Onlinevideotheken im Test : Stream me up!

Video on Demand legt zu, Amazon Prime Instant Video liegt vorne. Aber die Auswahl an Serien und Filmen ist bescheiden, sagt Stiftung Warentest.

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Nur bei Netflix. Kyle Chandler (John Rayburn) und Linda Cardellini (Meg Rayburn) in der neuen Serie „Bloodline“
Nur bei Netflix. Kyle Chandler (John Rayburn) und Linda Cardellini (Meg Rayburn) in der neuen Serie „Bloodline“Foto: Netflix

Die nächste geile Serie, die gibt es immer zuerst bei Netflix oder bei Sky Snap oder bei iTunes, richtig? Aber niemals bei ARD oder RTL oder ZDF. Da hat sich was festgesetzt in den Köpfen der Fans serieller Hochkultur. Das Vergnügen kostet zwar bei den Video-on-demand-Portalen entweder per Abruf oder im Abo, egal, hier ist das begehrte Popcorn-TV zu bekommen, wo die traditionellen, linear ausgestrahlten Programme in der faden Seriensoße versinken.

Vor diesem Hintergrund müssen aktuelle Zahlen der Beratungsfirma Goldmedia gelesen werden. Danach gewinnt Video-on-Demand schnell und schneller an Attraktivität. Laut einer repräsentativen Erhebung nutzen im Februar 2015 schon 35 Prozent aller Onliner in Deutschland VoD-Angebote, im September 2014 sollen es noch rund 20 Prozent gewesen sein. Nach dem Umrechnungskurs von Goldmedia heißt das konkret: Die 35 Prozent VoD-Nutzer der aktuellen Befragung entsprechen 19,5 Millionen Deutschen bei einer Grundgesamtheit von über 55 Millionen, die online sind.

Der VoD-Markt wächst, und es ist ein Markt, in dem verschiedene Anbieter konkurrieren. Nach der Goldmedia-Befragung liegt Amazon Prime Instant Video mit 33,2 Prozent bei den Nutzern vorne (siehe Grafik). Der Preis ist im Wettbewerb ein erhebliches Argument; Amazons VoD dürfte durch die Bundling-Strategie mit dem Premium-Lieferservice Amazon Prime sehr attraktiv sein. Amazon Prime Instant Video kostet derzeit 7,99 Euro monatlich, für Amazon-Prime-Kunden ist es im Jahresbetrag von 49 Euro enthalten, die Nutzer zahlen dementsprechend 4,08 Euro monatlich.

Die Kombination aus Angebot und Abopreis scheint erst dann gravierendes Gewicht zu bekommen, wenn sich die Preise auf einer Ebene bewegen: Netflix als S-VoD-Sampler (Subscription Video-on-Demand) wie Maxdome oder Watchever verlangen pro Monat 7,99 Euro, gleichwohl sind die Nachfragen beträchtlich verschieden: Maxdome kommt auf 11,3 Prozent, Netflix hält bei 8,0 Prozent, Watchever bei 2,3 Prozent. Der Apple-Dienst iTunes bleibt dem Bezahlen pro Abruf treu, was nicht von Nachteil sein muss, der VoD-Dienst wird mit 11,3 Prozent am zweithäufigsten genutzt.

Grafik: Tsp

Die Stiftung Warentest hat sich aktuell das Repertoire von 13 Online-Videotheken angesehen. In diesen suchten die Prüfer nach 100 besonders populären Filmtiteln, zum Vergleich diente eine große Berliner Videothek. Das Ergebnis war durchaus ernüchternd. Ein Online-Anbieter hatte 71 der 100 Titel im Sortiment, das war laut Stiftung Warentest der höchste Wert, ein anderer Dienst kam dagegen nur auf sieben von 100. Interessant auch das Resultat, wonach die VoDs auf Basis Einzelabruf viele aktuelle Filme verfügbar haben, die bei den Abo-VoDs oft fehlen. Bei Serien fällt das Ergebnis vergleichbar aus. Der Anbieter mit dem größten Leih-Repertoire hat nur ein Viertel verfügbar, besser wird es, wenn die Serien gekauft statt nur geliehen werden können, dann steigt der Wert auf die Hälfte der Serien, die die Tester suchten.

Der Test der Online-Videotheken hat bei VoDs Ärger verursacht. Netflix beispielsweise betont in einer Pressemitteilung, „SVoD-Angebote klassischen Videotheken gegenüberzusetzen, ist ein Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen“. Netflix sei kein Ersatz für stationäre Videotheken. Dieser Dienst unterscheide sich fundamental durch das breite Angebot an Eigenproduktionen, sie seien auch der Hauptgrund fürs Netflix-Abo.

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