Raab vs. Jauch : Ist der Raab-Talk wirklich „abwegig“?

11.09.2012 00:00 Uhrvon
Foto: ARD Foto: ARD/Ralf Wilschewski
Foto: ARD - Foto: ARD/Ralf Wilschewski

ARD-Chefredakteur Thomas Baumann nennt die Talkshow-Konkurrenz von Stefan Raab eine "Herausforderung" und ihr Konzept "abwegig". Dabei hatte die ARD mit "Pro + Contra" durchaus ein vergleichbares Format 30 Jahre auf Sendung.

Das Duell ist für den 11. November angesetzt. Stefan Raab tritt an diesem Sonntag in Pro 7 mit seiner neuen Talkshow „Absolute Mehrheit“ gegen „Günther Jauch“ im Ersten an. In Raabs Talkshow sollen fünf Gäste – zwei bis drei Berufspolitiker, ein Prominenter und ein normaler Bürger – nacheinander über vier gesellschaftlich wichtige Themen diskutieren. Schafft es einer von Raabs Gästen am Ende, mehr als 50 Prozent der Zuschauerstimmen zu erringen, erhält er als Siegprämie 100.000 Euro.

Die ARD reagierte auf die neue Konkurrenz mit dem Bemühen um Distinktion.

„Auch wenn Herr Raab nur einmal monatlich anzutreten beabsichtigt, wir nehmen die Herausforderung an“, sagte ARD-Chefredakteur Thomas Baumann. Das Konzept jedoch, Mehrheitsmeinungen mit Geldprämien zu belohnen, hält er für „abwegig“. Es bestehe die Gefahr, dass Diskutanten einer vermuteten Mehrheitsmeinung hinterherhecheln. Bei Gesprächssendungen in der ARD sollen weiterhin nur persönliche Standpunkte und die Kraft der vorgetragenen Argumente zählen. Dazu bilde sich das Publikum seine Meinung. „Das ist unsere Währung“, sagte Baumann.

Vielleicht hat der ARD-Chefredakteur vergessen, woran sich Raab erinnern konnte – an die ARD-Sendung „Pro + Contra“. Sie ist 30 Jahre lang, von 1968 bis 1998, einmal im Monat am Donnerstag im Ersten gelaufen. Auch hier wurde eine Mischung aus Debatte und Spielerei geboten. Zwei Lager diskutierten im Studio ein kontroverses Thema wie Ladenschluss oder Homo-Ehe. Vorher gab es im Publikum eine Abstimmung über die Mehrheitsmeinung. Nach der 45-minütigen Diskussion mit verschiedenen Teilnehmern und vom Moderator provozierten „Pro + Contra“ wieder eine Abstimmung. Anhand einer Waage wurde dargestellt, ob sich das Meinungsbild verändert hatte. Eine Prämie gab es nicht, eine starke Quote schon.

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