Rehkitze im Internet : Politiker im Social Web: blutleer und rustikal

Webseiten haben sie alle, doch soziale Netzwerke sind für viele Politiker Black Boxes. Berater Sven-Olaf Peeck hat ihre Auftritte dort analysiert.

Tatjana Kerschbaumer
Olaf Scholz, Erster Bürgermeister von Hamburg: Twittert eher blutleer.
Olaf Scholz, Erster Bürgermeister von Hamburg: Twittert eher blutleer.Foto: ARC

Politiker sind Rehkitze im Scheinwerferlicht. Vor allem, wenn es um ihre Nutzung sozialer Netzwerke geht. So beschreibt es zumindest Sven-Olaf Peeck, Gründer der Online-Marketing-Beratung Crowdmedia.

In einem Gastbeitrag auf dem Blog „Hamburger Wahlbeobachter“ analysiert er die digitale Präsenz einiger Abgeordneter, Regierungschefs, Generalsekretäre. Fazit: „Websites sind Standard“ - doch spätestens bei Twitter hakt’s. Als Negativbeispiel fungiert Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD): Digital-Berater Peeck attestiert ihm Tweets, die „blutleerer als die gesammelte Twilight-Serie“ sind. Und schreibt: „Wo soziale Medien nur als Hygiene-Faktor verstanden werden, wird Müll rauskommen.“

Besser macht es laut Peeck Linken-Politiker Bodo Ramelow, der via Twitter einen „bunten Mix aus Informationen und Unterhaltung“ verbreitet. CDU-Generalsekretär Peter Tauber geht zwar sowohl auf Twitter als auch in seinem PDF-Newsletter „BriefTauber“ eher rustikal ans Werk. Aber er wirkt authentisch. Denn glaubt man Peeck, ist Followern und potentiellen Wählern eine hemdsärmelige Ansprache deutlich lieber als aalglatter Marketing-Sprech.

Grundsätzlich empfiehlt Peeck Politikern einen Mix aus verschiedenen Online-Kanälen – auch, wenn sie daran gewöhnt sind, nur „mit dem Verteilen von Rosen und Kugelschreibern“ Stimmen zu sammeln. Damit dieses „Content Marketing“ erfolgreich ist, gibt es weitere Tipps: Kommunizieren von relevanten Inhalten; auf Nutzer eingehen; auch einmal provozieren und Reibungsfläche bieten. Wer dann noch ab und an einen guten Witz reißt, hat laut Peeck schon halb gewonnen. Klingt alles gar nicht so schwierig? Ist es aber. Denn Peeck bestätigt auch ein Gefühl, dass viele Politiker haben dürften: „Eigentlich kann man es nur falsch machen.“

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