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Passend gemacht II : Auch der NDR manipulierte Rankings

Nach dem ZDF gesteht auch der ARD-Sender Drehungen und Wendungen bei Unterhaltungssendungen in TV und Radio.

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Loki statt Loriot: In der Sendung „Die bedeutendsten Norddeutschen“ wurde im Oktober 2011 Loki Schmidt anstelle von Loriot auf Platz acht genannt. Foto: dpa
Loki statt Loriot: In der Sendung „Die bedeutendsten Norddeutschen“ wurde im Oktober 2011 Loki Schmidt anstelle von Loriot auf...Foto: picture-alliance/ dpa

Nach dem ZDF-Skandal um manipulierte Ranking-Listen ist jetzt der NDR dran. „Bei einigen Unterhaltungssendungen im NDR-Fernsehen, die auf nicht repräsentativen Online-Votings basierten, haben Redaktionen aus unterschiedlichen Gründen Rangfolgen verändert, ohne dies transparent zu machen“, teilte der ARD-Sender am Freitag mit. Seit 2011 seien in neun von 58 Produktionen die Rankings manipuliert worden. Als Ursachen wurden fehlende Bildrechte, schlechte Materiallage oder dramaturgische Gründe genannt.

Die betroffenen Sendungen wie beispielsweise „Die schönsten Gärten und Parks des Nordens“ waren Zusammenschnitte und bis auf eine Ausnahme nicht moderiert. Außerdem hätten Redaktionen von Musik-Hitparaden („Top 30“/N-Joy , „Hitmarathon“/NDR 1 Radio MV) in zwei Radioprogrammen in solchen Fällen einzelne Voten relativiert, wenn diese offenbar von außen manipuliert worden seien. „Dabei wurde versäumt, dies im Programm kenntlich zu machen. Es handelte sich in allen Fällen um Unterhaltungssendungen.“

Laut NDR sind bei Rankings weder im Fernsehen noch im Radio repräsentative Umfragen verwendet worden. Produktionen, die der Sender für das ARD-Programm produziert, seien nicht betroffen. In keinem Fall wurden Protagonisten des NDR bevorzugt. Der NDR hatte die interne Untersuchung nach Medienberichten über die Manipulationen im ZDF („Deutschlands Beste!“) veranlasst.

NDR-Intendant Lutz Marmor sagte, er halte die festgestellten Fälle für nicht hinnehmbar, „vor allem auch weil sie nicht transparent gemacht wurden, selbst wenn sie im Einzelfall in ihrer Tragweite überschaubar erscheinen mögen. Wir werden zukünftig alles dafür tun, selbst geringfügige Abweichungen zu vermeiden und offen darzulegen, wenn sie im Ausnahmefall redaktionell geboten sind“. Deshalb habe der Sender vorläufige Leitlinien für Online-Votings entwickelt, die noch mit den Gremien beraten würden. Von personellen Konsequenzen wie beim ZDF,- dort musste Showchef Oliver Fuchs gehen, zwei Redakteurinnen wurden
abgemahnt - sprach Marmor nicht.

In den Jahren 2013 und 2014 hat der NDR nach eigenen Angaben insgesamt 30 Rankings im Fernsehen als Erstsendungen produziert. 2014 gab es in keiner Erstsendung Abweichungen zum Online-Voting, 2013 waren es zwei. Bei der Sendung „Die schönsten Gärten und Parks des Nordens“ im Dezember 2013 wurde der Elftplatzierte („Planten un Blomen“, 81 Clicks) auf Rang zehn vorgezogen, auf dem tatsächlich der Rhododendronpark Ammerland (88 Clicks) gelandet war. Grund dafür: Für „Planten un Blomen“ stand besseres Bildmaterial zur Verfügung. Die einzige moderierte Ranking-Show war laut NDR die „Top Flops Gala 2013“. Die Zuschauerinnen und Zuschauer konnten in einem Voting über die Vorauswahl der schönsten Fernsehpannen und Versprecher des Jahres entscheiden. Die Schlussauswahl traf die Redaktion, was in der Moderation jedoch nicht gesagt wurde.

2011 und 2012 gab es bei Online-Votings im NDR Fernsehen ebenfalls Abweichungen. So wurde in der Langfassung des Rankings „Die bedeutendsten Norddeutschen“ Platz acht der ein Jahr zuvor ausgestrahlten Kurzfassung geändert und dort Loriot durch Loki Schmidt ersetzt. Der Grund lag in fehlenden Senderechten für die verwendeten Loriot-Ausschnitte. In „Die spektakulärsten Rücktritte“ (Dezember 2011) setzte die Redaktion zwei eigentlich herausgefallene Ausschnitte auf die beiden vorletzten Plätze, weil gutes Filmmaterial vorlag. Insgesamt habe es 2011 und 2012 bei 26 Erstsendungen von Ranking-Formaten im NDR Fernsehen sieben Abweichungen gegeben.

Der Journalisten-Verband DJV sieht angesichts der jüngsten Fälle Glaubwürdigkeit gefährdet. „Der aktuelle Fall beim NDR zeigt einmal mehr, dass Medien Votings oder andere Formen der Zuschauerbeteiligung ernster
nehmen müssen. Sonst verspielen sie die Glaubwürdigkeit bei den Zuschauern“, sagte Sprecher Hendrik Zörner.

"Keine Manipulationen beim RBB"

Beim Rundfunk Berlin-Brandenburg hat es nach derzeitigem Stand keine Manipulationen gegeben. "Im RBB gibt es mit ,Die 30 Favoriten' nur ein Format mit Rankings", sagte RBB-Sprecher Justus Demmer dem Tagesspiegel. Nach den Vorfällen im ZDF habe der Sender bei der Redaktion nachgefragt, ob es zu Verschiebungen in den Rankings gekommen sei. "Dies wurde von der Redaktion mit Nein beantwortet", so Demmer. In der Ranking-Sendung des RBB gibt die Redaktion Vorschläge vor, die online von den Zuschauern mit Sternchen bewertet werden können. Daraus ergibt sich dann die Rangfolge.

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