"Raumpatrouille Orion" : Ein Märchen von übermorgen wird 50

Vor 50 Jahren hob die „Raumpatrouille Orion“ zum ersten Mal ab. Dietmar Schönherr verhalf sie zu bleibendem Ruhm - und einem Bügeleisen auch.

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Streitpaar. Commander McLane (Dietmar Schönherr) hatte manchen Tort mit Sicherheitsoffizier Tamara Jagellovsk (Eva Pflug) – und am Ende eine Beziehung. Foto: dpa
Streitpaar. Commander McLane (Dietmar Schönherr) hatte manchen Tort mit Sicherheitsoffizier Tamara Jagellovsk (Eva Pflug) – und...Foto: dpa

Mit dem „Tatort“-Intro kann bis heute nur ein weiterer Einstieg in eine Fernsehwelt mithalten: Die ersten Sekunden der Science-Fiction-Serie „Raumpatrouille Orion“. Da ist der Text: „Was heute noch wie ein Märchen klingt, kann morgen Wirklichkeit sein. Hier ist ein Märchen von übermorgen.“ Dann der Wasserstart, der Soundtrack! Tamara Jagellovsk! Vor 50 Jahren, am 17. September 1966, landete das westdeutsche Nachkriegsfernsehen mit der „Raumpatrouille Orion“ einen seiner größten Erfolge.

„Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion“ waren die bis dahin teuerste Serie des deutschen Fernsehens – so teuer, dass sie nie über die sieben Folgen hinaus fortgesetzt wurde, obwohl sie mit einer Einschaltquote von bis zu 56 Prozent ein Riesenerfolg war. Die Staffel, produziert von den größten ARD-Sendern und samstags zur besten Sendezeit nach der „Tagesschau“ zu sehen, verhalf dem damals 40-jährigen Dietmar Schönherr (1926-2014) zu bleibendem Ruhm. Der Österreicher machte Eindruck als eigensinniger, aufmüpfiger „Orion“-Kommandant Cliff Allister McLane.

Anfang und Ende der TV-Karriere von Eva Pflug

Körbeweise Fanpost erhielt auch Eva Pflug (1929-2008), die Commander McLane als Sicherheitsoffizierin Tamara Jagellovsk sogar Befehle erteilte. Tragischerweise bedeutete der Erfolg für sie das Ende ihrer Fernsehkarriere: Für die damaligen Produzenten war sie nunmehr auf die Rolle einer Männer kommandierenden „Emanze“ festgelegt. „Die Männer haben sich damals bedroht gefühlt“, sagte sie später.

„Wer die Serie heute anschaut, kann den Erfolg nicht mehr nachvollziehen“, schreibt dpa-Korrespondent Christoph Driessen. Es passiere unglaublich wenig, stattdessen stehe die Crew die meiste Zeit in ein- und demselben Kontrollraum und redet. Eindeutig sei die Zeit über die Serie hinweggegangen, „doch ihrem Kultstatus tut das keinen Abbruch“.

Stimmt, einmal bot die Serie mit ihrer detailliert ausgearbeiteten Zukunftswelt modernes Fernsehen. Sie wirkte wie ein Zeitfenster in kommende Zeiten. In seiner kühlen Schwarz-Weiß-Harmonie war das „Starlight Casino“ auf dem Grund des Meeres die Abkehr vom „Gelsenkirchner Barock“, und der Kampf der „Orion“-Crew“ gegen die „Frogs“ war die lange erhoffte Alternative zum ewigen Karl-May-Duell zwischen Indianern und Cowboys.

Die Deko setzte sich großenteils aus leicht verfremdeten Haushaltsutensilien zusammen. Bleistiftanspitzer, Wasserhähne, Uhrpendel, Lineale, Nähgarnrollen und ein Bügeleisen – all das war Bestandteil der Kulisse in den Münchner Bavaria-Studios. Eisportionierer und Geburtshilfezangen wurden zu Roboterarmen. Die Fantasie des Zuschauers war gefordert – vielleicht eines der Erfolgsgeheimnisse.

Im Rückblick wirkt die Serie schon sehr deutsch, geradezu militärisch. „Haben wir uns verstanden?“ – „Jawohl, General!“ oder „Ich bitte um Freigabe des Einsatzbefehls!“ Da klingt noch der Ton einer Zeit nach, die bei den Dreharbeiten 1965 gerade einmal 20 Jahre zurücklag.

Zeitgeistdokument der Bonner Republik

Der Politologe Reinhard Wesel sieht „Raumschiff Orion“ als „echtes Zeitgeistdokument“ der jungen Bonner Republik. Auf technischer Seite hätten die Macher durchaus kreative Einfälle gehabt, doch im Übrigen hätten sie einfach die späte Adenauer-Zeit in die Zukunft verlängert.

Der von Schönherr dargestellte McLane verkörpere dabei die nachwachsende Generation, die autoritäre Strukturen aufbrechen wolle. „Aber alles im Rahmen, schön schaumgebremst. Nicht Rudi Dutschke, sondern quasi die Uschi-Glas-Variante: schick, jung, anders, aber noch keine Revoluzzer“, sagt Wesel. „Es beschreibt damit die Lage kurz vor der 68er Revolution, eine verkrustete, starre Welt, die knirscht und knackt und moralisch unglaubwürdig geworden ist.“ (mit dpa)

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