Presse : Axel Springer Verlag wird neu getaktet

Vor zehn Jahren wurden "Welt" und "Berliner Morgenpost" in einem gemeinsamen Newsroom vereint, jetzt sollen die beiden Zeitungen wieder verstärkt eigene Wege gehen.

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In einem gemeinsamen Newsroom sind „Welt“ und „Berliner Morgenpost“ bisher produziert worden.
In einem gemeinsamen Newsroom sind „Welt“ und „Berliner Morgenpost“ bisher produziert worden.Foto: picture-alliance/ dpa

Was der Axel Springer Verlag verbunden hat, das wird er nun wieder trennen. Zumindest räumlich. Nachdem "Welt" und "Berliner Morgenpost" zehn Jahre lang in einem gemeinsamen Newsroom produziert wurden, sollen die Redaktionen offenbar künftig wieder in zwei separaten Räumen arbeiten, sich aber in einem virtuellen Newsroom austauschen. Ziel der Umstrukturierung ist, die Profile der "Marken in den unterschiedlichen Wettbewerbsumfeldern" zu schärfen, sagte "Morgenpost"-Chefredakteur Carsten Erdmann. So will die "Welt“ künftig ihrem Internetauftritt Welt Online Priorität einräumen und sich so mehr virtualisieren, die "Morgenpost" soll sich mehr regionalisieren und so besser auf dem Berliner Zeitungsmarkt positionieren. Peu à peu sollen die neuen Strukturen umgesetzt werden, die für die Redaktion teilweise einen Kulturwandel bedeuten.

„Künftig wird das Digitale den Takt in unserer Redaktion vorgeben“, sagte Jan-Eric Peters, Chefredakteur "Welt"-Gruppe, zu der auch die "Welt kompakt", die "Welt am Sonntag" und Welt-Online gehören. Die Online-Redaktion bildet damit fortan das Herz der Redaktion, Geschichten sollen ihren Weg erst auf die Website und dann ins Blatt finden, heißt es. Die "Welt"-Gruppe zeigt damit, dass sie ihre Zukunft eher im digitalen Bereich sieht. Während die Website kontinuierlich mehr Besuche verzeichnet und im Dezember laut IVW auf knapp 37 Millionen Visits kam, erlitten die Printversionen von "Welt" und "Welt kompakt" im vierten Quartal 2011 Verluste bei den Abonnenten und im Einzelverkauf. 147.000 Exemplare wurden von montags bis freitags "hart" verkauft, im Vorjahresquartal waren es noch knapp 151.000 Stück.

Die "Morgenpost" steigerte zwar ihren Einzelverkauf inklusive Sonntagsausgabe im vergangenen Quartal leicht, verlor jedoch bei den Abonnenten und kam im "harten" Verkauf auf 93.000 Stück, im Vorjahresquartal waren es noch 95.000 Exemplare. Diesem Verlust will die "Morgenpost" einen mehr auf regionale Themen konzentrierten Auftritt entgegensetzen. Die Redaktion, die in der Zusammenarbeit mit der "Welt" bisher eher am Ende der Nahrungskette zu stehen schien, dürfte sich dadurch gestärkt fühlen. Dazu trägt auch die Erweiterung der Chefredaktion um Sandra Garbers und Christine Richter bei.

Die Zeitungen sind aber weiterhin in einer gemeinsamen Gruppe vereint, auch der gemeinsame Autorenpool soll erhalten bleiben.

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