Robert Schneider folgt auf Ulrich Reitz : Neuer Chefredakteur für den "Focus"

Nach nur knapp eineinhalb Jahren bekommt der "Focus" wieder einen neuen Chefredakteur: Robert Schneider löst Ulrich Reitz ab - das umstrittene Cover zu Köln soll dabei aber keine Rolle gespielt haben.

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Robert Schneider, 39, übernimmt im März die Chefredaktion des "Focus", zuvor hat er die "Super Illu" geführt.
Robert Schneider, 39, übernimmt im März die Chefredaktion des "Focus", zuvor hat er die "Super Illu" geführt.Foto: Promo

Hinter den Kulissen rumort hatte es schon länger, prominente Journalisten waren um Strategiepapiere gebeten worden, am Ende aber hat der Burda-Verlag für seinen "Focus" doch eine Lösung im eigenen Haus gefunden: Robert Schneider, 39 und seit 2011 Chefredakteur der "Super Illu", löst Ulrich Reitz, 55, im März an der Spitze ab, wie der Verlag am Donnerstag mitteilte.

Reitz macht künftig den "Jörges"

Erst seit Oktober 2014 hatte Reitz das Magazin geführt, sein Vorgänger Jörg Quoos war ebenfalls nach nur 20 Monaten abberufen worden. Mit Schneider soll nun wieder mehr Kontinuität einkehren - und dabei soll ihm ausgerechnet sein Vorgänger helfen: Denn Reitz muss den "Focus" keineswegs verlassen, sondern als Editor at Large soll er künftig weiter eine Kolumne und seinen Newsletter schreiben - und den "Jörges" machen, das Magazin also als eine Art Außenminister beispielsweise in Talkshows repräsentieren.

Ulrich Reitz ist seit Oktober 2014 Chefredakteur des "Focus".
Ulrich Reitz ist seit Oktober 2014 Chefredakteur des "Focus".Foto: dpa

Heftige Kritik am Cover zu Köln

Pointiert und streitbar aufzutreten, gehört zu Reitz Stärken. Weniger seine Sache aber ist offenbar das Blattmachen, heißt es aus der Redaktion. Reitz kommt aus dem Tageszeitungsjournalismus, war Chefredakteur der "Rheinischen Post" und der "WAZ", aber bei einem Magazin, das eine Woche lang am Kiosk liegt und sich dort verkaufen muss, ist das Rumfeilen an Überschriften und Unterzeilen unerlässlich, das Nachdenken darüber, welche Optik die beste ist. Dass Reitz hier offenbar keine allzu große Leidenschaft pflegt, war zuletzt an dem umstrittenen Titelbild zu den Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht deutlich geworden. Das Cover hatte eine nackte, weiße Frau gezeigt, auf deren Körper schwarze Handabdrücke zu sehen waren. Das Bild sei rassistisch und sexistisch, hieß es von Kritikern. Beim Presserat liegen Beschwerden vor.

Das Cover des aktuellen Focus
Das Cover des aktuellen FocusFoto: Screenshot von Focus Online

Von solchen Blattmacher-Pflichten ist Reitz nun ebenso befreit wie von der Verantwortung für die verkaufte Auflage. Er kann durch die Talkshows tingeln und politische Meinungsstücke schreiben - und damit die Ergänzung sein zum neuen Chefredakteur Robert Schneider, der zwar kein politisches Schwergewicht ist, aber als leidenschaftlicher Blattmacher gilt.

Schneider gilt als leidenschaftlicher Blattmacher

Schneider ist bekannt dafür, sich nicht in ein Chefredakteursbüro zurückzuziehen, sondern in der Redaktion sehr präsent und ansprechbar zu sein. Mit seinem Gespür für Themen und Titel soll er den "Focus" modernisieren, weg von den kleinteiligen Texten hin zu größeren Lesestrecken, die gerade am neuen Erscheinungstag Samstag gefragt sind. Sollte es ihm gelingen, die Auflage zu stabilisieren, wäre das ein Erfolg, denn in den vergangenen Jahren hat der "Focus" erheblich an verkaufter Auflage eingebüßt.

Zwar sind davon auch "Stern" und "Spiegel" betroffen, aber eben nicht in einem solchen Ausmaß. Im vierten Quartal 2015 verkaufte der "Focus" im Schnitt noch rund 75 000 Hefte am Kiosk, der "Stern" liegt bei 209 000 Exemplaren, der "Spiegel" bei 250 000 verkauften Ausgaben. Für den "Focus" bedeutet das im Kiosk-Verkauf ein Minus von mehr als 50 Prozent im Vergleich zum vierten Quartal 2005. Insgesamt liegt die verkaufte Auflage aktuell bei rund 500 000 Exemplaren, rund 30 Prozent weniger als noch zehn Jahre zuvor.

Wieder eine reine Männer-Riege an der Spitze

Als Berater bringt Schneider seinen Mentor Walter Mayer, 56, mit, den er von der "Bild am Sonntag" kennt. Mayer war dort Chefredakteur, Schneider sein Vize. Auch Mayer soll anfangs eng in die Produktion eingebunden sein, heißt es. Bei der „Super Illu“ übernimmt Schneiders bisheriger Vize Stefan Kobus, 50, die Führung.

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Auffallend ist jedoch, dass der "Focus" wieder einmal von einem reinen Männerteam geführt wird. Gerade mit Blick auf einen Titel wie zu den Ereignissen von Köln dürfte jedoch eine Frau in der Führungsriege dem Magazin gut tun.

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