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Reaktionen auf Namensänderung beim Deutschlandradio : Warum noch Funk, warum nicht Radio?

Der Sender Deutschlandradio wird zwei seiner drei Programme umbenennen. Nicht jeder kann das nachvollziehen.

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Neues beim Deutschlandradio.
Neues beim Deutschlandradio.Foto: picture alliance / dpa

Deutschlandradio Kultur soll Deutschlandfunk Kultur werden, DRadio Wissen demnächst Deutschlandfunk Nova heißen. So will es Andreas-Peter Weber, der Programmdirektor des Deutschlandradios, das als drittes Programm den Deutschlandfunk veranstaltet. Weber hat sich dafür die Rückendeckung von Intendant Willi Steul und des Verwaltungsrates geholt. Der Plan löst zahlreiche Reaktionen aus, sie sind geteilt, wie eine Umfrage zeigt.

Der Gründungsintendant des Deutschlandradios, Ernst Elitz, sagte dem Tagesspiegel, „die Idee kam früher schon mal auf. Wir haben uns damals bewusst dagegen entschieden, denn der Deutschlandfunk ist eine klare Marke, die steht für Hardcore-Information.“ Wenn man da die zwei Silben „Kultur“ ranhängen würde, dürfte man für das Kulturprogramm kaum neue Hörer gewinnen, eher viele irritieren. Warum also?, fragt Elitz. „Beide Programme haben sich unter klar unterscheidbaren Markennamen etabliert und seit der Gründung ständig neue Hörer hinzugewonnen. Beim Deutschlandradio Kultur liegt der besondere Reiz darin, dass Kultur und politische Hintergrundberichterstattung sich ergänzen. „Bedauerlich wäre, wenn sich hinter Umbenennung die Absicht verbergen würde, das Programm auf einen traditionellen Kulturbegriff zu verengen.“ Solche Programme gebe es bei den Landesrundfunkanstalten genug. Und zur Verwandlung von DRadio Wissen in Deutschlandfunk Nova sagte Elitz: „Ein No-go“.

Jetzt, wo die ARD sparen müsse, könnte sie ihre regionalen Kulturwellen verschlanken

Tim Renner, Berlins Staatssekretär für kulturelle Angelegenheiten, ist leicht verwirrt ob der Namensänderung der beiden Deutschlandradio-Wellen. Renner, der selbst früher mit MotorFM, dem jetzigen FluxFM, Radio gemacht hat, weiß um die damit verbundenen Schwierigkeiten. „Jede Umbenennung ist mit Blick auf die Reichweitenmessung heikel, wenn die Hörer Probleme mit der Zuordnung der Namen haben“, sagte Renner dem Tagesspiegel.

Beim gemeinsamen Markennamen Deutschlandfunk fühlt sich der Kultur-Staatssekretär an frühere Zeiten erinnert, als es nur den Deutschlandfunk und noch nicht die Dachmarke Deutschlandradio gab: „Alles in allem also kein großes Drama.“ Aus dem Blickwinkel des ehemaligen Radiomachers findet Renner, dass insbesondere Sender wie das bisherige Deutschlandradio Kultur und DRadio Wissen genau der richtige Einsatz für den Rundfunkbeitrag sind.

Für die Messung der Radio-Reichweiten von werbefinanzierten Wellen ist die Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse (AGMA) zuständig, die zweimal jährlich die so genannten Radio MA herausgibt. Die Wellen des Deutschlandradio werden über den Rundfunkbeitrag finanziert, sind also nicht auf Werbeeinahmen angewiesen. Aber auch dann sähe AGMA-Öffentlichkeitsreferent Andreas Schramm in der Umbenennung von Deutschlandradio Kultur und DRadio Wissen als unproblematisch an.

„Das bleibt in der Familie, die Zuordnung ist nur bei dramatischen Änderungen gefährdet“, sagt er. Für die Hörerbefragungen würden bei den werbefinanzierten Wellen zudem die Methoden-Steckbriefe frühzeitig angepasst. „Irgendwas ändert sich immer“, lautet seine Erfahrung.

„Der Pudding erweist sich beim Essen.“

Für Branchenkenner und Produzenten Friedrich Küppersbusch gibt es „keinen von außen erkennbaren Grund, warum die diversen Produkte aus dem Hause Deutschlandfunk nicht auf den gleichen Markennamen hören sollten.“ Da Radio allerdings zunehmend andere Verbreitungswege nutze als den altmodischen Funk, könnte man „die ganze Sause doch auch auf das zukunftsfähigere Deutschlandradio“ umbauen.

Küppersbusch stellt sich in diesem Zusammenhang eher die inhaltliche Frage an den gebührenfinanzierten Rundfunk: „Wieso ist das Programm von Deutschlandradio Kultur nicht der Mantel, in das die jeweiligen Landessender der ARD ihre Kulturstrecken einkleiden? Mal ehrlich, was im Saarland oder Bremen an genuiner Kultur abgeht, passt in eine Morgenschiene und eine Stunde am Nachmittag.“ Jetzt, wo die ARD sparen müsse, könnte sie ihre regionalen Kulturwellen verschlanken, Geld sparen und am Ende ginge der Hörer mit einem besseren Programm vom Tisch.

Inhaltliche Neujustierung der einzelnen Angebote? Darum gehe es nicht, sagt Björn Böhning, Chef der Berliner Senatskanzlei und für das Land Berlin Mitglied im Verwaltungsrat des Deutschlandradios. "Es geht um die Marken-Wahrnehmung bei den Hörerinnen und Hörern. Laut Analysen genießt der Name Deutschlandfunk einfach eine hohe Glaubwürdigkeit und Verbreitung."

Eine starke Dachmarke, wie Deutschlandfunk, sei ein großes Kapital, sagt auch Thomas Bellut, ZDF-Intendant und Vorsitzender im Verwaltungsrat des Deutschlandradios. "Wir haben im Verwaltungsrat auch darüber diskutiert, ob es verbunden mit den Namensänderungen inhaltliche Neujustierungen geben wird. Das ist nicht so. Die einzelnen Angebote bleiben erhalten.

Klaus Siebenhaar, Leiter des FU-Instituts für Kultur- und Medienmanagement, stößt sich vor allem am neuen Namen für DRadio Wissen. „Nova klingt so, als ob der Name direkt aus dem Marketingbaukasten stammt“, sagt er. „Beim DRadio Wissen wird der Name komplett geändert. Ein Neuauftritt ist aber nur dann sinnvoll, wenn sich auch der Inhalt komplett ändert, sonst ist es reine Kosmetik“. Am Ende komme es aber ohnehin auf das Programm und die Inhalte an. „Der Pudding erweist sich beim Essen.“

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