Quiz : Rettet die Million!

Was tun, wenn ein Kandidat die Million gewinnt? Fernsehsender können sich gegen hohe Gewinne in Shows versichern.

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Spendierhosen haben Günther Jauch (links) mit „Wer wird Millionär?“ bei RTL und Jörg Pilawa mit „Rette die Million!“ beim ZDF an. Der Privatsender hat die Gewinne nicht abgesichert, anders das ZDF, da springt die Versicherung ein. Fotos: RTL/ZDF
Spendierhosen haben Günther Jauch (links) mit „Wer wird Millionär?“ bei RTL und Jörg Pilawa mit „Rette die Million!“ beim ZDF an....Foto: dpa

Der mögliche Höchstgewinn bei der neuen ZDF-Show „Rette die Million“ mit Jörg Pilawa hat den Mainzer Sender vorsichtig gemacht. Der Gewinn einer Million kann für das ZDF den Verlust einer Million Gebühren-Euros bedeuten. Es wird die Furcht vor öffentlicher Kritik an einer solchen Gebührenverschwendung gewesen sein, die den öffentlich-rechtlichen Sender zur Versicherung getrieben hat. ZDF-Sprecher Jörg Berendsmeier bestätigte auf Anfrage, dass der Gebührenzahler nicht belastet werde, dass „mehr als 80 Prozent der Gewinne versichert sind“. Auch wenn das ZDF für die Restsumme, die Versicherungspolicen und die Produktionskosten aufkommen müsse, sei der Gesamtpreis für „Rette die Million“ günstiger als bei anderen Unterhaltungssendungen. Beim ZDF, so will es der Sender verstanden wissen, sind die Gebühren in den allerbesten Händen.

Pro Sieben und RTL bekommen als Privatsender keine Gebühren, sie finanzieren sich über Werbung. Sie sind bei Shows mit Gewinnchancen zurückhaltend, was nicht am Geiz liegt, sondern an der Erkenntnis, dass zu viele von solchen Shows die Attraktivität des Formats beschädigen können. RTL setzt seit Jahren auf „Wer wird Millionär?“. RTL-Sprecherin Anke Eickmeyer sagte, dass der Sender sich bei den Gewinnen nicht abgesichert habe. Das sei vor Jahren, noch in D-Mark-Zeiten, so gewesen. Dann aber habe eine Kosten-Nutzen-Rechnung ergeben, dass die Versicherung im Verhältnis zu den ausgeschütteten Gewinnen zu kostspielig sei, sich nicht rechne.

„Fernsehsender gehen lieber immer dann auf Nummer sicher, wenn sie das Risiko einer neuen Show schwer einschätzen können“, sagte Pierrot Gieres, Geschäftsführer des Versicherungsmaklers Media Assurances. Das Unternehmen mit Sitz in Luxemburg ist aus der RTL-Group hervorgegangen und auf Versicherungen von Fernsehsendungen spezialisiert.

Generell sind Sendungen wie die RTL-Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ oder die RTL-Show „Wer wird Millionär?“ versichert, beispielsweise gegen Produktionausfall. Wird der Moderator oder ein Kandidat krank und die Sendung kann nicht aufgezeichnet werden, übernimmt die Versicherung die laufenden Kosten.

Zusätzlich wird für manche Quizshows eine sogenannte Prize-Indemnity-Insurance abgeschlossen, eine Preisgeldversicherung. „Sinnvoll ist sie für Shows mit hohen Gewinnsummen, etwa einer Million Euro“, sagte Gieres. Mit der Versicherung überträgt der Sender das Risiko auf die Versicherung. Sie muss zahlen, wenn der Kandidat gewinnt – und das kann teurer werden.

So wurde 2008 bei der US-Show „The Price Is Right“ auf CBS innerhalb von sechs Folgen gleich drei Mal der Gewinn von einer Million Dollar abgeräumt. Die Versicherung bat die Macher der Show daraufhin, die Regeln zu verschärfen.

Um ein solches Risiko zu vermeiden, kalkulieren die meisten Versicherungen mit entsprechend hohen Prämien. „Der Beitrag richtet sich nach dem Risiko und wird zwischen denVeranstaltern und den jeweiligen Versicherungen individuell vereinbart“, sagte Michael Segal vom Versicherungsunternehmen Generali. Je höher die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kandidat gewinnt, desto teurer dürfte auch die Versicherung des Gewinns sein.

Deshalb haben sich immer mehr Sender dazu entschlossen, das Risiko selbst zu tragen. Als beispielsweise die ARD 2001 „Das Quiz“ mit Jörg Pilawa startete, schloss sie für die Wahrscheinlichkeit des Höchstgewinns von 300 000 Euro eine Versicherung ab. Aber schon nach einem halben Jahr verzichtete der Sender darauf. Auch die Nachfolgesendung „Das Duell“, die seit September im Programm ist, wurde nicht versichert. Mit 20 000 Euro ist die Gewinnsumme nicht nur zu niedrig für eine Versicherung – sie ist auch relativ leicht zu gewinnen.

Der Privatsender Pro Sieben hat als einzige Gewinnshow „Schlag den Raab“ im Programm. Auch hier sind die Summen nicht versichert, sagte Sprecher Michael Ostermeier. Eine Versicherung mache hier keinen Sinn, „der Gewinn wird in jedem Fall irgendwann ausgezahlt“. Gewinnt Stefan Raab eine Duell-Runde, wandert der aufgerufene Betrag in den Jackpot, so lange eben, bis an den Raab-Herausforderer ausbezahlt wird.

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