RBB-Doku über Serienmörder : Tödliche Hamsterfahrt

„Der Schrecken der brandenburgischen Wälder“: Die RBB-Dokumentation über Serienmörder Willi Kimmritz setzt auf aufwändige Reenactments.

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Vorsicht bei Festnahme. Mit diesem Foto wurde nach Kimmritz gefahndet. Foto: ARD
Vorsicht bei Festnahme. Mit diesem Foto wurde nach Kimmritz gefahndet. Foto: ARD

Letztlich wurde Willi Kimmritz von „Kognak-Else“ überführt. „Kognak-Else“ – in besseren Tagen hatte sie Else Baethke geheißen – sah den Mörder ihrer Freundin Frieda in einer Bäckerei im Wedding sitzen, bei Schrippen und Kaffee. Erst seit kurzem waren ofenfrische Schrippen überhaupt wieder zu bekommen. Es war Spätsommer in Berlin: Spätsommer 1948.

Mehr als zwei Jahre lang hatte Willi Kimmritz Berlin und Umgebung als „Schrecken der brandenburgischen Wälder“ in Panik versetzt. Von 1946 bis 1948 attackierte und vergewaltigte er dort 45 Frauen, tötete vier. Ähnlich wie Serienmörder Rudolf Pleil, der zeitgleich im Harz wütete, profitierte Kimmritz vom chaotischen Nachkriegsdeutschland. In Berlin wurden 1948 mehr als 2000 Personen vermisst. Es gab kein Meldewesen. Die Polizeistationen der verschiedenen Besatzungszonen kooperierten kaum, deshalb lag die Aufklärungsrate von Verbrechen bei mageren 70 Prozent.

Die Autoren der Dokumentation „Tatort Berlin: Willi Kimmritz“, Gabi Schlag und Benno Wenz, wollen die Verbrechen des Einzelnen in Bezug zur Historie setzen. Das ist ihnen schon in ihren bisherigen Filmen gelungen, in denen sie sich mit dem „Teufel von Köpenick“, Bruno Lüdke, oder „S-Bahn-Mörder“ Paul Ogorzow befasst haben. Wer sich so intensiv dem Thema Serienmord widmet, bekommt auch Stephan Harbort vor die Kamera. Harbort gilt als führender deutscher Wissenschaftler im Bereich Serienmord und führt daher als Erzähler kundig durch die Kimmritz-Doku.

Auf den Hamsterfahrten wartete Kimmritz auf seine Opfer

Zusätzlich haben Schlag und Wenz Zeitzeugen interviewt. Ein ehemaliger Kommissar kommt ebenso zu Wort wie Frauen, die dem Verbrecher begegnet sind. Oder vom Alltag im Nachkriegsberlin berichten können: Schwarzmarkt. Hunger. Hamsterfahrten. Vor allem zum „Hamstern“ – um Nahrungsmittel von den Bauern im Umland zu besorgen – mussten die Frauen durch die Wälder. Dort wartete Kimmritz. Seine Opfer drosselte er mit ihren eigenen Rucksackriemen.

Irgendwann war sich die Polizei sicher, dass der Täter Willi Kimmritz sein musste. Es gab einen Steckbrief mit Foto und Namen. Nur: Der Mörder blieb unauffindbar. Erst „Kognak-Else“ entdeckte ihn im Café. Sie hatte Kimmritz ihrer Freundin vorgestellt; wenige Tage später war diese tot. Für den Film wurden diese Begebenheiten per Reenactment nachgestellt. In Schwarz-Weiß; authentische bis elegante Kostüme; Kameraflimmern.

Im Prozess stellten Gutachter fest, Kimmritz sei voll schuldfähig – eine Einschätzung, die im Film auch moderne Psychiater teilen. 1949 wurde er zum Tode verurteilt, 1950 in Frankfurt an der Oder hingerichtet.

„Tatort Berlin: Willi Kimmritz – Schrecken der Wälder“, RBB, Montag, 22 Uhr 15

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