Rap-Musiker im Interview : „Die Fantas gehören zur Voice of Germany“

Smudo ist zum ersten Mal Coach in der Castingshow bei ProSieben und Sat1. Ein Gespräch über Musikfernsehen und Talent, Karrieren und Heino.

Joachim Huber
Zwei Mal „Fanta“. Michi Beck (links) und Smudo (eigentlich Michael Bernd Schmidt) besetzen den „Doppelstuhl“ bei „The Voice of Germany“. Die Castingshow startet am Donnerstag bei ProSieben um 20 Uhr 15 und geht dann bei Sat 1 am Freitag weiter
Zwei Mal „Fanta“. Michi Beck (links) und Smudo (eigentlich Michael Bernd Schmidt) besetzen den „Doppelstuhl“ bei „The Voice of...Foto: ProSieben

Herr Smudo oder Herr Schmidt?

Smudo, Sie.

Smudo, Sie arbeiten jetzt als Coach für die Sat-1-Pro-Sieben-Castingshow „ The Voice of Germany“. Warum musste das sein?

Ich wurde schon vor längerer Zeit angefragt. Habe das abgelehnt mit den starken Worten, das ist doch des Teufels, mit Castingshows habe ich nichts zu tun. Dann wurde Michi angefragt, dann las ich eine Online-Umfrage einer TV-Zeitschrift, wen sich die Zuschauer als Coach bei „The Voice“ vorstellen könnten. Da landete ich ganz oben, das war natürlich schmeichelhaft. Ich habe Max Herre bei seiner „Voice“-Teilnahme gesehen, von dem ich annehme, dass er auch ein Kritiker solcher Formate ist. Sein Einsatz hat mir sehr gut gefallen. Nach Sichtung mehrerer Folgen habe ich mir zweierlei gedacht: Geht das vielleicht witziger, wieso habe ich eigentlich solche Manschetten davor, da mitzumachen?

Es hat also Peng gemacht …

... dazu kam, dass die „Fantas“ in diesem Jahr 25-jähriges Bühnenjubiläum feiern. Michi Beck und ich – wenn wir bei „The Voice“ mitmachen, das wäre doch eine riesige Aufmerksamkeitsaktion. Und dann bin ich nicht alleine: Michi und ich, wir sitzen auf dem „Doppelstuhl“. Eine Doppelrepräsentanz. Außerdem sind wir nicht nur eine Band, wir haben nicht nur Musik zu bieten. Wir haben zehn Jahre lang eine Plattenfirma betrieben, betreiben immer noch sehr erfolgreich eine Bookingfirma. Ein Teil der Fanta-LiveBand spielt dort und der Rest des musikalischen Personals ist uns in unserer musikalischen Arbeit immer wieder begegnet. Die Musikshow ist Teil der Unterhaltungsindustrie, die „Fantas“ sind Teil der Unterhaltungsindustrie. Wir gehen nicht zu „The Voice“, weil wir eingeladen wurden, sondern weil wir schlichtweg dorthin gehören. Eine Kombination aus PR-Nutzen und dem Willen, die Herausforderung anzunehmen.

Werden die Fans der „Fantastischen Vier“ nicht trotzdem vor Schreck vornüberfallen?

Ich habe bei Twitter 35 000 Follower. Nur fünf davon haben sich mir gegenüber kritisch geäußert.

Die Castingshows im Popformat schwimmen aktuell nicht auf einer Erfolgswelle. „Rising Star" bei RTL, „Keep Your Light Shining“, zwei große Flops. Warum also wird „The Voice of Germany“ ein Erfolg?

Schauen Sie sich doch mal Musikformate im Fernsehen an. Wie „Sing wie dein Star“ bei der ARD, die mich ebenfalls als Juror angefragt hatten. Es sieht auf dem Schirm schlimmer aus als in der Beschreibung. Generell finde ich es aber richtig und notwendig, dass Musik Teil des Fernsehens ist. Bei „The Voice“ kommt positiv dazu, dass es um das Handwerkliche im Musikgeschäft geht, weniger um die Schicksale, warum die Talente hergekommen sind.

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen?

Mit den Musikern wird auch gearbeitet. Der Juror ist bei „The Voice“ ein Coach, dem seine Musiker ans Herz wachsen und die wiederum für die Eigenschaften des Coaches stehen. „The Voice of Germany“ ist eigentlich eine Coach-Show, eine Laboranordnung, in der die Musiker und die Coaches agieren. Man wächst zusammen, man lernt zusammen. Bei „DSDS“ zum Beispiel geht es viel mehr um die Leute und deren Persönlichkeit, es geht um die Fallhöhen, die sich daraus generieren lassen. Die Emotionen bei „DSDS“ hängen sehr viel weniger mit den musikalischen Leistungen zusammen.

Sie haben riesige Bühnenerfahrung, jetzt machen Sie Fernsehen. Mussten Sie sich mächtig was draufschaffen?

