Portal für Medienerziehung "Flimmo" : Was Kinder im TV nicht schauen sollen

Medienpädagogen warnen vor TV-Formaten wie "Dschungelcamp", "DSDS" und "Germany's Next Topmodel". Der Sender RTL sagt dazu: „Wir setzen auf die Verantwortung der Eltern ".

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Bei der Castingshow "Deutschland sucht den Superstar" werden die Kandidaten mit harten Jury-Urteilen konfrontiert.
Bei der Castingshow "Deutschland sucht den Superstar" werden die Kandidaten mit harten Jury-Urteilen konfrontiert.Foto: RTL / Stefan Gregorowius

"Flimmo", das Portal für Medienerziehung, hat eine "Giftliste" erstellt, genauer, eine Liste der Fernsehsendungen, die Kinder von drei bis 13 Jahren nicht geeignet sind. „Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!“, das "Dschungelcamp" von RTL ist auch drauf. „Der Zuschauer wird zum Voyeur gemacht, Häme und Schadenfreude sind die wesentlichen Bestandteile der Sendung. Wie Menschen hier in gefährlichen, peinlichen und ekligen Situationen bloßgestellt werden, vermittelt ein fragwürdiges Menschenbild", heißt es auf der "Flimmo“-Homepage.

Der Privatsender reagierte und sagte der dpa: „RTL ist sich seiner besonderen Verantwortung als Programmanbieter bewusst. Alle genannten Formate durchlaufen eine permanente interne vorherige Kontrolle durch unseren internen Jugendschutz." Häufig würden bestimmte Sendungen schon im Vorfeld den zuständigen Institutionen zur Freigabe vorgelegt. „Grundsätzlich gilt aber auch: RTL ist kein Kindersender und richtet sich mit seinem Programm vornehmlich an Erwachsene und Jugendliche.“ Für das Kinderprogramm sei der Schwestersender Super RTL zuständig. „Wir setzen auf die Verantwortung der Eltern über das TV-Programm ihrer Kinder zu entscheiden.“

"DSDS" ebenso in der Kritik


Doch nicht nur mit dem Dschungelcamp geht „Flimmo“ hart ins Gericht. Auch an den RTL-Formaten „Deutschland sucht den Superstar („DSDS“) und „Der Bachelor“ gibt es Kritik: „Verunglückte Auftritte talentfreier Kandidaten werden ausgeschlachtet“, bemängeln die Medienpädagogen an der „DSDS“-Castingshow mit Dieter Bohlen. „Die Sendung vermittelt vor allem eine Botschaft: Um Erfolg zu haben, muss man bereit sein, sich dem Werturteil einer höheren Instanz zu unterwerfen. Individualität, Kreativität und kritisches Denken bleiben dabei auf der Strecke.“

Beim ebenfalls von RTL gezeigten „Bachelor“ buhlen junge Frauen um einen Mann; „Flimmo“ kritisiert daran, Vorstellungen von Liebe und Beziehung seien "aus pädagogischer Sicht haarsträubend“. „Die Kandidatinnen bieten sich ihrem Märchenprinzen an, um endlich ihre Erfüllung zu finden. Dabei sind Äußerlichkeiten ausschlaggebend: Attraktiv, sexy und anschmiegsam müssen die Kandidatinnen sein.“ Außerdem werde der „Zickenkrieg“ als typisch weibliches Verhalten in Szene gesetzt.
Kritik gibt es auch an Heidi Klums „Germany's Next Topmodel“ auf ProSieben. Dabei werde ein „Frauenbild von vorgestern“ verbreitet. „Das Ideal vom makellosen Körper und von bedingungsloser Anpassung ist für junge Zuschauer doppelt problematisch: Statt selbstbewusst die eigene Individualität samt körperlicher Eigenheiten zu akzeptieren, wird ein mediales Schönheitsideal zur Messlatte.“

Das Fazit der Medienpädagogen: „Jüngeren Kindern bis etwa Ende des Grundschulalters sollten solche Sendungen am besten erspart bleiben.“ (mit dpa)

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