Radiosendung im Netz : Ken Jebsen und das böse Geld

Nach seinem Rauswurf bei Radio Fritz macht der Moderator mit "KenFM" im Netz weiter. Die erste Sendung verfehlt jedoch zumindest teilweise ihr Ziel.

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Für seine erste Sendung nach seinem Rauswurf bei Radio Fritz hatte sich Ken Jebsen viel vorgenommen. Mit „philosophischem Tiefgang und konstruktiven Vorschlägen“ wollte er Fragen nachgehen, beispielsweise wie Geld funktioniert oder wie eine Gesellschaft aussehen könnte, die ohne Geld auskommt – eine Sendung, die der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) habe „unbedingt verhindern“ wollen, so Jebsen vorab. Seit Sonntag um 14 Uhr ist sie auf seiner Website kenfm.de abrufbar. Zu hören gibt es eine Show in Jebsen-Manier: ungewöhnliche, auch spannende, teils jedoch krude Theorien und wilde O-Ton-Collagen.

Minutenlang redet beispielsweise der Wiener Wirtschaftsexperte Franz Hörmann über das Bankensystem und folgert, dass Topmanager so sehr von „Gier und Angst“ getrieben werden, ihren Geldfluss zu halten oder zu erhöhen, dass sie „geistig nichts mehr leisten“ können. Jebsen schließt daraus : „Wir zwingen unsere Eliten dazu, uns zu hassen, weil wir ... sie für Dinge verantwortlich machen, die sie gar nicht wissen können“. Ein einordnender Rahmen zur Finanz- und Eurokrise hätte der vierstündigen Sendung am Anfang gutgetan. Stattdessen gibt es Zitatsammlungen zur Meinungsfreiheit zu hören, mit denen Jebsen wohl auch auf seinen Rauswurf anspielen will.

Dass die Sendung in dieser Form nicht ausgestrahlt werden sollte, stimmt nach Angaben des RBB nicht. „Das ist Unsinn. Wir haben keine Sendungen ,verhindert’ und hatten das auch nicht vor“, sagte RBB-Sprecher Justus Demmer. Jebsen sende deshalb nicht mehr, weil er sich nicht an Absprachen gehalten habe. Im November hatte sich RBB-Programmdirektorin Claudia Nothelle mit Jebsen auf journalistische Standards einigen wollen, nachdem eine als antisemitisch verstandene Mail von Jebsen an einen Hörer öffentlich wurde. Als er nach Ansicht des RBB erneut gegen diese Vereinbarung handelte, musste Jebsen gehen. „KenFM“ soll im Netz weiterlaufen. Sonja Pohlmann

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