Porträt : Guter Gewinner

Ex-Handballprofi Alexander Bommes lächelt sich als smarter Moderator durch Sport, Politik und Show. Mit vorbereiteten Gags kann er nichts anfangen.

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Schon wieder in England. Alexander Bommes, 36, moderiert fürs Erste. Foto: NDR
Schon wieder in England. Alexander Bommes, 36, moderiert fürs Erste. Foto: NDRFoto: WDR/Herby Sachs

An Sportmoderatoren und -kommentatoren scheiden sich die Geister. Toll, zu trocken, zu kess, zu unwissend, zu selbstverliebt, recht machen kann es einem jedenfalls kaum ein Moderator, auch nicht bei der jüngsten Olympia-Berichterstattung von ARD und ZDF. So richtig auffällig war da nur dieser Neue: Alexander Bommes. Das war der Mann mit dem jungenhaften Schmunzeln, der seit einigen Monaten die Sonntags-„Sportschau“ moderiert und in London nun das zweifelhafte Vergnügen hatte, zehn Stunden am Tag Nachrichten vorzulesen, das „Olympia-Telegramm“. Manchmal musste sich Bommes dabei auch noch von seinem Kollegen, dem Moderator Michael Antwerpes, im Studio anfrotzeln lassen.

Das wird Bommes bei den heute startenden Paralympics nicht passieren. Dort ist der 36-Jährige Hauptmoderator, also nach gerade mal zwei Wochen Pause schon wieder im Großeinsatz in London. Ohne Antwerpes. Und überhaupt. Der ältere routinierte Kollege war beim Übergang im Studio gar nicht frotzelig. „Das ist nicht so gewesen, wie es wohl über den Bildschirm gekommen ist. Wir haben ein ausgezeichnetes Verhältnis.“ Nichts war abgesprochen.

Man gönnt sich ja sonst nichts. Bommes gilt als moderierende Allzweckwaffe im NDR, mit Sicherheit bald auch im Ersten. Wobei das mit der „Allzweckwaffe“ gar nicht so negativ gemeint ist wie bei einigen Kollegen seines Fachs, von anderen öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern. Der Hamburger präsentiert seit 2008 die Nachrichten im „Hamburg Journal“ des NDR, die Pannenshow „tops und flops“, die Quizshow „Gefragt – Gejagt“ und ist für die ARD als Sportreporter im Einsatz, sein Kerngeschäft. Jetzt bei den Paralympics, vor allem aber im Moderationsteam der Sonntags-„Sportschau“: im Wechsel mit Okka Gundel, Antwerpes und Ralf Scholt sowie dem zweiten Neuzugang René Kindermann.

Frische Gesichter. Manch’ Kritiker stört sich an eben diesem süffisanten Schwiegersohn-Schmunzeln, mit dem Alexander Bommes seine Nachrichten oder Moderation gelegentlich vorträgt. Wiederum andere würden ihm gerne gleich die große Samstags-„Sportschau“ mit der Fußball-Bundesliga andienen. Bommes winkt ab. „Bei mir ist ein Plan, der eigentlich gar nicht so richtig da war, aufgegangen.“ Bis 27 war er Handballprofi, spielte für den VfL Gummersbach in der Bundesliga, dazu Jura-Studium, Staatsexamen, spätes NDR-Volontariat mit 30. Normalerweise wird es da schwer mit der TV-Karriere. Dann ging alles schnell. Und nun? Lust auf Samstags-„Sportschau“? „Wie sagen meine Gäste beim NDR-,Sportclub‘: Ich denke von Spiel zu Spiel.“ Die Frage stelle sich zurzeit nicht.

Die Frage nach dem richtigen Ton schon öfter. Das ist ja Mode geworden unter Sportmoderatoren und Kommentatoren, diese Wortspielereien und Witzchen à la Delling oder Opdenhövel. Bommes ist als Fußballfan mit Heribert Faßbender und Gerd Rubenbauer bei der WM 1990 groß geworden. „Das war eine recht trockene Angelegenheit. Da wurde anders, vielleicht auch zurückhaltender kommentiert.“ Er mache als Moderator gerne mal eine kleine Spitze. „Es wird dann grenzwertig, wenn du weißt, da hat sich einer acht Gags notiert, die will er loswerden.“

Grenzwertig ist eine Eigenschaft, die der gebürtige Kieler und HSV-Sympathisant mit Beendigung seiner aktiven Handball-Karriere weitestgehend abgelegt hat – auch zum Wohl seines dreijährigen Sohnes und der Freundin, der Moderatorin Julia Westlake. „Ich war ein sehr schlechter Verlierer.“ Markus Ehrenberg

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