Privatfunker : Im Rausch von „Germany’s Gold“

Der Lobbyverband VPRT kritisiert die Videothekenpläne von ARD und ZDF. Mit deren gesetzlichem Auftrag habe das nichts mehr zu tun.

Wenn es ums Geld geht, wird der Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) immer hellhörig. Geradezu alarmiert ist die Privatfunk-Lobby, wenn sie eigene Geschäftsfelder von der gebührenfinanzierten Konkurrenz bedroht sieht. „Germany’s Gold“ ist so ein Fall. ARD und ZDF planen unter diesem Namen eine Onlinevideothek mit Start im zweiten Quartal 2012. Gegen Entgelt und/oder werbefinanziert sollen Inhalte wie Filme, Serien, Ratgeber, Kultur auf allen Übertragungswegen abgerufen werden können. Das Kartellamt prüfe noch, sagte VPRT-Präsident Jürgen Doetz, der darauf verwies, dass ein vergleichbares Projekt der privaten Sendergruppen RTL und ProSiebenSat 1 an der Wettbewerbsbehörde gescheitert sei. Sein Verband sehe bei der Video-on-Demand-Plattform „Germany’s Gold“ die Gefahr der Quersubventionierung durch Rundfunkgebühren, zudem könne aus dem gesetzlichen Auftrag von ARD und ZDF diese „kommerzielle Aktivität“ ihrer Tochterunternehmen nicht abgeleitet werden. Klar wurde, dass sich der VPRT viele Modelle auch in Kooperation mit den Öffentlich-Rechtlichen vorstellen kann, doch eines auf keinen Fall: ARD und ZDF dürfen mit Video-on-Demand allein Geld verdienen.

Überhaupt das liebe Geld. Der VPRT freut sich über jeden Rundfunkpolitiker, der ARD und ZDF das Betreiben der sechs Digitalkanäle von EinsExtra bis ZDFneo untersagen will. Gerade bei ZDFneo würden mit „nicht marktkonformen Preisen“ Serien wie „Mad Men“ eingekauft, an denen auch die privaten Programmen größtes Interesse hätten. Doetz erneuerte seine Kritik am Erwerb der Champions-League-Rechte durch das ZDF. Hier seien mit 54 Millionen Euro pro Saison Summen aufgerufen worden, die sich kein Privatsender im Sinne der Refinanzierung leisten könne. Sat 1 hat demnach 38 Millionen Euro pro Spielzeit bezahlt.

Gegen das neue Modell der Haushaltsabgabe ab 2013 hat der VPRT nichts einzuwenden. Auch deswegen nicht, weil mit den dann vielleicht gestiegenen Gebühreneinnahmen die alte VPRT-Forderung nach werbefreien Programmen bei ARD und ZDF neue Schubkraft erhielte. jbh

0 Kommentare

Neuester Kommentar