Relaunch für "Landser" : "Landser" heißt jetzt "Weltkrieg"

Neues Outfit beim Ewiggestrigen: Die eingestellte Heftreihe „Der Landser“ erscheint jetzt als "Weltkrieg". Der Nachfolger setzt bei Autoren, Themen, Weltbild unverhohlen auf den Vorgänger. Auch andere Deutschtümeleien sind weiter mit dabei.

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Neues vom Weltkrieg: Die eingestellte Zeitschrift "Der Landser"
Neues vom Weltkrieg: Die eingestellte Zeitschrift "Der Landser"Foto: dpa

Mitfreude will sich da nicht einstellen. „Heißen Dank für den herzlichen Empfang, den Ihr unseren ,Weltkrieg’-Romanreihen bereitet habt“, heißt es auf der Homepage. Offenbar kann da ein verlegerischer Erfolg gefeiert werden – auf Recycling-Basis. „Der Landser“ erscheint seit September 2013 nicht mehr, sein gewollter Nachfolger heißt „Weltkrieg“. Seit Ende Dezember vergangenen Jahres erscheinen die „Erlebnisberichte“, aus einer Romanreihe sind mittlerweile vier geworden: „Weltkrieg Großband“, „Weltkrieg Doppelband“, „Weltkrieg Flieger“ (jeweils alle vier Wochen), „Weltkrieg“ (14-tägig).

Was den Nachschub an pseudodokumentarischen Geschichten angeht, läuft den Publikationen die Zeit davon. Der Zweite Weltkrieg ist seit 69 Jahren beendet, jede publizistische Neuauflage, die mit atemloser Landser-Rabulistik fesseln will, muss sich aus dem Repertoire bedienen. Aber das reicht wohl. Der aktuelle Doppelband „In den Schluchten des Balkan“ für 3,40 Euro ist partieller Nachdruck Erich von Sterings Buch „Jeder war ein Stück von uns“, 1959 erstmals erschienen und später in der Reihe „Landser am Feind“ nicht zum letzten Mal auf den Militaria-Markt geworfen.

Die fragwürdigen "Ritterkreuzträger" sind wieder mit dabei

Das passt schon, so wie es zum „Landser“-Nachfolger passt, dass auf Seite zwei die fragwürdige Tradition der „Ritterkreuzträger“-Porträts fortgeführt wird. Im aktuellen „Doppelband“ ist es Hartwig von Ludwiger. Dem General der Infanterie wird „am 23. Dezember 1942 als 163. Soldaten der Wehrmacht das Eichenlaub zum Ritterkreuz verliehen“. Bei Kriegsende sei er in sowjetische Kriegsgefangenschaft geraten und später an Jugoslawien ausgeliefert worden. „In einem der zahlreichen nach dem Kriege üblichen Schauprozesse wurde Hartwig von Ludwiger wegen angeblicher Kriegsverbrechen zum Tode verurteilt und am 5. Mai 1947 in Belgrad hingerichtet.“ Dass zu den „Weltkrieg“-Autoren mit Walther Dahl und Hajo Herrmann ehemalige NS-Luftwaffen-Größen gehören, soll der Reihe Authentizität geben. Deren Sympathie für DVU und NPD störte und stört nicht.

Ewiggestriges im neuen Outfit: Der "Weltkrieg"
Ewiggestriges im neuen Outfit: Der "Weltkrieg"Bild: Promo

Ob „Landser“, ob „Weltkrieg“, die Perspektive bleibt gleich. Die Wehrmachtssoldaten, meist untere Dienstgrade, glühend tapfer im Rückwärtskampf für die Heimat, entbehrungsbereit und zusammengeschweißt durch Feindesdruck, tadellos selbst „bei einem heimtückischen Gegner, der sämtliche kriegshegenden Bestimmungen der Haager Landkriegsordnung missachtet“. Es galt, das Bild der „anständig“ gebliebenen Einheiten in Hitlers Wehrmacht ein ums andre Mal aufzupolieren. Auf der „Weltkrieg“-Homepage wird „ein ungetrübtes Lesevergnügen mit den Landser-Erlebnissen gewünscht“. Ungetrübt, das ist das wegweisende Stichwort.

Bereits seit Erscheinen 1957 war der "Landser" umstritten

Erstmals erschienen ist der „Landser“ 1957 im Pabel-Moewig-Verlag, in jenem bundesdeutschen Klima von Revanchismus und unbewältigter Vergangenheit. Die gestrigen Geister waren stets in Konfrontation mit den aufklärerischen Strömungen, der „Landser“ war umstritten, als Reihe nie verboten, einige wenige Ausgaben wurden von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften indiziert.

Die soldatischen Groschenromane waren für den Pabel-Moewig-Verlag und nach dem Kauf durch den Hamburger Billig-Illustrierten-Konzern Bauer ein gutes Geschäft. Wohl aus Furcht vor dem öffentlichen Echo, dass hier mit den Retro-Schilderungen von Wehrmachts- und NS-Kameraden ordentlich verdient werde, haben die herausgebenden Verlage immer mit Informationen gegeizt. Zugleich wurden nie die umlaufenden Zahlen dementiert, wonach einzelne der 5000 „Landser“-Ausgaben mit bis 500 000 Exemplaren vertrieben wurden.

Im September 2013 schien der Zweite Weltkrieg auch an dieser Front mit einer Kapitulation beendet zu sein. Die Bauer Media Group stellte den „Landser“ ein. Der Verlag war vom Simon-Wiesenthal-Center scharf angegangen worden. Verherrlichung des Nationalsozialismus, Verharmlosung von Waffen-SS und Holocaust lauteten die Vorwürfe, ein Verbot wurde gefordert. Der Bauer-Verlag gab sich erst unbeeindruckt, holte sich per Gutachten ein Unbedenklichkeitszertifikat, um dann doch zu erkennen, dass der „Landser“ nicht mehr zur „Portfoliostrategie“ passe.

Die „Weltkrieg“-Reihen erscheinen laut Impressum im Verlag Mediavari mit Sitz in Sarnen/Schweiz. Dort gibt es keinen Verlag derartigen Namens. Recherchen des NDR-Medienmagazins „Zapp“ haben ergeben, dass sich allem Anschein nach hinter einer verwinkelten Strohmänner-Camouflage der Verlag Lesen & Schenken des norddeutschen Rechtsextremisten Dietmar Munier versteckt. Dann wäre „Weltkrieg“ faktisch da, wo der „Landser“ ideell schon immer war.

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