RTL vs. ARD und ZDF : Der Kampf um die Fußball-Rechte

RTL überträgt die Qualifikationsspiele Spiele der Fußball-Nationalelf. Das hat Konsequenzen – für RTL wie auch für ARD und ZDF.

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Günther Jauch (links) und Béla Réthy . Foto: dpa
Günther Jauch (links) und Béla Réthy .Foto: dpa

Nachteile ARD/ZDF?

Die öffentlich-rechtlichen Sender werden schon ordentlich erschrocken sein. Es galt als schier unumstößliche Tradition, dass die Fußball-Nationalmannschaft nur bei ARD und ZDF durchs Bild läuft. Der öffentliche Elite-Kick in den öffentlich-rechtlichen Elite-Programmen. Das war ein Grundrecht, kurz vor der Aufnahme ins Grundgesetz.

ARD und ZDF müssen durch den Verlust der 20 Qualifikationsspiele für die EM 2016 und die WM 2018 nach zwei Seiten argumentieren. Nicht wenige Gebührenzahler werden meckern, dass sie trotz der monatlichen Zwangsabgabe von 17,98 Euro zu RTL hin gezwungen werden, also zu Werbung, Kommerz und Show. Da zahlt man schon, und was passiert? Quali-Fußball bei RTL. Sind ARD und ZDF die Fans so egal?

Einerseits. Andererseits gibt es massiven Ärger in der Gebührenzahlerschaft über die Rechte-Summen und die Präsenz des Fußballs im ersten und im zweiten Programm. Die Sender müssen jetzt nachweisen, dass sie die geschätzten 100 Millionen Euro, die sie nicht ausgegeben haben, in überzeugende andere Projekte stecken und die frei bleibenden Programmflächen sinnvoll nutzen. Bessere „Tatorte“, Opern-Übertragungen um 20 Uhr 15, der Dokumentarfilm in der Primetime statt um Mitternacht? Oder doch Tennis in Wimbledon? Jedes Fernsehprogramm ist die Quadratur des Zuschauerkreises, und dieser Kreis bewegt sich heftig.

In den ARD-Anstalten und beim ZDF arbeiten große, kompetente Sportredaktionen, die zur Hochglanz-Fußballerei ein fast inzüchtiges Verhältnis entwickelt haben. Fällt jetzt aus, jetzt sind mehr Pausen und mehr Provinz angesagt als früher. Kriegen die Scholls, die Kahns, die Beckmänner und die Réthys das geregelt? Es läuft Quali, und du schaust nur bei RTL zu? Die Spiele der Nationalelf in den Stadien der Freundschaft der Welt, das ist zweite Wahl. Und dann, beim EM-Turnier und bei der WM, müssen die öffentlich-rechtlichen Zuschauer zeigen, dass sie es besser, mindestens so können wie die RTL-Truppe. Eine Kopfsache, und nicht nur das .

Vorteile RTL?

Zunächst einmal: Man spricht überhaupt wieder von RTL. Das war ja lange Jahre nicht so. Mit einem einzigen Deal – 20 Qualifikationsspiele der deutschen Nationalmannschaft zur EM 2016 und WM 2018 – scheint ein Ruck durch die Fernsehlandschaft zu gehen, mehr als bei allen anderen der zig Programmneuerungen (Soaps, Serien, Shows), die Programmchef Frank Hoffmann auf den Weg schickt. Fußball sells. Ist relevant. Wer ist schon Thomas Gottschalk, wenn man bald Thomas Müller live und exklusiv im Programm hat? Oder noch mehr Günther Jauch. Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass sich der Moderator die Präsentation dieser wichtigen deutschen Spiele nicht entgehen lässt. Zeit lassen Jauch der Sonntags-Talk-Job bei der ARD und „Wer wird Millionär?“ allemal.

Sorgen um die Qualität braucht sich der Fan nicht zu machen. Sportchef Manfred Loppe versprach „absolut seriöse Fußball-Berichterstattung mit dem entsprechenden Know-How. Aber natürlich auch Elemente, bei denen man schmunzeln darf.“ Schlimmer als das Zeit totschlagende Expertengequatsche bei ARD/ZDF („Du musst Dominanz ausüben“) kann’s nicht werden. Da nimmt man auch ein bisschen Brutzlerwerbung in Kauf.

Ein größeres Team wird sich RTL zusammenstellen müssen. Das wird bei der wandernden Karawane der Sportreporter aber kein Problem sein. Einen Experten-Vorschlag haben wir schon: RTL, nehmt Jupp Heynckes! Zum Konzept, der Frage, wer die einzelnen Spiele kommentieren oder ob Günther Jauch wirklich zur Verfügung stehe, wollte sich Loppe noch nicht äußern. Auch dazu nicht: RTL will den (kostenlosen) TV-Verbreitungsweg DVB-T spätestens bis Ende 2014 verlassen. Millionen Zuschauer müssen sich auf Kabel oder Satellit einlassen, wenn sie Thomas Müller für Deutschland kicken sehen wollen. Betroffen sind rund vier Millionen Haushalte in Deutschland, im Raum München schon ab August. In Ballungsräumen hat das Antennen-Fernsehen einen Marktanteil von bis zu 26 Prozent. Das wird noch für heiße Diskussionen sorgen.

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