Porträt : Der öffentliche Kranke
06.02.2012 16:54 UhrAssauer war ein Sinnbild für Männlichkeit, dem Schwäche fremd ist
Andere prominente Sportler sind ähnliche Wege gegangen. Der Fußballer Sebastian Deisler litt unter schweren Depressionen, als er seine Karriere im Alter von 27 Jahren beendete. Erst mit dem Buch „Sebastian Deisler. Zurück ins Leben“ von Tagesspiegel-Redakteur Michael Rosentritt gelang es Deisler, sich der Welt zu erklären. Das Interesse an solchen Erklärungen ist gewaltig: Rudi Assauers Autobiografie „Wie ausgewechselt: Verblassende Erinnerungen an mein Leben“, die er mit dem Journalist Patrick Strasser verfasst hat, gelangte in der Sachbuch-Top-Ten von media control auf Anhieb auf Platz zwei. Das ZDF hatte die Ausstrahlung der Reportage wegen der Buchveröffentlichung um vier Wochen vorgezogen.
Viele Menschen verdrängen Krankheiten wie Alzheimer erfolgreich, auch Assauer hat dies getan, obwohl seine Mutter und sein älterer Bruder ebenfalls an Demenz erkrankten. Und wie bei Deisler schreckt das Schicksal eines Prominenten die Öffentlichkeit und die Medien auf. Von „Stern“ über „FAZ“ bis „Bams“ scheint es nur noch ein Thema zu geben. Rudi Assauer war weit über Fußballerkreise hinaus ein Sinnbild für Männlichkeit, dem Schwäche fremd ist. Mit diesem Bild hat er es bis zur Werbe-Ikone geschafft, zusammen mit seiner damaligen Lebensgefährtin Simone Thomalla.
Einige Sequenzen hat Schmidt bewusst nicht in die endgültige Fassung des Films aufgenommen. Um nicht zu viele Momente der Schwäche zu zeigen. Allerdings sind 30 Minuten ohnehin sehr knapp bemessen, um eine so schillernde Figur und eine so erschreckende Krankheit mehr als nur anzureißen. Bei einem Gespräch mit seinem Therapeuten kommt Assauer bei Jahreszahl und Wochentag ins Straucheln, die Stunden der Uhr in einen Kreis einzuzeichnen misslingt auf beinahe abenteuerliche Weise.
Schmidt war es wichtig, dem Bedrückenden etwas Positives entgegenzusetzen: wie Rudi Assauer immer noch gut Tipp-Kick spielt. Oder wie sich die Menschen in seinem Umfeld um ihn kümmern. Und dass die Fans vor „seinem“ Stadion „Ruudi“ rufen und sich darum reißen, mit ihm auf ein Foto zu kommen.
„Rudi Assauer – ich will mich nicht vergessen“, ZDF, 23 Uhr 15







