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Peinlich oder höflich? : ZDF-Journalist singt Merkel "Happy Birthday"-Ständchen

Nächtliche Pressekonferenz in Brüssel. Überschwänglich gratuliert ZDF-Journalist Udo van Kampen Kanzlerin Angela Merkel zum 60. Geburtstag. Zeigt das zu viel Nähe zur Politik?

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Milde lächelt Bundeskanzlerin Angela Merkel über das Geburtstagsständchen des ZDF-Journalisten Udo van Kampen.
Milde lächelt Bundeskanzlerin Angela Merkel über das Geburtstagsständchen des ZDF-Journalisten Udo van Kampen.Screenshot: Tsp

Es ist kurz nach Mitternacht, Angela Merkel ist gerade 60. geworden, auf dem Brüsseler EU-Gipfel hat sie über Spitzenposten verhandelt und will auf der anschließenden Pressekonferenz über die Ergebnisse berichten. Doch vorher will ihr ZDF-Korrespondent Udo van Kampen auf besondere Weise zum Geburtstag gratulieren - eine Idee, von der nicht nur die Kanzlerin peinlich berührt wirkt.

Wollte höflich sein: ZDF-Korrespondent Udo van Kampen gratulierte Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Geburtstag.
Wollte höflich sein: ZDF-Korrespondent Udo van Kampen gratulierte Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Geburtstag.Foto: ZDF

"Vor der ersten Frage, und ich glaube, ich spreche hier im Namen aller des Brüsseler Pressecorps, möchten wir Ihnen ganz, ganz herzlich zum Geburtstag gratulieren und wünschen ihnen alles Liebe, Gute, Gesundheit, viel Erfolg für die Zukunft", eröffnet von Kampen überschwänglich die Konferenz, wie in einer Aufnahme des Senders BBC zu sehen ist, und dabei will er es noch nicht belassen: "Und wenn Sie mutig sind, sind wir auch bereit, Ihnen ein kleines Ständchen zu singen und deswegen stimme ich das jetzt einfach mal an: Eins, zwei, drei."

"Happy Birthday, liebe Bundeskanzlerin."

Doch offensichtlich hat van Kampen ganz und gar nicht im Namen des gesamten Pressecorps gesprochen. Die Kollegen scheinen so viel Herzlichkeit und Nähe zur Bundeskanzlerin für nicht vereinbar zu halten mit ihrer Aufgabe als kritische Journalisten. Und so muss van Kampen weitestgehend alleine vor sich hinträllern: "Happy Birthday, liebe Bundeskanzlerin."

Angela Merkel lächelt eher verlegen, van Kampen zeigt sich enttäuscht: "Ach ne, Sie waren wohl doch nicht so stimmgewaltig, wie ich dachte", sagt er zu seinen Kollegen. "Hätt' ich mitsingen müssen, ne? Dann wär's besser geworden", versucht die Bundeskanzlerin die Situation zu retten. Aber da ist es für van Kampen schon zu spät, die Blamage perfekt.

Am Donnerstag gestand er zähneknirschend ein: „Im bierernsten Brüssel können Stimmungskanonen schon mal nach hinten losgehen. Nach dieser langen Nacht werde ich ganz sicher nicht mehr auf Pressekonferenzen singen, sondern wie gewohnt gleich die kritischen Fragen stellen.“ Sonja Álvarez

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