Online-Petition : "Markus Lanz hat sich extrem dreist verhalten"

Die Leipzigerin Maren Müller hat nach der Sendung mit Sahra Wagenknecht die Online-Petition gegen den Moderator Markus Lanz gestartet. Im Interview kritisiert sie die fehlende Reaktion des Senders.

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Markus Lanz
Markus Lanz, hier bei "Wetten, dass..?" Sein Umgang mit der Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht in seiner eigenen Talkshow...Foto: dpa

Wir haben jetzt Donnerstag 15.10 Uhr. Die von Ihnen gestartete Online-Petition "Raus mit Markus Lanz aus meiner Rundfunkgebühr" hat 130.524 Unterstützer. Sind Sie überwältigt?

Ja. Das kann man nicht anders sagen.

Sehen Sie gern fern?

Ja, eigentlich schon. Wenn was Gescheites kommt.

Wie kamen Sie auf die Idee mit der Petition?

Das war eine spontane Geschichte. Ich habe die Sendung am 16. Januar gesehen. Ich konnte danach nicht schlafen, weil ich mich so aufgeregt habe darüber. Und habe überlegt. Dann fiel mir die Möglichkeit ein, dass es die Möglichkeit gibt für so eine Petition. Die Zuschauerbeschwerden in den Kommentarspalten von irgendwelchen Zeitungen, auf Twitter oder anderswo im Internet, das geht ja fast alles unter. Mit so einer Petition kann man Kritik gebündelt an einen Adressaten schicken. Am nächsten Morgen bin ich aufgestanden, habe meinen Rechner hochgefahren und die Petition gestartet.

Geht's Ihnen nur um Markus Lanz? Oder finden Sie Talkshows im Fernsehen generell nervig?

Ich will nicht mal sagen, dass es gegen Markus Lanz geht. Er hat durchaus auch gute Sendungen gemacht. Ich erinnere mich da zum Beispiel an einen Reisebericht über Grönland oder so, den fand ich ganz bezaubernd. Er war ja wohl irgendwie im Eis. Es geht explizit um seinen Stil Gästen gegenüber. Sahra Wagenknecht stand 30 Minuten lang im Kreuzfeuer. Lanz und Jörges gegen Frau Wagenknecht. Wie das gelaufen ist, hat mich empört. Ich kenne keinen anderen Moderator, der mit seinen Gästen so umspringt. Und, wohlgemerkt, nicht mit allen Gästen, sondern nur mit bestimmten. Das ist ja der Punkt.

Sie haben den "Stern"-Journalisten Hans-Ulrich Jörges erwähnt, der als Teilnehmer der Sendung Lanz zur Seite stand. Er hat ein Video ins Netz gestellt, in dem er die "Methode Wagenknecht" angreift. Jörges meint, mit der Online-Petition solle eine kritische Auseinandersetzung tabuisiert werden. Was sagen Sie dazu?

Die reden jetzt von Pressefreiheit. Aber das hat mit Pressefreiheit nichts zu tun, wenn ich jemanden einlade und ihm dann keine Plattform gebe. Gäste werden doch nicht umsonst eingeladen. Und wenn ihnen eine Frage gestellt wird, sollten sie auch die Möglichkeit bekommen, die zu beantworten, ohne Störungen. Ich bin ein Befürworter der Pressefreiheit. Doch man sollte dann auch mal sachlich bleiben.

Frau Müller, Sie waren früher bei der SPD, als Kommunalpolitikerin, richtig?

Ich war in meiner alten Heimatstadt Borna Stadträtin, in den Neunzigern.

Später sind Sie Mitglied der Linkspartei geworden.

Ich bin aus der SPD ausgetreten, als die Agenda 2010 spruchreif wurde. 2007 bin ich zur Linken gegangen. Da bin ich aber seit 2013 auch nicht mehr.

Sind denn Parteien für Sie ähnlich blöd wie die Talksendung von Lanz?

Das ist eine komplett andere Geschichte. Ich habe die Arbeit für die Partei privat-organisatorisch nicht mehr leisten können.

Sind Sie Fan der Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht?

Fan will ich nicht sagen. Ich verfolge mit Interesse die Talkshows, in denen sie Gast ist.

Sie wollten mindestens 100.000 Unterstützer für Ihre Petition. Diese Marke ist bereits dicke überschritten. Falls das ZDF Lanz jetzt wirklich absetzen würde, wer müsste aus Ihrer Sicht danach als nächster dran sein?

Was heißt absetzen? Das hat der Sender frei zu entscheiden. Aber ich erwarte, dass er sich zumindest mit der Kritik auseinandersetzt. Schauen Sie sich mal die Kommentare auf der Online-Seite zur Petition an, über tausend Seiten. Das sind Beschwerden von Konsumenten, die das ZDF zu behandeln hat. Es gibt da ein paar unqualifizierte und auch unsachliche Beiträge. Aber es sind auch Leute dabei, die einen Doktortitel vor dem Namen haben. Oder die (lacht) prominent sind. Die Sender haben doch ein Beschwerdemanagement, Personal Coaches oder so. Irgendwie müssen sie doch reagieren.

Sie wollen also jetzt nicht reihenweise die Moderatoren aus dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen kegeln?

Um Gottes Willen, nein! Ich bin ein Fan des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Ich gucke eigentlich fast nur öffentlich-rechtliches Fernsehen. Am liebsten gucke ich Arte. Die bieten wirklich was für's Geld. Aber ich kann es nicht leiden, wenn ein Moderator mir seine Gäste mies macht und sogar das Publikum gescholten wird, wenn es klatscht. Das fand ich wirklich extrem dreist.

Maren Müller (54) ist Betriebswirtin aus Leipzig. Sie twittert unter @linksgruen.

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