Ostalgie-TV : Grenzer Ost geht in den Westen

Darf man über den untergegangenen Arbeiter- und Bauernstaat laut lachen? „Sedwitz“, eine deutsch-deutsche Posse

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Thorsten Merten als "Ralle"
Thorsten Merten als "Ralle"Foto: dpa

Wer an diesem Donnerstag in der ARD „Sedwitz“ eingeschaltet hat, der wird sagen: Man muss es sogar. Die sechsteilige Comedy zeigt in fortgesetzter Tradition von Ostalgie-Krachern wie „Goodbye Lenin“ die lustige Seite der DDR.

„Ich mache mir ernsthaft Sorgen, dass niemand mehr diese Grenze ernst nimmt“, klagt der sozialistische Grenzpolizist Major Neubert (Olaf Burmeister) zu Beginn. „Wir brauchen mehr Ernst.“ Die neue ARD-Serie tut ihm den Gefallen nicht. „Sedwitz“ ist ein fiktives Dorf an der fränkisch-thüringischen Grenze und hat „26 Einwohner West“ und „23 Einwohner Ost“. Das rührt daher, dass der Ort nach Ost und West geteilt ist. Und dort – wir schreiben das Jahr 1988 – verrichtet Ralf „Ralle“ Pietzsch (Thorsten Merten) seinen Dienst an der Grenze. Den Klassenfeind hat er fast immer im Blick, aber eben nur fast immer. Zuweilen ist der Feind unsichtbar, dafür wackelt der westdeutsche Polizeibulli verdächtig rhythmisch. Auch über den Westen darf gelacht werden.

Das Urteil von Ralles Vorgesetztem Major Neubert über den West-Grenzer „Hubsi“ (Stefan Zinner) ist klar und hart: “Was für ein pflichtvergessenes, moralisch verkommenes Subjekt.“ Plötzlich und unerwartet erfährt das Leben von Grenzoffizier Ralle eine Wende. Veteran Atze Stahlmann (Hansjürgen Hürrig) vertraut ihm im Sterben den Schlüssel zu einem Geheimgang an, der direkt aus einem Trafo-Häuschen in den Westen führt. Die Gelegenheit für Ralle, seinem Sohn Ole zum Geburtstag den begehrten Zauberwürfel zu besorgen. Auch als Trostpflaster, das Leben in der zwischendeutschen Sperrzone ist öde. Bei seinem ersten Ausflug in die BRD ist es West-Grenzer Hubsi, der ihn als Anhalter mitnimmt.

„Sedwitz“, ARD, Donnerstag, um 23 Uhr 30

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