Berlin vorstellte. Vor drei Jahren hat er die Website theeuropean.de gegründet, auf der zwölf Redaktionsmitglieder und verschiedene Autoren täglich über Politik, Wirtschaft, Medien, Kultur, Gesellschaft und Wissenschaft schreiben. Und streiten. Künftig sollen sich Website und Magazin gegenseitig befruchten, also Online-Debatten im Heft nachhaltig weitergeführt, Print-Themen ins Netz verlängert werden.

Mehrere Titel sind unter dem Namen „The European“ bereits erschienen, zuletzt in den 90er Jahren das von Robert Maxwell gegründete Blatt, das „Europas erste nationale Zeitung“ sein sollte, aber 1998 wegen Misserfolgs wieder eingestellt wurde.

Görlach setzt auf Erfolg. 113 000 Leser hat die Website nach seinen Angaben monatlich, viele von ihnen, so hofft er, kaufen nun auch die gedruckte Version. Acht Euro kostet das Heft, das quartalsweise erscheinen soll. Kein leichter Rhythmus, da aktuelle Debatten kaum aufgegriffen werden können, wenn das Heft nicht einen Monat nach Erscheinungstag nicht völlig veraltet aussehen soll. „The European“ will deshalb eher über den Dingen schweben, also vorausschauend streiten. „Bis einer heult!“ Sonja Pohlmann

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