Quietschen und Prusten : ZDFneo geht mit dem Sexmagazin "Heiß & Fettig" auf Sendung

Thilo Mischke, der Autor von "In 80 Frauen um die Welt", moderiert das Sexmagazin „Heiß & Fettig“ auf ZDFneo. An Vorläufer wie „Liebe Sünde“ oder "Wa(h)re Liebe" kommt die Sendung aber nicht heran.

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Thilo Mischke verspricht ein Sexmagazin, das „Heiß & Fettig“ ist. Tatsächlich ist es gerade mal lauwarm. Foto: Promo
Thilo Mischke verspricht ein Sexmagazin, das „Heiß & Fettig“ ist. Tatsächlich ist es gerade mal lauwarm. Foto: PromoFoto: Jan Haeselich

„Also, ich finde Sex manchmal albern“, sagt Moderator Thilo Mischke gleich zu Anfang. Das ist doch mal ein ehrliches Wort! Wer sich für Sex interessiert, kann an dieser Stelle gleich abschalten. Dabei wäre Paula Lambert, der erste Gast in der neuen Sendung „Heiß & Fettig – Das Sexmagazin“ auf ZDFneo, nicht die schlechteste Gesprächspartnerin. Die Journalistin und Buchautorin schreibt seit acht Jahren eine Sexkolumne für die Männerzeitschrift „GQ“ und kann entspannt und informativ über Sex reden. Aber das geht hier meistens nicht, weil in dieser Sendung (Produktion: Spiegel TV) lieber über das Thema gequietscht und geprustet wird.

In eingespielten Filmen lassen sich zwei lustige junge Männer von einer Domina traktieren, die MTV-Moderatorin Ariane Alter besucht kichernd eine Sexualwissenschaftlerin, es wird über Apps zur Partnersuche für eine Nacht berichtet – ein Vorgang, der angeblich so ähnlich abläuft wie beim Pizzaservice. Da hätte es einige UnTiefen auszuloten gegeben, doch die Themen rauschen nur so durch.

Für wen ist dieser „Sex-Talk“ eigentlich gemacht, für die Mittelalten wie Mischke, Lambert und ihr wohlwollend schmunzelndes Publikum auf der Reeperbahn? Für die älteren Passanten, die ganz am Ende zu „Dirty Talk“ befragt werden und sich verschämt winden? Warum sehen die Filme dann aus, als sollen 20-Jährige das Thema Sex damit weggrinsen?

Thilo Mischke hinterlässt nicht den Eindruck, dass er das Thema Sex spannend findet

Kichern über Sex war schon in den Siebzigern doof. Haben wir die Offenheit, die wir in den Jahren danach hatten, wirklich wieder völlig verlernt? Der Moderator kann dieses Problem jedenfalls nicht lösen. Thilo Mischke hat sich für den Job mit seinem Buch „In 80 Frauen um die Welt“ qualifiziert, in dem er seinen Versuch beschreibt, sich einmal um den Globus zu vögeln. Braver Kerl, der er ist, brach er ab, als ihm seine derzeitige Freundin begegnete. Im Gegensatz zu Lambert macht er nicht den Eindruck, als ob er das Thema Sex spannend findet. Da waren wir mit „Liebe Sünde“ und „Wa(h)re Liebe“ schon mal viel weiter.

Im Anschluss sendet ZDFneo den ersten von drei Teilen der Dokumentation „In deutschen Betten“. Darin berichten ein halbes Dutzend Paare, im eigenen Bett sitzend, über ihre Beziehung. Zwischen Plüschtieren und Zimmerpflanzen fällt hier endlich mal ein ehrliches Wort; weniger über Sex als über Liebe und Intimität. Es ist schon allein deshalb berührend, Leute so freimütig sprechen zu hören, weil es normalerweise die wenigsten tun. Susanna Nieder

„Heiß & Fettig – Das Sexmagazin“, 22 Uhr 15, „In deutschen Betten“, 22 Uhr 45, beide Sendungen auf ZDFneo am Donnerstag.

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