"Panama Papers" : Wer steckt hinter den Rechercheverbünden?

Rechercheverbünde liegen in einer sich rasant verändernden Medienlandschaft im Trend. "SZ", WDR und NDR haben mit den Steueroasen einen Scoop gelandet.

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Mit Lupe und Internet alleine macht sich kaum ein Journalist mehr an die Arbeit. „Recherchezentren“ sollen helfen.
Mit Lupe und Internet alleine macht sich kaum ein Journalist mehr an die Arbeit. „Recherchezentren“ sollen helfen.Foto: picture alliance /dpa

Wenn jemand die größte investigative Recherche aller Zeiten vorlegt, wie jetzt dieser Rechercheverbund aus WDR, NDR und „Süddeutscher Zeitung“ (SZ) in Zusammenarbeit mit dem internationalen Journalistenkonsortium ICIJ über die Offshore-Konten der panamaischen Kanzlei, – dann fragt sich auch, wer dieser jemand ist. Wer steckt dahinter? Wie kommt es zu der im Grunde ungewöhnlichen Zusammenarbeit von privat finanzierten mit öffentlich-rechtlichen, aus Gebührengeldern finanzierten Medien? Und: Was machen vergleichbare Rechercheverbünde in Deutschland?

Den Rechercheverbund NDR, WDR und „SZ“ gibt es seit Anfang 2014. Ein Zusammenschluss dreier Investigativ-Abteilungen, geleitet vom Ex-Spiegel“-Chef Georg Mascolo. Er wird regelmäßig in den Nachrichtensendungen, unter anderem in der „Tagesschau“, zitiert. Neben Kosteneinsparungen soll auch die Schnelligkeit der Recherche gesteigert werden. Das klingt plausibel, ist medienrechtlich aber nicht ganz unbedenklich. Vor einem Jahr reichte der Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) Rechtsaufsichtsbeschwerde gegen den Rechercheverbund ein. Sie werfen dem Verbund Wettbewerbsverzerrung zugunsten der „Süddeutschen Zeitung“ vor. Außerdem seien die Aktivitäten der ARD-Anstalten vom öffentlich-rechtlichen Funktionsauftrag nicht gedeckt.

Immer wieder taucht die Frage auf: Wenn das Privatunternehmen „SZ“ von der Arbeit öffentlich-rechtlicher Rundfunksender profitiert, auch durch Zugriff auf den öffentlich-rechtlichen Korrespondentenpool, ist das dann nicht eine verdeckte Subvention durch den Gebührenzahler? In einem „Cicero“-Artikel aus 2014 wird der jetzige „SZ“-Chefredakteur Wolfgang Krach zitiert: „Wir erhalten kein Geld vom NDR und der auch nicht von uns.“ Weder gebe es einen gemeinsamen Etat noch sei dieser notwendig, wenn man sich besser vernetzen wolle, sagte damals ein NDR-Sprecher.

Für den Kölner Medienrechtler Thomas Wierny stellt sich die Sache mit dem Investigativ-Trio nicht ganz so unkompliziert dar, auch wenn mit dem im Februar verabschiedeten WDR-Gesetz die Kooperationen des WDR mit anderen Medienhäusern geregelt werden sollen. Im Gesetzentwurf wurde der Paragraf über die Zusammenarbeit mit anderen Rundfunkanstalten deutlich erweitert, er fasst jetzt Kooperationen mit „Dritten“ ein.

WDR-Gesetz: Man darf gespannt sein, wie die Richtlinien aussehen werden

„Durch diese Regelung werde der WDR angehalten, mögliche Einschränkungen der Meinungsvielfalt zu beachten und die Ziele dieses Grundprinzips nicht aus den Augen zu verlieren. Wie das im Einzelnen geschehen soll, wird der WDR in entsprechenden Richtlinien festlegen, die auch veröffentlicht werden müssen. Man darf gespannt sein, wie diese aussehen werden“, sagt Wierny.

Geld fließe nach Angaben der Beteiligten im Rechercheverbund nicht. Vielmehr solle sich die Zusammenarbeit als mehr oder minder zufälliges Ergebnis des generellen Usus unter Journalisten ergeben, sich gegebenenfalls gegenseitig zu informieren und von Projekt zu Projekt mit verschiedenen Partnern zusammenzuarbeiten. Nicht unterschlagen dürfe man aber, dass die beteiligten öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zu Beginn des Projektes selbst von einem „Verbund“ und einem „Beitritt“ zu diesem gesprochen haben. "Das Wording änderte sich auf Seiten des WDR mit zunehmender Kritik."

Eine solche Verfestigung wäre wiederum bei Beteiligung der Anstalten nicht ganz unproblematisch, so der Medienrechtler weiter. "Zwar dürfen diese nicht zuletzt aufgrund der Rundfunkfreiheit selbstverständlich mit Akteuren außerhalb der Häuser zusammenarbeiten, wenn sie dies für die Erfüllung ihres Auftrags für erforderlich erachten. Und sicher bietet sich zu bestimmten Themen auch immer wieder die Zusammenarbeit mit bestimmten Redaktionen und Redakteuren an." Ginge es aber um die Verarbeitung von Rechercheergebnissen, die nicht spezielles Fachwissen erfordern, so müssten die Anstalten auch mal „durchwechseln“. meint Wierny.

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