Organspende-Drama mit Annette Frier : Bei Anruf Leber

In einem Organspender-Drama auf Sat1 zeigt Annette Frier, dass sie mehr kann, als nur witzig zu sein. Und einen Organspendeausweis hat sie auch.

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Vor der OP. Dr. Hellweg (Annette Frier) und Frank (Valentino Fortuzzi).
Vor der OP. Dr. Hellweg (Annette Frier) und Frank (Valentino Fortuzzi).Foto: obs

Eine Frau kippt auf der Straße um. Notarztwagen, Krankenhaus, Untersuchung im MRT, Hirntod. Die Ärzte in der Klinik sagen ihrem Mann, dass nichts mehr ausgerichtet werden kann. Und fragen, ob sie der Frau Organe zur Spende entnehmen dürfen. Entsetzter Blick des Mannes: „Bitte, nein, jetzt doch nicht!“ Dabei müsste alles ganz schnell gehen. Papiere, eine Unterschrift. Minuten später plumpst eine Leber in einen Plastikbeutel. Parallel dazu klingeln mitten in der Nacht die Telefone, in der Familie des lebergeschädigten Jugendlichen Frank (Valentino Fortuzzi) und in der Klinik, wo Ärztin Dr. Hellweg (Annette Frier) ein Nickerchen hält. Bereitmachen zur OP.

Ungewöhnliche Tonart, wichtiges Thema, Dienstagabend in der  Sat1-Fiction, wo es sonst eher um Seichteres geht. Schon die ersten Szenen des Organspender-Dramas „Zwei Leben. Eine Hoffnung“ werfen existenzielle Fragen auf: Was ist ein Mensch bereit, für einen anderen zu geben? Das muss sich auch Frank fragen, der in der Klinik, fast auf dem OP-Tisch liegend, vergebens auf die eingangs verheißene Spenderleber wartet. Der Wagen mit dem transplantierten Organ verunglückt auf dem Weg in die Klinik (wobei man sich fragt, ob der Wagen so schnell fahren muss).

Der 17-Jährige steht seit Jahren auf der Warteliste für eine Spenderleber. Nun freundet sich Frank in der Klinik auch mit der kosovarischen Asylbewerberin Dafina (Barbara Prakopenka) an. Sie ist wie er auf eine Spenderleber angewiesen und von gelbstichiger Haut gezeichnet. Wer das Organ bekommt, darauf haben sie keinen unmittelbaren Einfluss. Ob eine Leber für einen Flüchtling genauso wichtig ist wie für einen seit Jahren auf einer Spenderliste stehenden jungen Deutschen, das ist immerhin mal eine heikle Frage, die Drehbuchautor Benedikt Röskau zu stellen wagt.

Gerade einmal 877 Organspender gab es 2015 bundesweit

Fakt ist: Mit der – auch musikalisch – teils reichlich überspitzten Geschichte von Frank, Dafina und Ärztin Hellweg führt Sat1 einem breiten Publikum ein Thema vor Augen, das sonst ebenso wie der unausgefüllte Organspendeausweis beiseitegeschoben wird. Gerade einmal 877 Organspender gab es 2015 bundesweit, transplantiert werden konnten rund 3000 Organe, bei mehr als 10 000 wartenden Patienten. Der Skandal um manipulierte Wartelisten wirkt noch immer nach. Zur besten Sendezeit geht es um das Warten auf ein Organ. Oder den Tod. Um den schmalen Grat, auf dem sich Ärzte zuweilen bewegen, und um Situationen, in denen auch sie machtlos sind.

Annette Frier spielt das grandios. Als „Danni Lowinski“ war sie Fernsehliebling, für kesses Mundwerk bekannt. Hier zeigt die 42-Jährige als zwischen gesetzlicher Regelung und Gewissensbissen schwankende Transplantationschirurgin, dass sie mehr drauf hat, als „nur“ witzig zu sein. Und einen Organspendeausweis hat sie auch.


„Zwei Leben. Eine Hoffnung“, Dienstag, Sat1, 20 Uhr 15

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