Print rules : Wer wissen will, liest

Weltweit werden immer mehr Zeitungen verkauft. Mittlerer Osten, Nordafrika und Asien liegen vorne.

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Wie viele Abgesänge auf die gedruckte Zeitung bereits gesungen wurden, ist kaum zu zählen. Dabei wird sie von so vielen Menschen wie nie zuvor gelesen – zumindest weltweit betrachtet: 512 Millionen Exemplare sind 2011 pro Erscheinungstag verkauft, das sind noch einmal 1,1, Prozent mehr als im Vorjahr, wie der Weltzeitungsverband WAN-IFRA am Montag auf seinem Jahreskongress im ukrainischen Kiew bekannt gab.

Zu verdanken ist dieses Auflagenplus vor allem dem Mittleren Osten und Nordafrika mit einem Anstieg von 4,8 Prozent sowie Asien mit einem Zuwachs von 3,5 Prozent. Hier wollen die Menschen nicht nur über politische Umbrüche Bescheid wissen. Dank der wirtschaftlichen Entwicklung wächst auch das Bildungsniveau und damit der Informationsbedarf. So gehört die „Times of India“ beispielsweise mit 4,1 Millionen Exemplare zu den auflagenstärksten Zeitungen der Welt – und ihre Auflage wächst kontinuierlich.

Doch auch in asiatischen Ländern wie Japan, einer Wirtschaftsmacht, in der ein Großteil der Bevölkerung das Internet nutzt, wird weiterhin Zeitung gelesen. Mit einer täglichen Auflage von 9,97 Millionen Exemplaren ist „Yomiuri Shimbun“ weltweit Rekordhalter, gefolgt von „Asahi Shimbun“ mit 7,9 Millionen Stück. Beide Zeitungen verzeichneten zuletzt jedoch ein Auflagenminus.

Im Vergleich: Die „Bild“ schaffte es unter den weltweit am meisten verkauften Zeitungen auf Platz sechs, derzeit kommt sie auf 2,75 Millionen Exemplare. Doch auch ihre verkaufte Auflage schrumpft, womit sie die Entwicklung in Europa widerspiegelt: Um 3,5 Prozent sank hier die Auflage der Zeitungen insgesamt, in Nordamerika um vier Prozent.

Insgesamt aber wächst nach Angaben des Verbands nicht nur die verkaufte Auflage der Zeitungen weltweit, sondern auch ihre Reichweite: 2,5 Milliarden Menschen greifen demnach mindestens einmal pro Woche zur gedruckten, mehr als 600 Millionen Menschen zur digitalen Ausgabe. „Diese Fakten zeigen: Zeitungen gehören zur Struktur unserer Gesellschaft“, sagte Larry Kilman, Vize-Chef des Weltzeitungsverbands.

Doch trotz der gestiegenen Reichweite gelinge es den Verlagen der Tagespresse nicht, die Anzeigenerlöse zu steigern. Im Gegenteil. Wurden 2007 nach Erhebungen der WAN-IFRA noch 128 Milliarden US-Dollar eingenommen, sind es 2011 nur 76 Milliarden gewesen. Besonders hart traf es den US-Anzeigenmarkt mit einem Minus von 72 Prozent. „Das Problem ist nicht, dass es an Lesern fehlt“, sagte Kilman, „die Herausforderung ist, ein erfolgreiches Geschäftsmodell für das digitale Zeitalter zu finden.“ Weltweit wird fieberhaft gesucht. Sonja Pohlmann