Geht so. Ich mache schon sehr lange eine kleine Quizshow im SWR-Dritten. Spießiges, gutes, altes Fernsehen und trotzdem verstehe ich mich nicht als waschechter Fernsehtyp. Ein Vollblutmusiker bin ich aber auch nicht. Ich kann weder ein Instrument spielen noch singen. Ich bin Rap-Musiker, da geht es um andere Qualitäten.

Bisschen eitel, oder? Sie können nichts und haben riesigen Erfolg.

Von allem ein bisschen und das sehr erfolgreich. Im Showgeschäft ist attitude auch ein Teil der Qualität und oft wichtiger als Musikalität. Aber eines steht über allem: Man muss unterhaltsam sein, in der Fernsehwelt, in der Musikwelt.

Was muss ein Talent können, wenn es Sie begeistern soll?

Ich fand immer diejenigen mit einer Mischung aus Rhythmusgefühl und Lockerheit gut. Timing und eine gewisse Entspanntheit gehören auch dazu.

Beim Presseabend zu „The Voice“ gab es auch eine „Blind Audition“. Man hatte die Augen verbunden, hörte also nur jemand singen. Ich war immer erstaunt, wer es dann war, als ich die Augenbinde abnahm. Geht Ihnen das genauso?

Bei mir passten in 80 Prozent der Fälle Stimme und Geschlecht zusammen. Was bei der Show dazukommt, das ist die Reaktion des Publikums. Wir hatten eine sagenhafte, romantische Stimme gehört. Die Reaktion des Publikums war aber mau, da haben wir dieses junge Mädchen mit dieser wunderbaren Stimme ziehen lassen. Was haben wir uns geärgert! Da kommt ein junger Mann, der nicht singen kann, aber ein enges Hemd trägt und seine Muckis zeigt – und alle jubeln. Auch wir Coaches stehen unter Eindruck und Einfluss. Das muss man versuchen auszublenden.

Trauen Sie sich zu, das Siegertalent groß rauszubringen? Eine Smudo-Garantie?

Weiß ich nicht. Ist für mich auch nicht der spannendste Punkt. Was mich an vielen Castingshows stört: Nach dem Finale soll der Sieger natürlich Platten verkaufen, Konzerte geben etc. pp. Aber diese Castingshows und das reale Musikbusiness haben nicht viel gemein, was das Wachstum und die Motivation der Fan-Basis angeht. Gelegentlich gibt es Schnittmengen, aber in der Regel bleibt es schwierig, mit einem Show-Champion eine langjährige Popstarkarriere zu montieren. Natürlich werden wir uns um unser eventuelles Siegertalent kümmern, eine Erfolgsgarantie gibt es nie.

Heißt aber auch: „The Voice of Germany“ ist eine Musikfernsehshow und nicht ein Wettbewerb, der Musikkünstler generiert.

Das Zweite wäre das Sahnehäubchen der Veranstaltung. Davon gehe ich nicht grundsätzlich aus, aber lasse mich gerne überraschen.

Wundern Sie sich manchmal, wie viele Menschen in Deutschland Popstar werden wollen?

Ja und nein. Wir müssen nicht darüber reden, dass es sehr viel weniger Talente gibt als Menschen, die glauben, sie hätten Talent. Die Attraktion beim Popstar ist die Aufmerksamkeit, die man bekommen kann. Scheint ja so einfach zu sein: Rausgehen und singen. Das Fernsehen führt es vor. Welch ein Irrtum. Aber es gibt schon einen Generationswechsel bei den Castingshows. Wer sich jetzt bewirbt, der weiß schon, was ihn erwartet. In der Regel haben sie einen musikalischen Background, sie wollen Aufmerksamkeit oder ihr Bandprojekt nach vorne bringen. Aber niemand erwartet eine Instant-Popstar-Karriere.

Wären Sie auch zu „Deutschland sucht den Superstar“ gegangen? Heino tut es doch auch!

„DSDS“ ist schon ein sehr krasses Beispiel, RTL richtet die Show ja auch komplett auf Trash aus. Da ist der Move mit Heino nachvollziehbar und sicher unterhaltsam. Ich werde es mir angucken.

Wäre Smudo jemals bei einer Castingshow entdeckt worden?

„Fanta 4“ haben an vielen, vielen Veranstaltungen teilgenommen, die alle noch nicht Castingshows hießen. Es gab ja kaum Musikfernsehen. In einer Großraumdisco haben wir zwischen all den Hübschis Rap gemacht, mit eigenen Liedern, die keiner verstehen wollte. Woche für Woche sind wir hingegangen, es gab Getränkegutscheine. Also sind wir immer wieder hinmarschiert und haben ein Weizenbier nach dem anderen gewonnen.

Frage noch mal: Wäre Smudo jemals bei einer Castingshow entdeckt worden?

Ich denke, nein. Wären wir eingeladen worden, wären wir als Witzbolde der Show früh ausgeschieden. Wir wurden ganz traditionell auf der Live-Bühne entdeckt, in einem Club, der selbstverständlich durch uns in Flammen stand.

Das Interview führte Joachim Huber.

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